Corona-Lage | 13. Januar 2022 Corona-Impfung: Sachsen-Anhalt mit niedrigem Booster-Anteil

Die Impfungen gegen das Coronavirus kommen in Deutschland etwas schneller voran. Allerdings hinkt Sachsen-Anhalt bei den wichtigen Booster-Impfungen hinterher. Auch wenn die Inzidenz-Zahlen hierzulande wieder überschaubar sind, bundesweit steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen stark. Parallel läuft die Impfkampagne im Land aus Sicht der Ärzte nicht so, wie es sein könnte.

Demo-Geschehen: Wo demonstrieren besonders viele Menschen?

Seit Wochen gehen Tausende Gegner von Corona-Maßnahmen und einer Impfpflicht auf der Straße. Am ersten Montag des neuen Jahres war es sogar zu Krawallen in Magdeburg gekommen. Am vergangenen Montag wurden bei den Protesten in der Landeshauptstadt laut Innenministerium zwei Polizisten leicht verletzt.

Aber wo demonstrieren besonders viele Menschen? Dieser Frage sind die Kollegen der Wochenzeitung "Die Zeit" nachgegangen. Dabei ist Sachsen-Anhalt weit vorn.

Innenausschuss beschäftigt sich mit Corona-Demonstrationen

Aus Sicht des Innenministeriums hat es bei den Einsätzen der Polizei zu den Demonstrationen gegen die Corona-Politik bisher keine grundsätzlichen taktischen Fehler gegeben. Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) sagte am Donnerstag vor dem Innenausschuss in Magdeburg:

Tamara Zieschang
Bildrechte: dpa

Bislang vermag ich nicht zu erkennen, dass wir auch nur in einem einzigen Fall, an einer Stelle zu viel Polizei und deswegen an anderer Stelle zu wenig hatten.

Tamara Zieschang (CDU) Innenministerin

Über das gesamte Land verteilt sei es angemessen gewesen. An dem Vorgehen der Polizei bei den Corona-Demos hatte es vor allem von der Opposition zuletzt immer wieder Kritik gegeben. "Es sind ganz sicher Fehler passiert und es wird darauf ankommen, dass jetzt es wirklich zu einer konsequenten Linie in Sachsen-Anhalt kommt", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Landtag, Sebastian Striegel. Es gehe dabei nicht um Härte, sondern um Konsequenz.

Seit Wochen steigt die Zahl der Versammlungen in Sachsen-Anhalt, auch wenn zuletzt die Teilnehmerzahlen etwas zurückgingen. Insbesondere im Zusammenhang mit einer berufsbezogenen und mit einer allgemeinen Impfpflicht hätte das Demonstrationsgeschehen an Intensität gewonnen, sagte Zieschang. Seit Dezember zählten die Behörden den Angaben zufolge über 400 Proteste.

Inzidenz in Sachsen-Anhalt weiter rückläufig

Die Corona-Inzidenz ist in Sachsen-Anhalt erneut gesunken. Am Donnerstag gab das Robert Koch-Institut (RKI) die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen einer Woche mit 240,3 an. In der Vorwoche war es 279,4.

Die höchste Corona-Inzidenz in Sachsen-Anhalt gab das RKI am Mittwoch für die Stadt Halle (332,5) an, den geringsten Wert hatte der Landkreis Wittenberg (149,8).

Die Gesundheitsämter Sachsen-Anhalts meldeten dem RKI von Mittwoch auf Donnerstag 1.179 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Zudem wurden weitere 19 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19- Erkrankung festgestellt. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 haben sich in Sachsen-Anhalt damit 236.108 Menschen infiziert, 4.446 davon starben.

Nur in Sachsen (228,3) ist die Corona-Inzidenz noch geringer als in Sachsen-Anhalt. In Thüringen beträgt sie 249,9. An der Spitze liegt derzeit Bremen mit einer Wocheninzidenz von 1.349,2 - Tendenz steigend. Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Wert bei 427,7 (Mittwoch: 407,5.).

Corona-Inzidenz bundesweit auf Rekordhoch

Deutschlandweit hat die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut übermittelten Corona-Neuinfektionen erneut einen Höchststand erreicht. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben von Donnerstagmorgen 81.417 Fälle in 24 Stunden.

