Digitales Corona-Werkzeug Sachsen-Anhalt nutzt Luca-App: Zwei Mal

Seit Ende März kann in Sachsen-Anhalt die Luca-App genutzt werden. Sie soll Gesundheitsämtern helfen, Kontakte nachzuverfolgen. Das Land hat dafür fast eine Million Euro ausgegeben. Bis heute haben die Gesundheitsämter die Luca-App nur zwei Mal genutzt. MDR SACHSEN-ANHALT hat alle Landkreise befragt.

luca-App
An zwei Händen kann man auch abzählen, wie oft Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt die Luca-App genutzt haben. Hier sind allerdings zwei QR-Codes zu sehen, die zum Einchecken gedacht sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr als 25.000 neue Corona-Infektionen sind seit Ende März in Sachsen-Anhalt gezählt worden. Nur in zwei Fällen kam in Gesundheitsämtern die Luca-App zum Einsatz. Das hat eine Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bei allen 14 Landkreisen und kreisfreien Städten ergeben.

In dem Fall im Salzlandkreis war ein positiv Getesteter zuvor bei einer Veranstaltung an einem See gewesen, bei der man sich mit Luca einchecken konnte. Dabei sei es zeitnah gelungen, Kontakt zu den relevanten Personen herzustellen und weitere Schritte einzuleiten, schreibt der Salzlandkreis auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Kontaktverfolgung auch im Landkreis Harz

Im Landkreis Harz hatte sich nach einer Techno-Veranstaltung am vergangenen Wochenende eine Besucherin am Dienstag mit ihrem positiven Testergebnis bei dem Veranstalter gemeldet. Der Veranstalter hat das Gesundheitsamt verständigt, das daraufhin die drei Kontaktdaten-Systeme abgerufen hat, die auf der Veranstaltung benutzt wurden: die Luca-App, die PassGo-Apss, die im Harz entwickelt wurde, und die Kontaktlisten, die über das Buchungssystem vorlagen. Mit Hilfe von Luca haben 50 Besucher der Veranstaltung eine Warn-E-Mail vom Gesundheitsamt aus dem Landkreis Harz bekommen.

Alle anderen Landkreise und kreisfreien Städte schreiben, dass sie das Luca-System bislang nicht genutzt haben, um Kontaktdaten abzurufen.

Luca kaum im Einsatz

"Ein Anwendungsfall ist bisher noch nicht eingetreten", schreibt der Landkreis Stendal. Das Gesundheitsamt im Jerichower Land konnte "ohne die Daten der Luca-App die Infektionsketten jederzeit nachvollziehen und somit entsprechend agieren". In Magdeburg ist Luca ebenfalls noch nicht zum Einsatz gekommen, im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wurden nur Erfahrungen aus Tests gemacht. "Wegen der geringen Zahl an Kontaktnachverfolgungen im Gesundheitsamt spielt die Luca-App aktuell keine Rolle", schreibt die Stadt Dessau-Roßlau.

Auch im Landkreis Wittenberg, im Saalekreis und im Landkreis Südharz-Mansfeld waren noch keine Anfragen bei Luca nötig. In Halle und im Burgenlandkreis bestand nach dem Test ebenfalls kein weiterer Bedarf.

Zwar ist Luca überall im Land einsatzbereit und auch an mehr als 4.300 Orten im Land verfügbar, aber die Gesundheitsämter haben bislang eben nur zwei Mal Kontaktdaten mithilfe der Luca-Technologie abgefragt. Der Landkreis Wittenberg schreibt zum Beispiel, man hätte bisher noch keine Erfahrungen mit Luca gesammelt: "Es kamen noch keine Daten über die App rein und sie wurde für die Nachverfolgung bisher nicht benötigt."

Dass Luca kaum genutzt wird, erklärt Ute Albersmann, die Sprecherin von Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium, so: "Aufgrund der sehr niedrigen Inzidenz gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt damit aber noch sehr wenige konkrete Erfahrungen." Die Möglichkeit zur digitalen Kontakterhebung mit Luca würde in Sachsen-Anhalt mittlerweile breit genutzt, schreibt Albersmann und sie hätte mit dazu beigetragen, dass nach dem Lockdown Gaststätten und Kultureinrichtungen schnell und trotzdem sicher öffnen konnten.

