Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 11. Dezember 2020 Schulschließungen wirken

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im Newsletter: Eine Studie des Karlsruher Institut für Technologie hat mithilfe einer Künstlichen Intelligenz die Entwicklung der Corona-Fallzahlen in mehreren Ländern untersucht und beobachtet, wie sich bestimmte Maßnahmen ausgewirkt haben. Schulschließungen seien dabei ein wirksamens Mittel gewesen, den Trend in der Zahlenentwicklung umzukehren.

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas.
Bildrechte: imago images/Belga

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn dieses Newsletter möchte ich mich ganz herzlich bei drei Leserinnen und Lesern bedanken, die mich auf meinen Fehler aufmerksam gemacht haben: Gestern ging es um die FFP2-Masken, die der Bund für bestimmte Personengruppen kostenlos zur Verfügung stellt. Für mehr als 27 Millionen anspruchsberechtigte Personen sind je 15 Masken eingeplant. Aber es gibt nicht sofort 15 Masken kostenlos in der Apotheke. Im Dezember werden zunächst drei Masken pro Person in den Apotheken ausgegeben. Im neuen Jahr sollen die Berechtigten dann je zwei Coupons erhalten, mit denen sie je sechs Masken für zwei Euro Eigenbeteiligung erhalten. 

Vielen Dank, dass Sie so aufmerksam mitlesen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Fast 30.000 neue Corona-Fälle wurden dem Robert Koch-Institut innerhalb eines Tages neu gemeldet: 29.875. Das ist ein neuer Höchstwert. Auch die Zahl der Toten hat einen neuen Höchstwert erreicht: 598 Menschen starben deutschlandweit innerhalb eines Tages im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.

In Nordrhein-Westfalen wurden 7.033 neue Fälle gemeldet, in Bayern 4.882 und in Baden-Württemberg 4.212. Sachsen erreicht deutschlandweit die höchste Inzidenz: 313.

Das ist die aktuelle Corona-Lage in Zahlen in unseren drei Bundesländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 28.546 ↗ (+1.384 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 512 (+39), davon 259 beatmet (+16)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.629 (+95)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 52.000 (+2.000) 
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 82.175 (+3.479)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 8.903 ↗ (+598 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 105 (+3), davon 53 beatmet (+8)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 520 (+18)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 15.145 (+530)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 24.568 (+1.146)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 6.431 ↗ (+328 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 83 (+7), davon 44 beatmet (+4)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 263 (+12)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 11.034 (+281)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 17.728 (+621)

Auffällig hohe Übersterblichkeit in Sachsen

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat Zahlen zu Todesfällen analysiert und dabei den Zusammenhang mit Covid-19 betrachtet. Demnach sind in der zweiten Novemberwoche acht Prozent mehr Menschen gestorben als im Schnitt der Vorjahre. Die Entwicklung der Todeszahlen in Sachsen ist laut Destatis besonders auffällig. Hier nehme die Differenz zu den durchschnittlichen Vorjahreszahlen jede Woche zu. Eine hohe Übersterblichkeit wurde in vielen Ländern Europas festgestellt, darunter Frankreich, Österreich, Portugal und Spanien.

Forscher: Schulschließungen sind besonders wirksame Maßnahme

Laut Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sind Schulschließungen eine der wirksamsten Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Corona. Das haben Untersuchungen mithilfe einer Künstlichen Intelligenz gezeigt.

Die Studie

Die Forscher aus Karlsruhe haben untersucht, welche nicht-pharmazeutischen Maßnahmen Wirkung zeigen. Sie haben dafür Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt.

Künstliche Intelligenzen sammeln Daten aus bestimmten Quellen, zum Beispiel Fallzahlen. KI können arbeiten, indem sie mit Daten gefüttert werden. Eine gute KI erkennt, wenn sich Faktoren ändern, die diese Daten beeinflussen, und passt ihre Arbeitsweise an. Diese Technik des Maschinellen Lernens haben die Forscher für ihre Untersuchungen genutzt und somit nach Umschwüngen ("drift") bei der Entwicklung der Fallzahlen gesucht. Die Umschwünge sind die Zeitpunkte, an denen die KI die Veränderung erkennt.

Die Daten

Die Datengrundlage der Studie waren Fallzahlen aus Österreich, Belgien, Deutschland, Italien, Norwegen, Spanien, Schweden, der Schweiz und Großbritannien sowie 28 US-Bundesstaaten, die zwischen dem 22. Januar und dem 12. Mai von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore erhoben wurden. Untersuchte Maßnahmen waren die allgemeine Einschränkung von Versammlungen, das Reduzieren persönlicher sozialer Kontakte, Schulschließungen und Lockdown. Die Forscher berücksichtigten zusätzliche Faktoren wie Altersstruktur, Bevölkerungsdichte, medizinische Infrastruktur und das Klima.

Die Ergebnisse

Die Forscher haben herausgefunden, dass sich die Wirksamkeit der Maßnahmen in der Regel nach zwei Wochen zeigt. Außerdem haben nach Angaben des KIT vor allem Schulschließungen einen deutlichen Effekt gezeigt. Der Wirtschaftsinformatiker Niklas Kühl sagte:

Hätten wir im Frühjahr in Deutschland einen Tag länger gewartet, bis wir die Schulen schließen, hätte dies laut unseren Analysen 125 000 zusätzliche Infektionen bedeutet, die Schließung sieben Tage später sogar 400 000 zusätzliche Fälle.