Am Mittwoch hatte die Zahl erstmals die Schwelle von 80.000 überschritten. Vor genau einer Woche waren es 64.340 erfasste Neuinfektionen, wobei es im Zuge der Feiertage Lücken bei Tests und Meldungen gegeben hatte.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 316 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 443 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie knapp 7,5 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Impfzug fährt etwas schneller

Die Impfungen gegen das Coronavirus kommen in Deutschland etwas schneller voran. Am Mittwoch wurden 780.000 Impfdosen verabreicht, rund 66.000 mehr als tags zuvor. Das teilte das RKI mit. Im Schnitt der vergangenen sieben Tage habe es täglich 593.000 Impfungen gegeben, also rechnerisch sieben Personen pro Sekunde.

Damit sind dem RKI zufolge mindestens 60,1 Millionen Menschen oder 72,3 Prozent der Gesamtbevölkerung zweifach geimpft oder haben die Einmalimpfung von Johnson & Johnson erhalten. Die Bundesregierung strebt 80 Prozent bis Ende Januar an. 37,5 Millionen oder 45,1 Prozent haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. Diese ist wichtig für einen wirksamen Schutz vor der ansteckenderen Virusvariante Omikron.

Booster-Impfungen schwächeln in Sachsen-Anhalt

Den höchsten Anteil von Auffrischungsimpfungen haben das Saarland mit 54,1 Prozent sowie Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein mit 49,2 bis 49,6 Prozent. Den niedrigsten Booster-Anteil haben Sachsen mit 35,7 Prozent und Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit 38,4 bis 39,6 Prozent.

Nicht geimpft sind noch 20,9 Millionen Menschen oder gut ein Viertel der Bevölkerung. Dazu gehören auch 4,0 Millionen Kleinkinder bis 4 Jahre, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist.

Sachsen-Anhalts Ärzte fordern Impfstoff ohne Mengenbegrenzung

Die Ärzte in Sachsen-Anhalt sehen sich bei den Corona-Impfungen durch eine Quotierung des Biontech-Impfstoffs gebremst. "Wir brauchen nicht mehr Berufsgruppen, die mitimpfen. Wir brauchen mehr Impfstoff, dauerhaft und ohne Mengenbegrenzung, um Impftermine und Impfaktionen zuverlässig planen zu können", erklärte der Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Uwe Ebmeyer. Der Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, Jens-Andreas Münch, bestätigte, dass Bestellungen für die Praxen gekürzt werden.

REUTERS, dpa, MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Januar 2022 | 07:00 Uhr

3 Kommentare

Anni22 vor 2 Wochen

Die Antwort ist einfach, die Impfquote und die Indizes sind unabhängig von einander. Die Impfung verhindert nicht die Übnrtragung, nur die schwere Erkrankung. E

ElBuffo vor 2 Wochen

Man könnte auch sagen, dass es bei den Infizierten nicht mehr um ein Risiko geht, sondern dass es sich bereits verwirklicht hat. Man könnte auch sagen, dass die weiße Fahne, die beispielsweise der Salzlandkreis schon vor Weihnachten rausgehängt hat, tolle Erfolge erbracht hat. Man könnte auch sagen, dass nicht die Infizierten ein Problem sind, sondern jene, die Betten auf den ITS belegen.

Shantuma vor 2 Wochen

Man könnte nun sagen, dass die hohe Impfquote in Bremen für die hohe Inzidenz sorgt, aber das ist mir schlicht zu dumm.
Ich werde nicht auf den Zug aufspringen, den man noch im November/Dezember 2021 in Richtung Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hat fahren lassen.

Omikron kann halt besser anstecken. Wesentlich besser anstecken.

Auch sage ich nicht, das 2G für die hohe Inzidenz verantwortlich ist, oder spreche sogar von der Pandemie der Geimpften.
Nein! Die Menschen haben es selber in der Hand wie sie mit der Pandemie umgehen.
Wenn sie Essen gehen wollen, oder ins Theater, Kino usw. dann sollen sie es tun. Die Menschen wissen doch, dass die Impfung die Übertragung nur in einem begrenzten Maß reduziert. Und wenn man dann der Meinung ist, man müsse ohne Maske im Kino sitzen ... dann soll es eben so sein.
Aber da sage ich, das Infektionsrisiko ist im Kino geimpft und ohne Maske wohl höher als draußen nichtgeimpft und ohne Maske.
Letzteres hat Auflagen, nur mal zum Selbernachdenken.

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