Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 2. Oktober 2020 Risikogebiet, Reisewarnung und Urlaub: Was gilt?

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
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Heute im Corona-Newsletter: Die Fallzahlen steigen in einigen Bundesländern, aber wie sieht es in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen aus? Und: Deutschland hat viele Länder als Risikogebiete eingestuft. Das gilt aber auch andersherum.

Tui-Flug X3 2312 nach Palma de Mallorca ist neben anderen Flugzielen an einer Anzeigetafel am Düsseldorfer Flughafen angezeigt.
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Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser, 

haben Sie auch so Lust zu verreisen? Mich jedenfalls plagt schon seit einiger Zeit das Fern- oder besser gesagt das Urlaubsweh. Irgendwo die Berge, das Meer, die Sonne genießen und einfach etwas anderes erleben. Und natürlich bin ich schon in Gedanken bei den Herbstferien. Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich denke sogar darüber nach, ob und wie in diesem Jahr Skifahren und Durch-den-Schnee-Toben möglich werden kann. Wie wird aber dann die Corona-Lage hier in Europa sein? Das kann niemand mit Gewissheit vorhersagen.

Auch einige Ihrer Mails beschäftigen sich mit dieser Frage. Deshalb möchte ich uns heute im Newsletter, neben dem Datenupdate meines Kollegen Manuel Mohr, einen kleinen Überblick zum Thema Reisen und Risikogebiete verschaffen.

Zuvor schauen wir uns erstmal die aktuellen Zahlen an.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Freitag 2.673 positiv auf das Virus getestete Menschen gezählt – die höchste Differenz zum Vortag seit dem 19. April 2020. Am 18. April lag der Wert bei 3.609.

Die meisten neuen Fälle wurden aus Nordrhein-Westfalen (+777 zum Vortag), Baden-Württemberg (+398), Bayern (+371), Berlin (+244), Hessen (+235) und Niedersachsen (+201) gemeldet. Neu im Kreis der dreistelligen Zuwächse ist Rheinland-Pfalz (+123). Alle anderen Bundesländer liegen in einem zweistelligen Bereich.

7-Tage-Inzidenz und Risikogebiet

Interessant ist auch der Blick auf die Landkreise – gut zu sehen zum Beispiel auf der Karte des RKI. Vier Landkreise haben hier den Warnwert von 50 Fällen in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner überschritten.

In Hamm in Nordrhein-Westfalen gab es 94,4 Fälle in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. In Remscheid, ebenfalss NRW, liegt der Wert bei 50,5. Im Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern ist die 7-Tage-Inzidenz bei 51,4 und im Berliner Regierungsbezirk Mitte bei 52,6.

Laut der Agentur Reuters nehmen einige Bundesländer – Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein und teilweise Mecklenburg-Vorpommern – das zum Anlass, die betroffenen Landkreise als Risikogebiet auszuweisen. Das heißt, wenn man aus diesen Landkreisen in die jeweiligen Bundesländer einreist, muss man 14 Tage in Quarantäne.

Und wie sieht es in unseren drei Bundesländern aus? Wie haben sich hier die Infektionszahlen entwickelt?

Sachsen

  • Aktive Fälle: 740 ↗ (+6 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 12 (+/-0), davon 6 beatmet (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 241 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 6.450 (+60)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 7.431 (+66)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 322 ↗ (+13 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 6 (+1), davon 2 beatmet (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 68 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.324 (+7)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.714 (+20)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 223 ↗ (+6 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 8 (+1), davon 2 beatmet (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 195 (+1)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 3.747 (+16)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 4.165 (+22)

Kein Landkreis hat in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen bisher den ersten Warnwert von 35 Fällen in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner überschritten. Auch wenn es regional erhöhte Werte gibt, liegt die Zahl der Neuinfektionen jedoch teils weit davon entfernt.

Ich finde das sehr beruhigend. Die teils hohen Zahlen in den anderen Bundesländern sind für mich eine Warnung, aber kein Grund, um in Panik zu verfallen. Ich hoffe und wünsche, dass es Ihnen ähnlich geht, liebe Leserinnen und Leser.

Sicher wird man in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder neue "Rekordwerte" lesen und hören. Wir haben aber in den vergangenen Monaten viel dazugelernt, wie man verhältnismäßig mit Neuinfektionen umgehen kann und gegebenenfalls kleine Ausbrüche schnell in den Griff bekommen kann.

Zum Beispiel habe ich heute gelesen, dass die österreichischen Gemeinden Mittelberg und Kleinwalsertal in Vorarlberg und Jungholz in Tirol nicht mehr als Risikogebiete gelten.

Wenn Sie Lust haben, mehr über die aktuellen Zahlen zu lesen: Mein Kollege Manuel Mohr hat sich die Lage in Deutschland in seinem heutigen Daten-Update genauer angeschaut.

Wie anfangs schon angesprochen, möchte ich mit Ihnen gemeinsam auf die Frage schauen: Was bedeutet es, wenn ein Gebiet, ein Land als Risikogebiet eingestuft wurde? Ist dann das Reisen und in den Urlaub fahren verboten?

Risikogebiet, Reisewarnung und Urlaub

Was ist ein Risikogebiet?

  • Als Risikogebiete werden die Länder und Regionen ausgewiesen, die eine bestimmte Infektionszahl überschritten haben. In der Regel sind das mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen.