MDR SACHSEN-ANHALT hat alle Landkreise und kreisfreie Städte fünf Fragen zur Luca-App gestellt. Hier dokumentieren wir alle Antworten:

Altmarkkreis Salzwedel

Welche Erfahrungen hat der Altmarkkreis Salzwedel mit der Luca-App gemacht?
Eine Nutzung der Fachanwendung Luca App findet im Altmarkkreis Salzwedel statt.

Wo wird die App genutzt?
Zahlreiche Unternehmen (Veranstalter, Einzelhändler, Gastronomen) nutzen bereits die Luca-App, um die Besucher der jeweiligen Lokalität zu registrieren. Eine genaue Anzahl der Nutzer (sowohl gewerblich als auch privat) liegt dem Altmarkkreis Salzwedel nicht vor. Bisher musste das Gesundheitsamt des Altmarkkreises Salzwedel noch nicht auf die jeweils gespeicherten Daten zurückgreifen. Der Nutzen der App wird positiv gesehen, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass der Nutzer (Betroffene) und der Veranstalter sie richtig verwenden und bedienen.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Bisher musste das Gesundheitsamt des Altmarkkreises Salzwedel noch nicht auf die jeweils gespeicherten Daten zurückgreifen.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Der Nutzen der App wird positiv gesehen, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass der Nutzer (Betroffene) und der Veranstalter sie richtig verwenden und bedienen

Landkreis Stendal

Welche Erfahrungen hat der Landkreis Stendal mit der Luca-App gemacht?
Die Installation und Konfiguration der Software im Gesundheitsamt hat reibungslos funktioniert. Ein Anwendungsfall ist bisher noch nicht eingetreten.

Inwieweit macht sich Landkreis Stendal für den Einsatz der Luca-App stark?
Aufgrund eines Urteils gegen eine andere Kommune darf der Landkreis Stendal keine Werbung explizit für die Luca App machen. Alle Aktionen, die in dieser Hinsicht geplant und vorbereitet waren, wurden gestoppt. Auf der Website weist der Landkreis seit Bekanntwerden des Urteils lediglich auf die Vorzüge einer digitalen Kontaktverfolgung hin: Besucher per App registrieren (landkreis-stendal.de)

Wo wird die App genutzt?
Da der Landkreis den Veranstaltern die Nutzung der App nicht vorschreiben kann, ja wegen des o.g. Urteils nicht mal ausdrücklich empfehlen darf, gibt es in der Kreisverwaltung keinen Überblick darüber, wieviel und welche Veranstalter mit Luca arbeiten. Der Landkreis selbst erfasst Besucher diverser Veranstaltungen mit Hilfe dieser Anwendung.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Der Fall, dass ein positiv Getesteter angegeben hat, dass er sich in den letzten Tagen in einer Luca Location aufgehalten hat, ist bisher nicht aufgetreten.

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
In den Fällen, in denen bisher der Service in Anspruch genommen werden musste, hat die Firma schnell und zuvorkommend reagiert.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Jedes automatisierte System, mit dem die Kontakterfassung und –nachverfolgung vereinfacht wird, hilft auf jeden Fall, Kontaktpersonen schneller zu identifizieren und zu separieren. Das kann ein Baustein bei der Verhinderung oder zumindest Abschwächung einer möglichen weiteren Infektionswelle sein. Allerdings ist der Nutzen begrenzt, wenn der Behörde untersagt wird, aktiv für die Nutzung der Anwendung zu werben.

Landkreis Börde

Welche Erfahrungen hat der Landkreis Börde mit der Luca-App gemacht?
Auskunft per Telefon: Luca wurde zur Kontaktnachverfolgung noch nicht genutzt

Landkreis Jerichower Land

Welche Erfahrungen hat der Landkreis Jerichower Land mit der Luca-App gemacht?
Der Kreisverwaltung ist bekannt, dass einzelne Läden im Jerichower Land die Luca-App nutzen. Aktiv beworben wird die App jedoch durch uns nicht, da das Gesundheitsamt auch ohne die Daten der Luca-App die Infektionsketten jederzeit nachvollziehen und somit entsprechend agieren konnte. Daher können wir auch keine Aussagen zu den Erfahrungen und dem Service treffen. Gleichwohl halten wir uns diese Möglichkeit der Nachverfolgung als Option offen, sofern entsprechende Lagen die Nutzung erfordern sollten.

