Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 11. März 2021 Können Massen-Schnelltests die Corona-Pandemie aufhalten?

Alisa Sonntag
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Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: In Österreich gibt es sie schon: Massen-Schnelltest für die Bevölkerung. Wie sinnvoll sind sie?

Schnelltest
Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

in den vergangenen Tagen haben mich einige Nachfragen von Ihnen zum Sinn und Unsinn von Massen-Schnelltestungen erreicht. Deswegen habe ich heute für Sie recherchiert, was für und gegen Massen-Schnelltests, wie sie in Österreich schon angewandt werden, spricht.

Ich frage heute:

  • Was sagt ein Blick auf die Zahlen?
  • Wie sinnvoll sind Massen-Corona-Schnelltests?
  • Was gibt es Neues in Sachen Impfstoffe?

Wenn Sie neugierig sind, können Sie hier schon etwas zum Stand der Massen-Schnelltests in Thüringen sehen:

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Donnerstag, dem 11. März 2021, deutschlandweit 14.356 neue Corona-Fälle innerhalb eines Tages gemeldet worden (Stand: 8:10 Uhr). Im Vergleich zum Donnerstag einer Woche zuvor sind das etwa 2.500 Fälle mehr.

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit hat nach wie vor Thüringen mit 138. Danach folgen Sachsen mit 85 und Sachsen-Anhalt mit 84.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 8.162 ↗ (+175 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 177 (-9), davon 92 (-7) beatmet
  • Intensivbetten: 1.134 (-15) belegt, 359 (+16) frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.173 (+ 26)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 185.150 (+650)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 201.485 (+950)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 6.250 ↗ (+375 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 116 (-2), davon 65 beatmet (-2)
  • Intensivbetten: 623 belegt (-9), 89 frei (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.093 (+22)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 72.393 (+391)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 81.736 (+788)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.836 ↗ (+133 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 74 (-10), davon 39 (-2) beatmet
  • Intensivbetten: 693 belegt (+14), 140 frei (+17)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.588 (+19)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 57.803 (+326)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 64.227 (+478)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Wie funktionieren massenhafte Schnelltests?

Wie massenhafte Testungen mit Corona-Schnelltests organisiert werden, liegt in den Händen der Politikerinnen und Politiker. Ein Vorbild könnte dabei Österreich sein: Dort wurde schon im November niedrigschwelliges Schnelltesten etabliert, zuerst nur für Personen mit Symptomen, später für alle Interessierten.

In eigens aufgebauten Teststraßen, in Apotheken und beim Arzt können Österreicherinnen und Österreicher nach vorheriger Online-Anmeldung einen Schnelltest machen lassen. Fällt der positiv aus, wird ein präziserer PCR-Test nachgeschoben. Erst wenn auch dieser positiv ausfällt, werden zehn Tage Quarantäne angeordnet.

Was spricht gegen Massen-Schnelltest?

Antigen-Schnelltests sind weniger aussagekräftig als PCR-Tests. Es kommt beim Testen also immer auch zu einer gewissen Zahl falsch-positiver und falsch-negativer Ergebnisse. Hersteller geben die sogenannte Spezifität der Tests mit etwa 99 Prozent an. Wenn alle Menschen in Deutschland einen Schnelltest machen würden, würden somit theoretisch 830.000 Menschen falsch positiv getestet werden. Falsch positive Ergebnisse können durch nachfolgende genauere PCR-Tests gelöst werden. Dennoch braucht es mehr Ressourcen, wenn Menschen deswegen doppelt getestet werden müssen. Und es bleibt das Problem falsch-negativer Tests.

Dr. Nikolas Popper von der TU Wien berät die österreichische Regierung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Er warnt, dass Menschen sich bei einem negativen Testergebnis nicht in Sicherheit wiegen dürfen: "Ein negativer Test entbindet in keinster Weise von einer Reduktion bei den Kontakteinschränkungen." Das Ergebnis eines Schnelltests ist immer nur eine Momentaufnahme. Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagte, um einen realistischen Überblick über die tatsächlich Infizierten zu bekommen, müsse man jeden mindestens zweimal im Abstand einer Woche testen.

Ein weiteres Problem: Damit Massen-Schnelltests sinnvoll sind, braucht es eine hohe Beteiligung. Doch nicht alle wollen oder können sich testen lassen. In Österreich hat im Dezember weniger als ein Viertel der Bevölkerung dieses Angebot angenommen. Mediziner Martin Sprenger von der Universität Graz bilanzierte im Dezember: "Die langfristigen Ergebnisse waren enttäuschend. Ähnlich wie bei vergleichbaren Massentests in Südtirol oder in der Slowakei." Und dann sind da noch die Bevölkerungsgruppen, die nicht selbst in die Testzentren kommen können, zum Beispiel die Menschen in Pflegeheimen. Auch für die braucht es zusätzlich Möglichkeiten zur Testung vor Ort.

Was spricht für Massen-Schnelltests?

Antigen-Schnelltests sind kostengünstiger als PCR-Tests – und schneller. Damit belasten sie weniger Ressourcen in Laboren und können als schnelle Entscheidungshilfe im Alltag fungieren. Teilweise können durch Schnelltests auch vorsorgliche Quarantänen etwa von Schulklassen verhindert werden. Und infizierte Menschen können schneller isoliert werden und damit weniger Menschen anstecken.

Dr. Nikolas Popper von der TU Wien, der die österreichische Regierung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie berät, glaubt, dass die Massen- oder Flächentests ein Beitrag sein könnten, das Infektionsgeschehen kontrollieren zu können – wenn mindestens 60 bis 65 Prozent der Bevölkerung teilnehmen: "Bei einer Beteiligung von 65 Prozent sehen wir im Modell, dass wir die Zahlen der täglichen Neuinfektionen kurzfristig auf ein Drittel bis ein Viertel drücken können".

Laut Stephan Ortner, Direktors des Eurac Research Zentrums in der Schweiz, können Massen-Schnelltestungen so gut "wie ein Lockdown von vielen Wochen" wirken – bei einer Teilnahmequote ab 70 Prozent. In einem großen Staat wie Deutschland könne das auf Bundesebene nicht funktionieren, wahrscheinlich aber auf Ebene der Bundesländer.

Neues in Sachen Impfstoffe

Ich hoffe, damit starten Sie gut in den Abend! Wenn Sie Lust haben, erzählen Sie uns gern, ob und warum Sie Massen-Schnelltests gegen die Corona-Pandemie für eine gute Idee halten. Haben Sie selbst eventuell schon Erfahrungen mit den Schnelltests gemacht?

Bleiben Sie gesund und bis morgen,
Alisa Sonntag

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 11. März 2021 | 11:00 Uhr

1 Kommentar

A.d.R. is Back vor 26 Wochen

Die Frage müsste doch wohl heißen, wer verdient sich jetzt wieder die goldene Nase ab diesen Unfug, der Virus ist da und wird nie wieder verschwinden. Helfen tun nur Impfungen und das geht in Deutschland nicht, warum nicht???? Man sollte vorher die Leute testen die damit beauftragt wurden, ob sie überhaupt fähig sind, anscheinend nicht den bis jetzt kam nur heisse Luft.
Gruß von jwd

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