Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 22. Oktober 2020 Das sind Mitteldeutschlands Risikogebiete

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Heute im Corona-Newsletter: Der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt ist zum Corona-Risikogebiet erklärt worden. Welche Kreise in Mitteldeutschland gelten als Risikogebiete, wo ist das Virus wenig verbreitet? Eine Übersicht.

Aufdruck 'Risikogebiet' auf Holzstempel
In allen drei mitteldeutschen Bundesländer ist seit Donnerstag mindestens ein Landkreis zum Corona-Risikogebiet erklärt worden. Bildrechte: Colourbox.de

Liebe Leserinnen und Leser,

vom Robert Koch-Institut sind deutschlandweit 11.287 neue Coronavirus-Infektionen registriert worden. Damit liegt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb eines Tages erstmals über 10.000 Fällen. 

Nach wie vor sind unsere drei Bundesländer in Mitteldeutschland weniger stark vom Coronavirus betroffen als etwa westdeutsche Bundesländer. Aber auch bei uns gibt es Landkreise, die als Risikogebiete ausgewiesen wurden, weil es dort in der vergangenen Woche mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gegeben hat.

Beim Stichwort "Risikogebiet" will ich außerdem noch auf diesen sehr lesenswerten Newsletter meines Kollegen Martin Paul verweisen, der sich eingehend mit dem Begriff auseinandergesetzt hat – und erklärt, dass es innerhalb Deutschlands korrekt eigentlich "Gebiet mit erhöhtem Infektionsgeschehen" heißen müsste. (Der sprachlichen Einfachheit halber werde ich im Folgenden aber trotzdem von Risikogebieten schreiben.) Übrigens: Auf Bundesebene ist der Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen gestern überschritten worden. 

In diesem Newsletter möchte ich Ihnen einen Überblick geben, welche Landkreise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits über dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen liegen, welche kurz davor stehen – und welche Landkreise nach wie vor wenig vom Virus betroffen sind. 

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Mehr als 11.000 Corona-Infektionen mehr als gestern meldet Robert Koch-Institut. Vier Bundesländer vermelden Neuinfektionen im vierstelligen Bereich: Nordrhein-Westfalen (+2.623), Bayern (+1.988), Baden-Württemberg (+1.438) und Hessen (+1.133). Berlin liegt mit 972 gemeldeten Neuinfektionen nur knapp unter den 1.000.

In unseren drei Bundesländern fallen die absoluten Zahlen der Corona-Neuinfektionen kleiner aus – aber Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben ja auch nicht so viele Einwohner wie etwa NRW.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 3.777 ↗ (+341 seit letzter Meldung)
  • Intensivpatienten: 87 (+2), davon 35 beatmet (-15)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 273 (+5)
  • Zahl der genesenen Patienten: 7.950 (+250)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 12.000 (+596)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 959 ↗ (+143 seit letzter Meldung)
  • Intensivpatienten: 22 (+3), davon 4 beatmet (+0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 202 (+0)
  • Zahl der genesenen Patienten: 4.195 (+22)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.356 (+165)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 817 ↗ (+130 seit letzter Meldung)
  • Intensivpatienten: 12 (+2), davon 5 beatmet (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 73 (+2)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.755 (+17)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.645 (+149)

Soweit der Überblick zum Infektionsgeschehen in Mitteldeutschland. Sehen wir uns nun die Daten auf Landkreisebene an.

Corona-Ampel: Daten auf Landkreisebene

Was ist die Corona-Ampel?

Am 15. Oktober haben sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf neue Regeln verständigt, um das Coronavirus einzudämmen. Dabei ist unter anderem ein Warnstufensystem beschlossen worden, das sich nach der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz richtet.

Was verbirgt sich hinter diesem Begriff nochmal? Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele nachgewiesene Corona-Neuinfektionen es in einem bestimmten Gebiet, etwa in einem Landkreis, in den vergangenen sieben Tagen gab. Das wird auf 100.000 Einwohner gerechnet, damit die Werte besser zu vergleichen sind.

Bund und Länder haben sich auf zwei Inzidenz-Grenzwerte verständigt. Werden diese erreicht, werden strengere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Diese beiden Grenzwerte liegen bei 35 bzw. 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen. 

Hier kommt das Corona-Ampelsystem ins Spiel. Ab 35 Neuinfektionen springt diese auf die Warnstufe Gelb bzw. Orange, ab 50 Neuinfektionen auf Rot. Landkreise, deren Corona-Ampel auf Rot steht, können vom jeweiligen Bundesland als Corona-Risikogebiete ausgewiesen werden. Landkreise, deren Werte unter 35 sind, liegen dagegen im grünen Bereich der Ampel. 

Anders als im Straßenverkehr gibt es je nach Bundesland eine zum Teil individualisierte Corona-Ampel. In Sachsen-Anhalt beispielsweise springt die Corona-Ampel bereits bei 30 – und nicht erst bei 35 Neuinfektionen – auf Orange. In Sachsen gibt es beim Grenzwert 20 die zusätzliche Warnstufe "Gelb". Rot (also der Grenzwert 50) heißt aber überall Rot. 

Wo in Mitteldeutschland steht die Corona-Ampel (fast) auf Rot?

