Corona-Lage | 24. November 2021 Immer mehr Corona-Fälle: Unikliniken schlagen Alarm

Die 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt steigt weiter. In den Krankenhäusern spitzt sich die Lage zu. Die Unikliniken in Magdeburg und Halle kommen näher an ihre Grenzen und fordern daher ein schnelles und konsequentes Handeln.

Eine Intensivpflegerin überwacht die Werte der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik auf Monitoren, während sie telefoniert.
Die Unikliniken in Halle und Magdeburg schlagen angesichts steigender Krankenhausbehandlungen wegen Covid-19 Alarm. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt steigen die Corona-Zahlen weiter an. Die 7-Tage-Inzidenz beträgt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts am Mittwoch 616,5. So viele Menschen pro 100.000 Einwohner haben sich in den vergangenen sieben Tagen infiziert. Am Dienstag lag die Inzidenz bei 591,7 und vor einer Woche noch bei etwa 400.

Im bundesweiten Vergleich liegt Sachsen-Anhalt deutlich über dem Durchschnitt. Die bundesweite Inzidenz beträgt am Mittwoch 404,5, in vier weiteren Bundesländern liegt sie über 600, darunter in Sachsen und Thüringen.

Neue Regeln seit 24. November

Angesichts der aktuellen Lage gelten seit Mittwoch neue Corona-Maßnahmen. In ganz Sachsen-Anhalt gilt nun die 2G-Regel in Innenräumen, Zutritt haben also nur noch Geimpfte und Genesene. In Clubs und Diskotheken benötigen sie zudem einen negativen Test. Am Arbeitsplatz, im ÖPNV und auf Weihnachtsmärkten gilt die 3G-Regel. In den Schulen soll ab Donnerstag die Präsenzpflicht aufgehoben werden.

Weitere Details der aktuellen Eindämmungsverordnung lesen Sie im Überblicksartikel.

Die Lage in den Krankenhäusern

Derzeit werden landesweit insgesamt 120 Menschen wegen einer Covid-19-Infektion intensivmedizinisch behandelt, 71 von ihnen müssen beatmet werden. Am Dienstag wurden noch 117 Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen behandelt und 63 von ihnen beatmet. 18 weitere Covid-19-Intensivbetten sind in Sachsen-Anhalt aktuell noch frei.

Die Hospitalisierungsrate im Land ist am Mittwoch auf 12,66 gestiegen. Auch dieser Wert ist überdurchschnittlich im Vergleich zum Bundeswert, der bei 5,74 liegt. Die Hospitalisierungsrate zeigt an, wie viele Covid-19-Patientinnen und -Patienten in den vergangenen sieben Tagen im Krankenhaus behandelt werden mussten – gerechnet auf 100.000 Einwohner. Die Hospitalisierungsrate ist zwar ein wichtiger Wert für politische Entscheidungen, etwa über Maßnahmen, wird aber systematisch unterschätzt.

Unikliniken schlagen Alarm

Angesicht dieser Lage haben Unimediziner schnelles und konsequentes Handeln der Politik gefordert. Die Versorgungskapazitäten der Intensivstationen seien begrenzt. Die Gefahr, dass Grenzen erreicht werden, werde immer konkreter, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Universitätsmedizin Magdeburg und Halle am Mittwoch.

Sie sprechen sich zudem dafür aus, die Impfanstrengungen massiv zu verstärken. Es müsse eine Basisimmunität in der Bevölkerung aufgebaut werden, damit die vierte Corona-Welle nicht in eine fünfte Welle übergehe. Dies könne nur durch eine hohe Impfquote erreicht werden, erklärten die Universitätsmediziner.

Im Video schätzt Freddy Eppacher, Regional-Geschäftsführer Ost bei AMEOS, die Lage als "extrem angespannt" ein.

Impfquote steigt kaum noch

Bisher haben sich in Sachsen-Anhalt 64,5 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus impfen lassen, 66 Prozent sind mindestens einmal geimpft. Die Impfquoten steigen nur noch leicht. Im Vergleich zum Vormonat ist der Anteil der vollständig Geimpften nur um 1,2 Prozentpunkte höher. Etwas mehr Fahrt nehmen die Auffrischungsimpfungen auf. Bisher sind 7,3 Prozent der Bevölkerung im Land ein drittes Mal geimpft worden.

Auch bei den Impfquoten liegt Sachsen-Anhalt etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit sind 68,1 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Die niedrigste Impfquote verzeichnet weiterhin Sachsen mit 57,8 Prozent.

Umfrage: Freizeitbranche rechnet mit Besucherrückgang

In der Pandemie leidet aber nicht nur das Gesundheitswesen. Einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt zufolge rechnen 43 Prozent der Betriebe aus der Freizeitbranche in diesem Jahr mit einem pandemiebedingten Besucherrückgang. Schon 2020 sei die Besucherzahl verglichen mit dem Vorkrisenjahr 2019 um fast die Hälfte auf knapp sechs Millionen Gäste eingebrochen.

Zwischen August und Oktober dieses Jahres wurden 650 touristische Einrichtungen im Land befragt, 281 antworteten. Massive Rückgänge von 2019 auf 2020 verzeichneten laut Umfrage vor allem Freizeitattraktionen mit minus 85 Prozent sowie die Theater und Bühnen mit minus 71 Prozent. Zudem ergab die Umfrage, dass gut die Hälfte der Einrichtungen staatliche Corona-Hilfen erhalten hat.

MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. November 2021 | 19:00 Uhr

36 Kommentare

Wessi vor 7 Tagen

Wie bei der Grippe @ Kritiker wird es, bis die Krankheit ausgerottet ist oder es ein Vaccin gibt, daß lebenslang schützt, Auffrischungsimpfungen geben und bei Impfzwang wird es bei Verweigerern auch sicher die Möglichkeit geben, sie ggf. in Haft zu nehmen,sie dort zwangszuimpfen, denn sie schädigen bewusst andere.Und...ich sagte es: man ist genauso schlau wie vorher, wenn Impfverweigerer die Unterschrift unter den Verzicht auf Intensivbetreuung verweigern...von der Ethik der Mediziner einmal ganz abgesehen.

Fakt vor 7 Tagen

@Denkender:

Die Spaltung vorangetrieben haben ganz andere - und natürlich auch die Politik in Form der afd.
Und ja, es gibt viele Experten, seriöse Experten, die gehört werden.
Wer sind denn Ihre "wirklichen" Experten?

Wessi vor 1 Wochen

Leuten gegenüber @ Kritiker, die andere durch unverantwortlich a-soziales Verhalten auch nur potential gefährden, gedenke ich mich nicht "menschlich" gegenüber zu verhalten.Ich empfinde die als schwerstkriminell, da sie potential in Kauf nehmen, andere so zu schädigen, daß sie elendig krepieren.Letztendlich hiesse es ja, ich solle meinen politischen Feinden gegenüber menschlich...NIEMALS, allerbestenfalls politisch.

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