Corona-Lage | 4. November 2021 Corona-Inzidenzen steigen – Maßnahmen werden verschärft

Die vierte Corona-Welle nimmt an Fahrt auf. Das merken die Städte und Landkreise an den steigenden Inzidenzen und Fallzahlen, weshalb sie ihre Maßnahmen verschärfen. Wie angespannt die Lage ist, merken auch die Kliniken, die an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Sie fordern nun finanzielle Unterstützung.

  • Die Inzidenz im Altmarkkreis Salzwedel ist landesweit immer noch am höchsten, geht aber wieder zurück.
  • Halle und Dessau verschärfen wegen der aktuellen Lage ihre Corona-Maßnahmen.
  • Das Gesundheitsministerium in Sachsen-Anhalt empfiehlt Auffrischungsimpfungen.

Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland hat einen neuen Rekordwert erreicht. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind am Donnerstag bundesweit 33.949 neue Corona-Fälle gemeldet worden – so viele wie nie zuvor. Hierzu muss beachtet werden, dass am Montag in vielen Bundesländern ein Feiertag war, weshalb einige Fälle möglicherweise erst später nachgemeldet wurden und die Zahl nun entsprechend höher ist. Dennoch ist ein genereller Anstieg der Fallzahlen erkennbar.

Aus Sachsen-Anhalt wurden dem RKI am Donnerstag 915 Neuinfektionen gemeldet. Das 7-Tage-Mittel der täglichen Neuinfektionen lag bei 752. Dieser Wert mildert Schwankungen durch Meldeverzüge an Wochenenden oder Feiertagen etwas ab. Ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen ist aber auch hier erkennbar. Am Donnerstag vor einer Woche lag der Wert bei 574, vor einem Monat waren es noch 197. Die meisten täglichen Neuinfektionen im 7-Tage-Mittel gab es in Sachsen-Anhalt am 15. Januar 2021 mit 908.

Inzidenz steigt und steigt

Auch die 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt steigt weiter. Nach Angaben des RKI lag sie am Donnerstag bei 161,9 nach 147,0 am Mittwoch. Vor einer Woche hatte der Wert bei 111,5 und vor einem Monat noch bei 41,4 gelegen.

Das muss bei der 7-Tage-Inzidenz beachtet werden

Der Wert stellt alle registrierten Corona-Infektionen innerhalb von sieben Tagen umgerechnet auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner dar. Anhand der Inzidenz kann abgelesen werden, wie stark das momentane Infektionsgeschehen einer Region ist. Allerdings ist an dem Wert allein nicht ablesbar, welches Infektionsgeschehen für einen hohen Wert verantwortlich ist.

50 Fälle in einem eingrenzbaren Cluster – beispielsweise einem Pflegeheim oder einer Feiergesellschaft, die im gleichen Ort wohnt und nicht sehr mobil ist – sind anders zu beurteilen als 50 Fälle, die sich über den gesamten Landkreis verteilen und diffuse oder nicht nachvollziehbare Infektions- und Kontaktketten nach sich ziehen.

Noch mehr Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel:

Inzidenz im Altmarkkreis Salzwedel geht zurück

Landesweit am höchsten ist die Inzidenz nach wie vor im Altmarkkreis Salzwedel. Dort hatten zahlreiche Infektionen in einem Altenheim für einen sprunghaften Anstieg gesorgt. Am Donnerstag lag die Inzidenz im Kreis laut RKI bei 388,2 und ist damit im Vergleich zum Vortag wieder gesunken. Am Mittwoch hatte sie noch bei 418,4 gelegen. Im Altmarkkreis gelten wegen der angespannten Infektionslage seit Donnerstag wieder strengere Maßnahmen. An Gymnasien und Sekundarschulen müssen Schülerinnen und Schüler im Unterricht wieder eine Maske tragen und sollen in der kommenden Woche dreimal getestet werden.

Nicht nur der Altmarkkreis verschärft seine Regeln, auch Halle und Dessau-Roßlau führen wegen deutlich steigender Zahlen die Testpflicht für Ungeimpfte wieder ein. Auch die 3G-Regel tritt wieder in Kraft. Zugang zu Innenräumen wie Kinos, Museen oder Restaurant erhalten nun noch geimpfte, genesene oder negativ getestete Personen. Der Burgenlandkreis und der Landkreis Wittenberg haben angekündigt, ab Montag ebenfalls die Maßnahmen zu verschärfen.