Stadt Magdeburg

Welche Erfahrungen hat die Stadt Magdeburg mit der Luca-App gemacht?
Im Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Magdeburg ist die Luca-App bislang noch nicht zum Einsatz gekommen. Deshalb können wir Ihre Fragen nicht beantworten.

Landkreis Harz

Welche Erfahrungen hat der Landkreis Harz mit der Luca-App gemacht?
Da wir bis jetzt kaum Berührungspunkte mit der Luca-App hatten, kann ich Ihnen die Fragen leider nicht beantworten. Einmal wurde uns eine Kontaktperson per Mail via Luca-App gemeldet. Die Daten wurden uns vollständig in einer Excel-Tabelle übermittelt, so dass wir problemlos mit der Person Kontakt aufnehmen konnten. Unser Corona-Team kann das Nutzen der App für die vierte Welle aufgrund der wenigen Erfahrungen schlecht einschätzen. Wir sind dankbar für jegliche Art von Übermittlungen der möglichen Kontaktpersonen.

Salzlandkreis

Der Salzlandkreis hatte sehr frühzeitig App-Anbietern in Sachsen-Anhalt die Tür aufgemacht für digitale Lösungen zur besseren Kontaktnachverfolgung, die das Ausfüllen von Gästelisten überflüssig machen können. Eines der verschiedenen Angebote ist die Luca-App.

Der Kontakt zu den Entwicklern kam zustande, weil sich der Salzlandkreis auf den Weg gemacht hatte, die Region zu einer Smart Region zu entwickeln und zu vernetzen. Vernetzen meint sowohl Daten als Akteure. Aus einem ersten Kontakt und Zusammentreffen von Landrat Markus Bauer mit einem der StartUp-Beteiligten am Rande einer Veranstaltung entwickelte sich in der Folge die besondere Möglichkeit und das Angebot, die Entwicklung der App zu unterstützen mit der Erprobung bei uns im ländlichen Raum und eben nicht nur in den Metropolen.

Seit November letzten Jahres liefen die praktischen Erprobungen der App im Salzlandkreis. Ein Altenpflegeheim in Bernburg war Pilotprojekt zur Einführung bei uns. Inzwischen ist die App weit verbreitet und wird bei vielen Veranstaltungen angewendet.

An bzw. in den Dienstgebäuden wirbt der Salzlandkreis für die Nutzung der Luca-App. Besucher haben die Möglichkeit, die App mit Hilfe eines QR-Codes auf ihr Handy zu laden und sich zu registrieren. Im Zuge der Einführung der Luca-App in Altenpflegeheimen wurde zu diesem Thema ein Flyer entwickelt und veröffentlicht. Wir haben auch die Medien darüber informiert. 

Die Möglichkeit der Nutzung der Luca-Schlüsselanhänger wurde im letzten Monat realisiert. Der Salzlandkreis trägt an den kommenden vier Wochenenden seinen Open-Air-Kultursommer in vier Städten aus und stellt dabei den Veranstaltern bzw. Besuchern ohne Smartphone solche Schlüsselanhänger zur Verfügung.

Ein Hinweis zur Nutzung der App auf der Homepage des Landkreises ist in Planung.

Die App findet bei uns im Kreisgebiet Anwendung in vielen verschiedenen Bereichen. Neben den bereits erwähnten Pflegeheimen sind es v.a. Veranstaltungsmanager, die sie für die Registrierung ihrer Besucher nutzen. Freizeiteinrichtungen, wie der Zoo, Tiergärten, u. ä. bieten ihren Gästen die Möglichkeit der Registrierung über diese App.

Unser Gesundheitsamt hat in der Praxis, neben einigen Tests zur Funktionsweise, erst einmal die Datenübermittlung der App genutzt. Es handelte sich um eine Freiluftveranstaltung an einem Badesee, bei der Kontaktpersonen zu einem positiv getesteten Besucher der Veranstaltung ermittelt werden mussten. In diesem Fall gelang es sehr zeitnah, Kontakt zu den relevanten Personen herzustellen und die weiteren Schritte einzuleiten.