  • Außerdem werden noch weitere Kriterien zur Bewertung hinzugezogen. Das sind unter anderem die Art des Ausbruchs, also ob lokal begrenzt oder flächendeckend, die Testkapazitäten und die von den Ländern ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Das passiert in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt.

  • Grundsätzlich kann dann eine Quarantänepflicht bestehen, wenn man sich innerhalb der letzten 14 Tage vor Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat.

  • Reisewarnungen sind aber kein Reiseverbot, das sollte man im Hinterkopf behalten. Gültig sind dann die Bestimmungen vor Ort, also ob es eine Quarantäne- oder Meldepflicht gibt oder nicht.

Wo finde ich die Auflistung der Risikogebiete?

Was heißt das für mich?

Die jeweiligen Bundesländer, also Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen legen jeweils fest, wie sie mit Ein- und Ausreisen in Risikogebiete umgehen. Festgelegt wird das in den jeweiligen Quarantäneverordnungen.

Beispiel: Tschechien als Risikogebiet

Seit dem 25. September gilt ja ganz Tschechien als Risikogebiet. 

In Sachsen hat die Einstufung Tschechiens als Risikogebiet aber keine Auswirkung auf den sogenannten kleinen Grenzverkehr. Das hat das Bundesland in seiner Quarantäneverordnung geändert. Grenzen sind nicht geschlossen – weder von tschechischer noch von deutscher Seite. Hier muss man nicht in Quarantäne, wenn man weniger als 48 Stunden im Ausland war und wenn man nicht privat an einer kulturellen Veranstaltung, einem Sportereignis, einer öffentlichen Festivität oder einer sonstigen Freizeitveranstaltung teilgenommen hat.

Unser Leser Hans-Dieter L. aus Thüringen fragt aber nun: "Gilt das nur für Bewohner von Sachsen und nur für den kleinen Grenzverkehr zwischen Sachsen und Tschechien? Könnte ich als Thüringer ebenfalls im kleinen Grenzverkehr von Selb in Bayern nach Aš in Tschechien zum Einkaufen fahren, müsste ich nach Sachsen zum Grenzübertritt fahren oder gilt diese Regelung für mich als Thüringer gar nicht?"

Da wird es kompliziert. Man muss sich auf jeden Fall die jeweils gültigen Quarantäneverordnungen anschauen. Für Thüringen findet man diese hier.

Darin konnte ich keinen Hinweis entdecken, dass es Ausnahmen wie in Sachsen gibt. Das heißt für mich, wenn ich das richtig verstehe: Man darf von Thüringen nach Tschechien reisen – verboten ist das nicht. Jedoch muss man sich danach auf eine Infektion testen lassen.

Eine weitere interessante Frage kam von Angelika P. – sie wollte wissen, ob "Urlauber, die also nach Deutschland einreisen, aber in ausgewiesenen Risikogebieten wohnen, in Quarantäne oder einen Test vorlegen müssen?"

Die Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Welle haben das übersichtlich aufgeschlüsselt. Demnach müssen Einreisende, die in Drittstaaten wohnen und deren Land als Risikogebiet eingestuft wurde, auch in Quarantäne und einen Test machen.

Zum Schluss: Es gilt auch andersherum

Nicht nur Deutschland stuft andere Länder als Risikogebiete ein. Auch Deutschland selbst wird von anderen Ländern so behandelt.

Neulich habe ich mich nach einer Reise nach Island kundig gemacht und festgestellt, dass man bei einer Einreise nach Island für fünf Tage in Quarantäne muss. Da habe ich meine Pläne für die Oktoberferien ganz schnell wieder begraben – und suche nun ein schönes Plätzchen irgendwo in Deutschland.

Von welchen Ländern Deutschland als Riskogebiet eingestuft wird, das können Sie sich hier bei #MDRklärt anschauen.

Nun ist die Woche schon wieder vorbei. Mir bleibt nur, mich für Ihre Aufmerksamkeit und die vielen Fragen zu bedanken. Bleiben Sie uns gewogen.

Bis wir uns wiederlesen, Ihnen alles Gute

Ihr Martin Paul

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Quelle: MDR/mp

2 Kommentare

Grosser Klaus vor 28 Wochen

Die zuständigen Stellen sollten die tägliche Anzahl der positiv Getesteten (nicht gleichbedeutend mit infiziert, infektiös oder krank), nicht mehr täglich kommunizieren. Das schafft nur Verwirrung, wenn nicht einmal die sogenannten „Experten“, geschweige denn Politiker, einfachste Begrifflichkeiten der Epidemiologie und Diagnostik auseinander halten können.
Ich wäre für einen wöchentlichen Bericht, der nur die Menschen mit entsprechender Symptomatik erfasst, dazu meinetwegen die Anzahl der Hospitalisierten aufgrund einer Covid-19 Erkrankung.
Alles andere ist statistische Kaffeesatzleserei.

Grosser Klaus vor 28 Wochen

Jährlich sterben 2 Mio. Menschen an Durchfallerkrankungen, bis zu 0.5 Mio. an Grippe, 2 Mio. Kinder an Lungenentzündung, 1 Mio. Kinder an Malaria, 8 Mio. Menschen an Krankheiten ausgelöst durch verschmutztes Wasser usw.
Aber wen interessiert das schon, es gibt ja Corona.

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