Impfquote leicht unter Bundesschnitt

Bis zum Donnerstag waren in Sachsen-Anhalt 64,8 Prozent der Menschen einmal gegen das Coronavirus geimpft, 63,3 Prozent hatten einen vollständigen Impfschutz. Die bundesweite Impfquote ist etwas höher und liegt bei 69,6 beziehungsweise 66,9 Prozent.

Gesundheitsministerium empfiehlt Booster-Impfung

Das Gesundheitsministerium von Sachsen-Anhalt wirbt weiter für die Impfung beziehungsweise Auffrischungsimpfung. "Wir appellieren nach wie vor, sich mit der Corona-Schutzimpfung auseinanderzusetzen und sich für eine Impfung zu entscheiden", sagte eine Sprecherin MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag. Zwar seien die stationären Impfzentren geschlossen worden. Nun würden aber niedergelassenen Ärzte sowie mobile Impfteams die Schutzimpfungen und auch Auffrischungsimpfungen übernehmen. Damit hält sich Sachsen-Anhalt an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.

Ausreichend Impfstoff dafür ist laut Kassenärtlicher Vereinigung vorhanden. Allerdings sind Hausärztinnen und Hausärzte demnach nicht verpflichtet, eine Booster-Impfung anzubieten. Jede oder jeder entscheide selbst, welche ärztlichen Leistungen – dazu zählen auch Impfungen – er oder sie in seiner Praxis anbietet. Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr empfiehlt eine Auffrischungsimpfung für Menschen ab 60 Jahren. Zudem hält er Kreuzimpfungen, also die Kombination aus verschiedenen Impfstoffen, für wirksamer. Mehr Wissenswertes rund um die Booster-Impfung lesen Sie bei #MDRklärt:

Klinikpersonal am Limit

Die Lage auf den Intensivstationen des Landes ist weiterhin angespannt. In Sachsen-Anhalt werden momentan 59 Menschen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt. Vor einer Woche lag der Wert bei 39 Fällen, vor einem Monat waren es 15.

Kliniken fordern finanziellen Hilfen

Viele Krankenhäuser stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen und das Personal an seine emotionalen Grenzen, sagte Freddy Eppacher, Regionalgeschäftsführer Ost für AMEOS, am Donnerstag. Man sei gezwungen, Patientinnen und Patienten abzuweisen, Eingriffe zu verschieben und Kapazitäten freizuhalten. Die Kliniken fordern daher einen Rettungsschirm vom Bund und vom Land, um die Pandemie stemmen zu können.

Eine ausführliche Daten-Übersicht zur Corona-Lage in Sachsen-Anhalt und den Landkreisen und kreisfreien Städten finden Sie hier:

MDR/Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 04. November 2021 | 17:00 Uhr

6 Kommentare

Falo vor 27 Wochen

Klar da zieht .an sich wieder an den 6 ungeimpften positiv getesteten hoch. Wichtiger ist da die meisten positiv getesteten doppelt geimpft waren und somit hätten ja geschützt sein müssen und eben auch aktuell die meisten Toden in Altenheimen doppelt geimpft sind. Diese Zahlen zeigen das eigentliche Dilemma und nicht das ungeimpfte Pflegepersonal was laufend getestet wird. Man hat einfach mit impfen impfen impfen aufs falsche Pferd gesetzt...das wird man nicht zugeben.

Traumich vor 27 Wochen

Woher kommen diese Inzidenz Zahlen? Und ist das nicht alles Mauschelei? Wenn ich (angeblich) nur noch Ungeimpfte teste...wie hoch ist dann die wirkliche Dunkelziffer? Wo und bei wem haben sich denn die Ungeimpften angesteckt? Und was wird eigentlich aus den Geimpften, bei denen nach 12 Monaten der Impfschutz offiziell abläuft? Wann beginnen wir endlich wieder ehrlich dieses Thema zu behandeln. Wie es jetzt ist, ist einfach nur beschämend.

Jesse Jones vor 27 Wochen

Im besagten Pflegeheim gab es doch erst gar keine Impfungen zu 100% bei den Bewohnern. Mindestens 6 positiv Getestete waren nicht geimpft. Da ist das Testen bei den Pflegern wenig sinnvoll. Seitdem es seit 11 Monaten ein Impfmittel gibt, ist erst mal jeder selbst verantwortlich.

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