Die Zusammenarbeit mit der Entwicklerfirma fand und findet auf verschiedenen Ebenen statt, neben dem Gesundheitsamt vor allem auch zur technischen Vorbereitung und Umsetzung mit unserem FD Informations- und Kommunikationstechnik. Nach der Einweisung vor Ort gab es auch Online-Schulungen für unsere Kolleginnen und Kollegen.

Sie fragen nach dem Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle. Wir meinen, sie kann sich in drei verschiedene Richtungen sehr positiv auswirken.

Die Nutzer (Besucher) können sich bei einem erhöhten Registrierungserfordernis in Zukunft schnell und mit sehr wenig Aufwand bei Veranstaltungen, in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Einkaufseinrichtungen u. ä. anmelden, was die Akzeptanz für solche Maßnahmen fördert.

Veranstalter, Gastronomen, Ladenbesitzer, Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen usw. können mit der Nutzung der App (und der Schlüsselanhänger) vermehrt auf die Anwesenheitsnachweise in Papierform verzichten. Das vermindert den Arbeitsaufwand, vor allem werden aber datenschutzrechtliche Belange viel besser eingehalten.

Nicht zuletzt das Gesundheitsamt wird in von den Vorteilen der App profitieren, je mehr sie genutzt wird. Und eben auch, wenn die Infektionsfälle wieder ansteigen. Zur notwendigen Kontaktnachverfolgung können Luca-Daten schnell und in guter Qualität genutzt und Kontaktketten somit schnell und genau unterbrochen werden.

Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Welche Erfahrungen hat Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit der Luca-App gemacht?
Erfahrungen wurden bisher nur bei Testzwecken (Intern) gesammelt.

Inwieweit macht sich Landkreis Anhalt-Bitterfeld für den Einsatz der Luca-App stark?
In unseren Pressemitteilungen wird auf die elektronischen Hilfsmittel Corona-Warn-App oder die Luca-App hingewiesen. Flyer liegen nicht direkt im Landkreis aus.

Wo wird die App genutzt?
Die App wird zurzeit im Landkreis Anhalt Bitterfeld nur selten benutzt (Geschäfte, Restaurants).

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Die App wurde nur am Anfang zu Test- und Lernzwecken benutzt. Eine Verknüpfung besteht jedoch und ist jederzeit einsatzbereit.

Welche Erfahrungen wurden dabei gemacht?
Die App funktioniert soweit problemlos und hat Ihren Zweck erfüllt. Leider gibt es bei Privaten Treffen nicht die Möglichkeit die Daten direkt an das Gesundheitsamt zu übermitteln. Hier muss man sich auf den Bürger verlassen.

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
Die Zusammenarbeit mit der Firma neXenio GmbH ist eher mangelhaft. Gestellte Fragen wurde meist oberflächlich beantwortet und waren oft nicht zufriedenstellend. Des Weiteren musste man auch etwas länger auf die Antworten warten.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Die App kann ein Nutzen sein im Bezug auf die vierte Welle, doch nur, wenn sie im öffentlichen Bereich genutzt wird, da diese Daten unkompliziert an das Gesundheitsamt übermittelt werden können. Eine Zuarbeit der jeweiligen Betreiber ist stets erforderlich. Im privaten Bereich wird es sehr schwierig, da die Daten aufgrund des Datenschutzgesetztes nicht automatisch übermittelt werden dürfen.

Stadt Dessau-Roßlau

Welche Erfahrungen hat die Stadt Dessau-Roßlau mit der Luca-App gemacht?
Auf Grund der im Moment geringen Zahl an Kontaktnachverfolgungen im Gesundheitsamt spielt die Luca-App aktuell keine Rolle.

Landkreis Wittenberg

Welche Erfahrungen hat der Landkreis Wittenberg mit der Luca-App gemacht?
Bisher noch keine. Es kamen noch keine Daten über die App rein und sie wurde für die Nachverfolgung bisher nicht benötigt.