Dr. Niklas Kühl KIT

Zwei Daten-Grafiken, die als Teil der Studie veröffentlicht wurden, zeigen die Entwicklung der Fallzahlen in Italien und in New York: 

In Italien wurden die Schulen am 5. März geschlossen, der Umschwung ("drift"), erfolgte am 22. März.
In New York wurden die Schulen am 18. März geschlossen, der Umschwung  erfolgte am 6. April.

Eine Maskenpflicht wurde in Italien und New York gleichermaßen erst nach dem Umschwung eingeführt, der allgemeine Lockdown zu ähnlichen Zeitpunkten wie die Schulschließungen. Wie erfolgreich die Maskenpflicht im Vergleich zu den anderen Maßnahmen war, wurde laut KIT nicht untersucht, weil sie so spät eingeführt wurden. 

Die Forscher betonten in einer Pressemitteilung, dass die Erkenntnis über die Schulschließung nicht bedeute, dass die anderen Maßnahmen nicht auch Einfluss haben können.

Aktuelle Informationen über die Corona-Maßnahmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Thüringen: Geschäfte müssen ab 19. Dezember schließen

Eine kurzfristige Entscheidung hat Thüringen getroffen. Die Corona-Maßnahmen im Land werden verschärft. Viele Geschäfte im Einzelhandel müssen schließen. Sportvereine dürfen bereits ab Montag nicht mehr trainieren. Für Gottesdienste wurde eine Maskenpflicht erteilt. Auch für die Schulen wurden weitere Maßnahmen getroffen: Kinder der Klassenstufen eins bis sechs sollen am 21. und 22. Dezember 2020 sowie vom 4. bis 10. Januar 2021 von zuhause lernen.

Sachsen-Anhalt

Ab Montag müssen sich Beschäftigte und Besucherinnen und Besucher in Pfelgeheimen in Sachsen-Anhalt testen lassen. Die Besuchsregeln wurden verschärft. Sachsen-Anhalt hat außerdem angekündigt, die Corona-Regeln zu Weihnachten zu verschärfen. Details werden am Dienstag bekannt gegeben.

Sachsen

Zur Erinnerung: In Sachsen gelten ab Montag strenge Regeln. Dazu zählen die landesweite Maskenpflicht und die Schließung zahlreicher Geschäfte. Schülerinnen und Schüler sollen in "häusliche Lernzeit." Die EInhaltung der Regeln sowie die Grenzen zu den Nachbarländern Polen und Tschechien sollen verstärkt werden.

Was außerdem los war

Auf ins Wochenende

Das war der letzte Newsletter in dieser Woche. Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie jederzeit auf unserer Webseite. Unsere Übersicht für Informationen rund um Corona habe ich Ihnen Ihnen auf dem Banner unten verlinkt.

Am Montag ist wieder Marcel Roth für Sie da. Ich wünsche Ihnen bis dahin ein angenehmes Wochenende und einen besinnlichen dritten Advent.

Bleiben Sie gesund.
Julia Heundorf

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Quelle: MDR/jh

6 Kommentare

maheba vor 40 Wochen

Mit einem Mal wirken Schulschließungen.
Ach ja, wurde das nicht permanent von der Politik verneint?
Ich habe den Eindruck seitens der Regierigen wird nur noch reagiert und nicht agiert. Es fehlt einfach ein ein Machtwort von oben. Und dann aber bitte allgemein und überall gültig.
Unser Förderalismus bremst einheitliche Entscheidungen und gemeinsames Vorgehen in der Krise (und nicht nur jetzt). Politiker sind nicht in der Lage auch nur ansatzweise auch unangenehme Entscheidungen zu treffen, könnte ja Wählerstinmmen kosten, obwohl Fachleute wissen und sagen wo es lang geht. Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen wird zu spät reagiert.
Und dann kommt es richtig dicke mir den Einschränkungen. Hätte man nicht früher schon mit minimalen Eingriffen in das allgemeine und öffentliche Leben die Situation in den Griff bekommen können? Bestimmt. Aber man durfte nach dem kleinen Lockdown ja wieder reisen, demonstrieren, Party machen, .... Man hätte sich nur ein wenug zusammenreisen müssen.

MDR-Team vor 40 Wochen

Ich empfehle dazu: "Ct-Wert als Maß für die Infektiosität" der Deutschen Apotheker Zeitung. Darin: "Das Robert Koch-Institut weist allerdings darauf hin, dass der Ct-Wert nur einen semiquantitativen Messwert darstellt und von Labor zu Labor nicht unmittelbar verglichen werden kann. Das wäre nur möglich, wenn es einen Bezug auf einen exakt quantifizierbaren Standard gäbe. Der Virologe Christian Drosten schlägt daher vor, die Geräte zur Durchführung der PCR-Reaktion auf eine bestimmte Virenmenge zu kalibrieren. Wenn es also möglich wäre, die ermittelten Ct-Werte besser vergleichen zu können, wäre das zumindest eine Möglichkeit festzustellen, ob positiv getestete Personen auch tatsächlich noch ansteckend sind. Dies hätte dann unter anderem Einfluss auf die Länge der angeordneten Quarantäne. Bisher ist es allerdings so, dass die meisten Labore bei einem positiven PCR-Test den Ct-Wert den Gesundheitsämtern ohnehin nicht mitteilen."

Ritter Runkel vor 40 Wochen

Ein Plan wäre, die CT-Werte der PCR-Test bei den Meldezahlen für den Index zu berücksichtigen, die Zahlen würden schlagartig sinken, Warnampeln ausgehen und die 50 würde wieder realistisch erreichbar werden.

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