Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 5. Januar 2021 Die Virus-Variante B.1.1.7 – Was bisher bekannt ist

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Heute haben Bund und Länder schärfere Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus beschlossen. Außerdem macht eine Mutation des Virus von sich reden: B.1.1.7 oder auch als SARS-CoV-2 VOC 202012/01 bezeichnet – das sind die Themen im heutigen Corona-Newsletter.

Symbolbild Corona-Test
Bildrechte: imago images,MiS | Grafik MDR

Guten Abend, liebe Newsletterfreunde,

ich muss schon sagen: Chapeau und Hut ab. Vielen Dank für Ihre vielen Zuschriften, Meinungen und interessanten Beiträge zu meiner gestrigen Frage, wie es Ihnen denn mit dem Thema Corona ergangen ist. Und auch über das Lob haben wir uns in der Redaktion sehr gefreut. Das können wir nur zurückgeben – für Ihr aufmerksames Lesen, Ihre Fragen und auch für das Weiterempfehlen.

Heute möchte ich das folgende Thema vorstellen: Was über die Virus-Variante B.1.1.7 bisher bekannt ist. Und natürlich zum Schluss, worauf sich die Ministerpräsidentinnen und –präsidenten mit der Bundeskanzlerin geeinigt haben: Verlängerung des Shutdowns oder Lockerungen.

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Aber zuerst, wie immer der Blick auf die aktuellen Entwicklungen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Heute am Dienstag, den 5. Januar 2021, hat das Robert Koch-Institut deutschlandweit 11.897 neu positiv Getestete gemeldet (Stand 8:20 Uhr).

Die meisten Neuinfektionen gab es in Bayern (+2.528), Nordrhein-Westfalen (+1.969), Baden-Württemberg (+1.510) und Sachsen (+1.302).

Woher kommen die unterschiedlichen Zahlen?

Gestatten Sie mir an dieser Stelle einen Hinweis: Thomas M. aus Magdeburg hat völlig zu recht gefragt, wie es sein könne, dass die eben genannten Zahlen der Neuinfektion mit nachfolgenden nicht übereinstimmen. Also konkret: Warum das RKI von 1.302 gemeldeten Neuinfektionen in Sachsen schreibt und wir weiter unten von 2.071.

Die Frage ist gut, denn sei zeigt, wie vorsichtig man mit Zahlen und Meldungen umgehen muss. Die Antwort (ganz kurz zusammengefasst) lautet: Es liegt an den unterschiedlichen Quellen und Zeitpunkten, wann die Zahlen veröffentlicht werden.

Der Unterschied kommt dadurch zustande, dass es einen Verzug bei den Meldungen vom Arzt, der den Test durchführt, zum Labor, zum Gesundheitsamt, zu den Kreisverwaltungen, zu den Ministerien der Länder bis zum Robert Koch-Institut gibt. Jeder veröffentlicht die Zahlen, so wie sie ihnen zu einem bestimmten Zeitpunkt vorliegen. Vereinfacht gesagt: Je räumlich näher man am Infektionsgeschehen ist, umso "aktueller" sind die Zahlen. Das heißt: Am Anfang des Zahlenblocks nenne ich die RKI-Zahlen Stand morgens 8:20. Und unten werden die Zahlen aus den Angaben der Landkreise und der Ministerien berechnet (Stand später Nachmittag) – sie sind also etwas aktueller.

Das sind also jetzt die "aktuelleren" Werte aus unseren drei Bundesländern.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 29.128 ↘ (-1.741 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 542 (+2), davon 282 beatmet
  • Intensivbetten: 1.217 belegt, 263 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.572 (+112)
  • Genesene Patienten: 110.600 (+3.700)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 143.300 (+2.071)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 11.498 ↘ (-451 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 202 (-17), davon 118 beatmet
  • Intensivbetten: 603 belegt, 110 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.195 (+72)
  • Genesene Patienten: 32.843 (+1.060)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 45.536 (+681)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 6.662 ↘ (-271 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 211 (+6), davon 118 beatmet (+1)
  • Intensivbetten: 702 belegt, 128 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 741 (+23)
  • Genesene Patienten: 25.985 (+751)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 33.388 (+556)

In Thüringen ist leider mit 72 gemeldeten Todesfällen ein neuer Höchstwert erreicht worden. Gestern lag die Zahl neu hinzugekommenen Todesfällen bei 53.

Was über die Virus-Variante B.1.1.7 bekannt ist

Worum es geht

  • Gestern hatte ich es angedeutet, heute komme ich wohl nicht daran vorbei, Ihnen ein kurzes Update zu der neuen Variante des Corona-Virus B.1.1.7 zu geben. Den besten und tiefgründigsten Überblick zu diesem Thema habe ich bei den Kollegen der Zeit gefunden. Diese Analyse ist auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn Sie sich über die Virus-Mutation informieren wollen.