Sachsen-Anhalt: Seit heute gibt es in jedem mitteldeutschen Bundesland mindestens einen Landkreis, der als Corona-Risikogebiet eingestuft worden ist. Denn heute morgen hat der Landkreis Jerichower Land den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (+69 Neuinfektionen) überschritten – und ist damit erstes Risikogebiet Sachsen-Anhalts. Bleiben wir noch kurz in Sachsen-Anhalt: Dort liegen drei weitere Kreise im Bereich Orange, also der Vorstufe zu Rot: die Städte Halle und Magdeburg sowie der Burgenlandkreis.

Thüringen: In Thüringen haben der Landkreis Sömmerda, der Saale-Holzland-Kreis, das Eichsfeld und der Unstrut-Hainich-Kreis die 50er-Marke überschritten. Darüber hinaus haben das Altenburger Land, Jena und Gera einen Inzidenzwert von über 35.

Sachsen: Für dieses Bundesland ist es tatsächlich übersichtlicher, aufzuzählen, welches Gebiet noch nicht den Grenzwert der 50 Neuinfektionen (beinahe) überschritten hat. Ein besonders stark betroffenes Gebiet will ich aber hervorheben: den Erzgebirgskreis. Dort liegen die Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage mit fast 140 Fällen auf 100.000 Einwohner deutlich über dem "roten" Grenzwert. Das ist der höchste Sieben-Tage-Inzidenzwert aller Kreise Mitteldeutschlands.

Welche Landkreise liegen immer noch im grünen Bereich?

  • Sachsen: Das ist schnell beantwortet. Lediglich die Stadt Leipzig hat noch nicht den Grenzwert von 35 überschritten. Warum ausgerechnet diese sächsische Region derzeit noch wenig betroffen ist, lässt sich nur mutmaßen. Und: Experten geben zu bedenken, dass die aktuellen Zahlen für Leipzig lediglich eine Momentaufnahme seien – und sich schnell verändern könnten. 


  • Thüringen: Es gibt mehrere Gebiete, in denen die Zahl der Corona-Neuinfektionen bislang noch sehr niedrig ist. Die Sieben-Tage-Inzidenzen für Eisenach, den KyffhäuserkreisHildburghausen und Sonneberg liegen unter dem Wert von 10.

 

  • Sachsen-Anhalt: Abgesehen von den oben genannten vier Kreisen, die stärker betroffen sind, sind im gesamten Bundesland noch immer recht wenige Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Im dünn besiedelten Norden des Landes, also im Altmarkkreis Salzwedel und im Landkreis Stendal, sowie auch in der Stadt Dessau-Roßlau gab es in der vergangenen sieben Tagen jeweils weniger als zehn Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. 

Was heute außerdem los war

  • Sachsen: Ab Samstag tritt im ganzen Bundesland eine neue Corona-Verordnung in Kraft. Darin ist unter anderem geregelt, dass es ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 eine Sperrstunde für die Gastronomie geben soll. Eigentlich sollte die aktuelle Verordnung noch bis zum 2. November gelten. Doch wegen steigender Infektionszahlen hat die Landesregierung beschlossen, die Maßnahmen schon vorher zu verschärfen.


  • Sachsen-Anhalt: In Halle gilt seit heute eine erweiterte Maskenpflicht, weil die Stadt innerhalb einer Woche die Schwelle der 35 Corona-Infektionen auf 100.000 Einwohner überschritten hat. Unter anderem muss im Altstadtring, auf dem Boulevard und am Hauptbahnhof nun auch draußen Maske getragen werden. Die Regelung soll bis zum 18. November gelten. In Magdeburg ist der gleiche Grenzwert heute ebenfalls überschritten worden. Die Landeshauptstadt plant derzeit aber keine Verschärfung der aktuellen Corona-Regeln.


Leseempfehlung zum Schluss

Es ist ein Thema, das eigentlich seit Pandemie-Beginn heiß diskutiert wird – die Maske. Oder vielmehr die Frage: Was bringt Maske-Tragen tatsächlich zur Eindämmung des Coronavirus?

Das Ergebnis einer neuen Studie von US-amerikanischen Physikern ist ein weiteres Puzzleteil der Antwort auf diese Frage. Die Physiker haben nämlich untersucht, wie sich "Hustenwolken" von Corona-Infizierten im Raum ausbreiten. Dabei haben sie Infizierte, die ohne weiteren Schutz gehustet haben, mit Erkrankten verglichen, die beim Husten einen Mund-Nasen-Schutz getragen haben.

Das erfreuliche Studienergebnis: Selbst eine dünne chirurgische Maske (ich nenne sie "die hellblaue Maske") verringerte das Volumen der Hustenwolke erheblich, genauer gesagt auf ein Siebtel der ungeschützten Hustenwolke. Durch die kleinere Wolke können sich ausgehustete Tröpfchen schlechter verteilen – und das wiederum verringere die Infektionsgefahr, erklärte einer der beteiligten Wissenschaftler. Hier können Sie mehr über die Studie lesen. 

So, das war es für heute von mir. Morgen begrüßt Sie hier wieder meine Kollegin Julia Heundorf.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!

Maria Hendrischke

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Quelle: MDR/jh

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