Inwieweit macht sich der Landkreis Wittenberg für den Einsatz der Luca-App stark?
Im Rahmen von Hygienekonzepten wird darauf verwiesen, explizit beworben wird die App durch den Landkreis nicht.

Wo wird die App genutzt?
Darüber liegen uns keine Informationen vor.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Noch gar nicht.

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Es wird schnell auf Anfragen reagiert.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Die App ist für die Nachverfolgung ein gutes Tool, daher schätzen wir den Nutzen als hoch ein.

Landkreis Mansfeld-Südharz

Welche Erfahrungen hat der Landkreis Mansfeld-Südharz mit der Luca-App gemacht?
Dadurch, dass noch keine Kontaktabfragen in LUCA notwendig waren, konnten im Gesundheitsamt des Landkreises Mansfeld-Südharz auch noch keine Erfahrungen damit gesammelt werden. 

Inwieweit macht sich der Landkreis Mansfeld-Südharz  für den Einsatz der Luca-App stark?
Social-Network-Postings.

Wo wird die App genutzt?
In verschiedensten Einrichtungen, zum Beispiel Kino, Freibäder, Einkaufsmärkte, Einzelhandel.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Bislang war es nicht notwendig, Daten von der App abzufragen, da sich das Corona-Infektionsgeschehen in den letzten Wochen auf sehr niedrigem Niveau entwickelte und auch keine größeren Veranstaltungen im Landkreis stattfanden.

Welche Erfahrungen wurden dabei gemacht?
Keine, da die App noch nicht genutzt wurde.

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
Die Einrichtung verlief problemlos.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Die App stellt ein hilfreiches Instrument zur Kontaktnachverfolgung dar. Jedoch würde die personelle Kapazität des Gesundheitsamtes hinsichtlich der Nachverfolgung bei größeren Veranstaltungen schnell an ihre Grenzen stoßen. Veranstalter von größeren Veranstaltungen sollten die Check-Ins innerhalb der Veranstaltung auf kleinere Bereiche herunterbrechen. Es macht keinen Sinn, Kontaktdaten von mehreren hundert oder tausend Personen zu erhalten, welche möglicherweise gar keinen Kontakt zu-einander hatten.

Saalekreis

Welche Erfahrungen hat der Saalekreis mit der Luca-App gemacht?
Die Luca-App musste zur Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt bisher noch nicht eingesetzt werden.

Inwieweit macht sich der Saalekreis für den Einsatz der Luca-App stark?
Auf der Website des Landkreises Saalekreis wurde mit einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass das Gesundheitsamt an die Luca-App angeschlossen ist und Veranstalter, bzw. andere Dienstleister, diese für die digitale Registrierung der Gäste/Kunden nutzen können.

Wo wird die App genutzt?
Die App wird von einigen Veranstaltern, Museen und einzelnen Gaststätten genutzt.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Eine Nutzung seitens des Landkreises war bisher noch nicht nötig.

Welche Erfahrungen wurden dabei gemacht?
Da eine derartige Nutzung noch nicht stattgefunden hat, konnte der Landkreis hier bisher keine Erfahrungen sammeln.

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
Hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Saalekreis und der Entwicklerfirma gab es bisher keine Probleme.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Durch weitere und bereits erfolgte Öffnungen von beispielsweise Freizeiteinrichtungen, Schulen und Dienstleistern kann es zu einem Zuwachs an Kontaktpersonen im Saalekreis kommen. Im Fall einer vierten Welle könnte die Nutzung der Luca-App durchaus notwendig und nützlich sein.

Stadt Halle

Welche Erfahrungen hat die Stadt Halle mit der Luca-App gemacht?
Die Luca-App wird von verschiedenen Gewerbetreibenden und Veranstaltern in Halle (Saale) eingesetzt, zum Beispiel von Gaststätten.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
Bislang bestand nach dem Test zur Einführung kein weiterer Bedarf.

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
Der Auftraggeber ist das Land Sachsen-Anhalt. Ein direkter Kontakt besteht jedoch, der zum Informationsaustausch bei Fragen genutzt wird. Die Stadt verfolgt die Weiterentwicklung aufmerksam.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
siehe Antwort zu Frage 1. Zu beachten ist bei digitaler Kontaktnachverfolgung: die Nutzer dies zulassen; diese müssen ihre Daten stets freigeben.