Auf jeden Fall muss aber betont werden – Sie sind das schon längst aus den vergangenen Diskussionen und Meldungen gewöhnt – die Erforschung dieser Mutation des Corona-Virus ist noch nicht abgeschlossen. Daher können sich noch Daten und Werte ändern. Anscheinend wird aber eine grobe Richtung jetzt schon deutlicher.

  • So schreibt das RKI in seinem Situationsbericht vom 31.12.2020: "Am 19.12.2020 wurde im Vereinigten Königreich über eine neue Virus-Variante (B.1.1.7) berichtet. … Es ist noch nicht abschließend geklärt, wie sich die neue Variante auf das Infektionsgeschehen auswirkt. In Deutschland wurden dem RKI bisher vereinzelt Fälle mit dieser Virus-Variante übermittelt. Es ist zu erwarten, dass weitere bekannt werden."

  • Ein paar der wichtigsten Fragen und Antworten möchte ich Ihnen deswegen hier kurz zusammenfassen:

Was ist B.1.1.7?

  • Dass es Mutationen bei Viren gibt, ist bekannt – sie kennen das vielleicht von den Grippe-Viren. Die meisten sind aber nicht gefährlich oder weiter bemerkenswert.

  • Es gibt aber bisher keine Hinweise darauf, dass die Virus-Variante schwerere Krankheitsverläufe verursacht.

Ist B.1.1.7 gefährlicher?

  • Nein. Aber nach bisherigen Erkenntnissen kann es sich vermutlich schneller ausbreiten und wird schneller übertragen. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass in Großbritannien trotz Eindämmungsmaßnahmen die Zahlen der Neuinfektionen steigen.

  • Das European Centre for Disease Prevention and Control schreibt zu der Variante, dass es bisher noch keine Informationen darüber gebe, dass eine Infektion mit dieser Virus-Variante schwerwiegendere Folgen hat. Aber wegen der höheren Übertragbarkeit werde das Risiko für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle durch eine Covid-19-Erkrankung als hoch eingeschätzt, insbesondere in den älteren Altersgruppen.

  • Wie viel schneller sich das Virus verbreiten kann, darüber gibt es noch keine abschließend begutachteten Zahlen. Der englische Epidemiologe Nick Davies spricht in Bezug auf erste Ergebnisse der bisherigen Beobachtungen in England von einer um mehr als 50 Prozent erhöhten Übertragungsrate.

Kommt die Virus-Variante auch in Deutschland vor?

  • Die Zeit zitiert die Virologin Isabella Eckerle, die Professorin am Zentrum für neu auftretende Viruskrankheiten in Genf ist. Sie sagt dem Magazin: "Ich denke, dass sich die Variante im Rest von Europa ebenso durchsetzen wird wie in Großbritannien."

  • Auf Twitter schreibt sie: "Die Vorstellung, dass man gezielt diese eine Variante eindämmen kann, während man seit Monaten schon das bisherige Infektionsgeschehen nicht in den Griff bekommt, ist vollkommen illusorisch."

  • Das Problem ist anscheinend nur, dass in Deutschland die neue Variante noch nicht ausreichend entdeckt wird – also, dass Deustchland noch nicht ausreichend prüft, um welche Art von Coronavirus es sich handelt.

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu heute nach der Bund-Länder-Konferenz: "Hier geht es vor allen Dingen darum, dass die Sequenzierung von Viren verstärkt wird in Deutschland. Dazu wird im Rahmen des 3. Bevölkerungsschutzgesetzes eine zusätzliche Verordnung erlassen werden."

  • Das heißt, auch Deutschland nimmt jetzt die Ausbreitung der Virus-Variante ernst und in den Blick.

Hier können Sie die ausführliche Analyse bei Zeit Online nachlesen.

Meine Meinung: Es lohnt sich sehr.

Shutdown verlängert: Was Bund und Länder beschlossen haben

Bis in den späten Nachmittag haben die Ministerpräsidentinnen und –präsidenten gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über Lockerungen oder Verlängerungen des Shutdowns gesprochen.

Jetzt steht fest: Der Shutdown soll bis zum 31. Januar weitergehen. Einzelhandel, Schulen und Kitas bleiben geschlossen.

Zum Schluss

Das war es heute von mir. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Zwei gute Nachrichten – zumindest für einige Menschen – habe ich noch zum Schluss. Sachsen-Anhalt hat (auf 100.000 Einwohner gerechnet) deutschlandweit bisher die zweitmeisten Impfungen durchgeführt. Und – morgen ist in Sachsen-Anhalt ein Feiertag. Genießen Sie ihn.

Am Donnerstag begrüßt Sie hier meine Kollegin Alisa Sonntag.

Ihnen wünsche ich alles Gute und haben Sie einen schönen Abend.

Ihr Martin Paul

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Quelle: MDR/mr

1 Kommentar

Ritter Runkel vor 29 Wochen

50 m wäre besser. Falls jemand dann eben nicht mehr zum Einkaufen kommt, tja, immerhin kein Coronatoter.

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