Burgenlandkreis

Welche Erfahrungen hat der Burgenlandkreis mit der Luca-App gemacht?
Der Landkreis führte das LUCA-System ein. Bisher konnten mit dem LUCA-System jedoch noch keine Erfahrungen gesammelt werden.

Inwieweit macht sich der Burgenlandkreis für den Einsatz der Luca-App stark?
Der Landkreis informierte die Unternehmen der Region über die mögliche Nutzung der LUCA-App und informierte über die Presse über eine mögliche Nutzung.

Wie oft hat Ihr Gesundheitsamt die Daten der App bereits genutzt?
LUCA wurde aufgrund der niedrigen Fallzahl seit der Einführung des System von Bürgern noch nicht als mögliche Quelle genannt. Somit konnte das Gesundheitsamt Burgenlandkreis noch keine Daten über das LUCA-System abrufen. 

Wie ist die Zusammenarbeit und der Service der Entwicklerfirma?
Eine aussagekräftige Antwort zu möglichen Problemen kann aufgrund der obigen Antwort zur vierten Frage und der damit einhergehenden fehlenden Erfahrung erfolgen. Die Installation bzw. Bereitstellung von LUCA verlief ohne Probleme und innerhalb weniger Tage wurden alle relevanten Postleitzahlgebiete für die Verwendung freigeschaltet. Auf E-Mailanfrage wird hilfreich in angemessener Zeit geantwortet. Eine aussagekräftige Antwort zu möglichen Problemen kann aufgrund der obigen Antwort zur vierten Frage und der damit einhergehenden fehlenden Erfahrung erfolgen. Die Installation bzw. Bereitstellung von LUCA verlief ohne Probleme und innerhalb weniger Tage wurden alle relevanten Postleitzahlgebiete für die Verwendung freigeschaltet. Auf E-Mailanfrage wird hilfreich in angemessener Zeit geantwortet.

Wie schätzen Sie den Nutzen der App für eine mögliche vierte Welle ein?
Diese Frage ist derzeit nicht zu beantworten

Hier hören Sie die Meinung von Sebastian Striegel zur spärlichen Luca-Nutzung in Sachsen-Anhalt. Striegel ist parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt.

Grüne: Luca ausmustern, Corona-Warn-App nutzen

Für den parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Sebastian Striegel, hat Luca in Sachsen-Anhalt vor allem finanziellen Schaden angerichtet: "Eine Million Euro Schaden und ein praktisch kaum messbarer Nutzen: Das ist die digitale Bilanz der SPD Gesundheitsministerin bei der Luca-App in der Pandemiebekämpfung in Sachsen-Anhalt." Die Luca-App gehöre ausgemustert und die Corona-Warn-App müsse zur Kontaktnachverfolgung endlich verpflichtend gemacht werden, so Striegel.

Der Grüne hatte im Juni mit einer Anfrage an die Landesregierung (PDF) die Kosten der App für Sachsen-Anhalt öffentlich gemacht. Demnach hat Sachsen-Anhalt für eine Jahreslizenz für Luca 684.000 Euro bezahlt, zusätzlich hat Luca pauschal 150.000 Euro für SMS berechnet, die die App als Bestätigung bei der Registrierung verschickt.

Der Bund der Steuerzahler in Sachsen-Anhalt hatte die Kosten im Juni kritisiert. Vorsitzender Ralf Seibike: "Dass die Kosten im Voraus für ein Jahr bezahlt werden, ist bei einem solchen Modell auch ungewöhnlich. So kann man an eine so teure IT-Beschaffung, auch wenn es um Digitalisierung und die Abschaffung der Zettelwirtschaft geht, nicht herangehen."

Der Vertrag mit der Firma hinter Luca, Nexenio aus Berlin, hat eine Laufzeit bis zum 31. März nächsten Jahres. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium kann noch nicht sagen, ob man den Vertrag verlängert oder auslaufen lässt. "Einen Anschlussvertrag gibt es bislang nicht", schreibt Sprecherin Albersmann.

Luca-Nutzen in der vierten Welle

Einige Landkreise glauben – trotz fehlender eigener Erfahrungen – dass Luca in einer möglichen vierten Corona-Welle helfen kann: Der Altmarkkreis Salzwedel sieht einen positiven Nutzen der App, "jedoch immer unter der Voraussetzung, dass der Nutzer und der Veranstalter sie richtig verwenden und bedienen". Der Landkreis Wittenberg schreibt: "Die App ist für die Nachverfolgung ein gutes Tool, daher schätzen wir den Nutzen als hoch ein." Die Nutzung der Luca-App könnte durchaus notwendig und nützlich sein, meint auch der Saalekreis.

Ein Smartphone-Display mit einem QR-Code und Kartons mit Kleidung 62 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 07.05.2021 12:58Uhr 61:55 min

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Der Landkreis Mansfeld-Südharz gibt zu bedenken, dass Luca vor allem bei größeren Veranstaltungen richtig benutzt werden muss. "Veranstalter von größeren Veranstaltungen sollten die Check-Ins innerhalb der Veranstaltung auf kleinere Bereiche herunterbrechen", schreibt der Landkreis. Es mache keinen Sinn, Kontaktdaten von mehreren hundert oder tausend Personen zu erhalten, die möglicherweise gar keinen Kontakt zueinander hatten. Um so viele Menschen zu kontaktieren, würde das Personal des Gesundheitsamtes nicht ausreichen.

Im Landkreis Stendal ist man der Ansicht, dass jedes automatisierte System helfen würde, das Kontakte einfacher erfassen und nachverfolgen könne. Es helfe "auf jeden Fall, Kontaktpersonen schneller zu identifizieren und zu separieren."

Aber in Stendal sieht man den Nutzen von Luca aus einem anderen Grund begrenzt: weil Behörden untersagt werde, "aktiv für die Nutzung der Anwendung zu werben". Das liegt wohl an einem Urteil des Verwaltungsgericht Osnabrück aus dem Juni. Darin wurde dem Landkreis Osnabrück untersagt, auf der Webseite für die Luca-App zu werben, ohne neutral auch weitere Apps zu nennen, die Kontakte nachverfolgen könnten.

Salzlandkreis ist überzeugt von Luca

Überzeugt von Luca ist vor allem der Salzlandkreis. An und in Dienstgebäuden werde dafür geworben, teilt der Kreis mit. Im Salzlandkreis fand auch eines der ersten Luca-Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt statt. Und dort meint man auch, die Luca-App würde positiv in einer vierten Welle wirken. Zum einen könnten sich Nutzer damit einfach registrieren, und Veranstalter hätten weniger Aufwand. "Nicht zuletzt das Gesundheitsamt wird in von den Vorteilen der App profitieren, je mehr sie genutzt wird. Zur notwendigen Kontaktnachverfolgung können Luca-Daten schnell und in guter Qualität genutzt und Kontaktketten somit schnell und genau unterbrochen werden."

Hier sehen Sie, wie IT-Expertin Bianca Kastl den Nutzen der Luca-App einschätzt.

Nachverfolgen vs. Warnen

Aus dem Gesundheitsamt im Landkreis Harz ist nach dem Fall auf der Veranstaltung am vergangenen Wochenende ein etwas anderes Fazit zu hören: "Sollten die Zahlen steigen, dauert es, die Leute mit Hilfe von Luca oder anderen Apps zu kontaktieren." IT-Experten befürchten und kritisieren das schon lange – ohne Erfolg. Deshalb hat einer von ihnen mittlerweile entnervt aufgehört, Programmier- und Konzeptschwachstellen von Luca zu sammeln.

Und auch IT-Expertin Bianca Kastl, die das Gesundheitsamt Bodenseekreis berät, bleibt bei Luca mehr als skeptisch. Derzeit vor allem wegen der ansteckenderen Delta-Variante, die in Deutschland zu 95 Prozent verbreitet ist: "Eigentlich muss man bei Delta dazu kommen, dass man ganz schnell Leute warnt, weil man gar nicht mehr so viel Zeit hat." Sie glaubt, dass man deshalb nur zwei Tage hat, um mit der Nachverfolgung etwas erreichen zu können.

"Den einen Tag davor wird man wahrscheinlich verbrauchen, weil der Test ausgewertet wird. Dann hat das Gesundheitsamt einen Tag, um die Leute zu erreichen." Danach seien die Menschen bereits infektiös und man müsse bereits anderen Infektionsketten hinterher laufen. Luca bringe bei vielen Fällen deshalb nichts, meint Kastl. Ihr Fazit: "Luca kann die Masse der Fälle und die Masse der Kontaktpersonen, die daraus generiert werden, nicht so schnell erreichen, um effizient gegenzusteuern."

Meinung: Was unser Autor über die Ergebnisse seiner Recherche denkt

Was ist von dem Ganzen zu halten?

Von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Wie kann jemand ein Werkzeug gut finden, das er noch nicht in der Praxis benutzt hat? Wie entsteht die Einschätzung von manchen Landkreisen und dem Gesundheitsministerium zu Lucas Nutzen für eine mögliche vierte Welle, ohne diese App im Alltag benutzt zu haben? Diese Frage stellt sich mir als erstes nach dieser Recherche. Eine andere betrifft die "Datensammelei".

Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium schreibt: "Die kostenfreie Bereitstellung der Luca-App ermöglicht Nutzer/innen in Sachsen-Anhalt die einfache und schnelle Erfüllung von Pflichten zur Kontaktdatenerhebung in digitaler Form." Ja, nur sind diese Pflichten nicht vom Himmel gefallen. Diese Pflichten hat die Landesregierung in den Corona-Verordnungen festgelegt.

Aber ich halte eine andere staatliche und gemeinschaftliche Pflicht für deutlich wichtiger: Menschen davor zu warnen, dass sie möglicherweise Kontakt zu einem Infizierten hatten. Das geht natürlich, indem Gesundheitsämter diese Menschen kontaktieren, eine Akte anlegen und die genauen Umstände klären. Nur geht das so eben nicht besonders schnell. Schneller geht es mit der Corona-Warn-App – ohne den "Umweg" Gesundheitsamt – die direkt die Nutzer warnt. Und das Gesundheitsamt? Natürlich muss das auch Bescheid wissen. Und es erfährt auch von jedem einzelnen Infizierten: Teststationen und Labore sind nämlich verpflichtet, einen positiven Fall an die Ämter zu melden.

Niemand konnte mir bisher erklären, warum Gaststätten und Veranstalter nicht einfach und ausschließlich die Corona-Warn-App, die ja auch teuer genug war, nutzen dürfen. Sie warnt schneller und mit ihr können wir ein loderndes Infektionsfeuer eher austreten. Sachsen ist deutschlandweit das einzige Bundesland, das das erlaubt.

Mehr zum Thema: Corona-Kontaktnachverfolgung

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MDR/Marcel Roth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. August 2021 | 12:00 Uhr

8 Kommentare

Steffen1978 vor 9 Wochen

Bluetooth benötigt viel Akkuleistung. Jedoch können Sie problemlos in den Energiesparmodus wechseln, denn die App benötigt nur Bluetooth LE (=Low Energy zu Deutsch geringen Strombedarf).

Karol vor 9 Wochen

Meine Feststellung:
Die Corona App auf meinen iPhone verbraucht im Ruhezustand viel zu viel Energie. Mit Luca app habe ich nur Energieverbrauch wenn ich es nutze.

Außerdem ist Luca auch ohne einen Mobilfon nutzbar. Dafür kannst Du Dir einen Luca-Code auf eine Plastikanhänger erstellen lassen.

Gewundert habe ich mich über die Kosten für die Corona App Erstellung. Fachleute sagen das er zehnmal teurer war als eine vergleichbare Leistung.
Aber es sind ja nur Steuergelder. !!

Steffen1978 vor 9 Wochen

Bei Besuch des barocker Hecken-Irrgarten in Altjeßnitz vor 2 Wochen, wurde LUKA-App verlangt. Hatte diese schon deinstalliert und musste persönliche Daten schriftlich in frei liegender Liste eintragen wobei mir alle Daten der vorherigen Besucher frei lesbar und abfotografierbar ergo nicht wirklich Datenschutzkonform, waren. Die Corona-Warn-App, Impfpass-App + CovPass-App reichen mir völlig.

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Rechte: Matthias Strauss

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