Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 26. Februar 2021 Wir wollen alle dasselbe

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Die Impfungen der über 80-Jährigen kommen gut voran, sagen RKI-Chef und Bundesgesundheitsminister. Alles, was uns in der gemeinsamen Pressekonferenz noch aufgefallen ist. Und vieles zu dem, was uns zu Markus Lanz, Bernd Wiegand und Reiner Haseloff auffällt.

Lothar Wieler und Jens Spahn
Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend!

Man muss sich das immer mal wieder sagen: Wir wollen alle dasselbe. Dass die Beschränkungen enden und dass wir das Virus im Griff haben. Und das Schöne ist ja: Wir wissen, wie das geht. Darauf sollte sich unser gesamtes Tun konzentrieren.

Auch wenn Hände waschen, Masken, Lüften, Abstand und Testen einzeln keine 100-prozentige Sicherheit geben – alles zusammen hilft enorm. Und was besonders hilft: impfen.

Das wurde heute noch einmal deutlich, in der Presskonferenz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler. Darum soll es heute gehen und auch ein wenig um Politik und Medien.

Zunächst aber das Interview von Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand bei Markus Lanz von gestern Abend, das für Diskussionen gesorgt hat. Hier als Radiobeitrag zusammengefasst.

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos)
Bildrechte: dpa

Und hier zum Angucken beim ZDF. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kommt dort zu Wort. Dazu will ich unten auch ein paar Worte verlieren.

Einer von Wiegands Sätzen:

"Der Oberbürgermeister muss als erstes mit geschützt werden. Er ist Vorsitzender, Leiter des Katastrophenschutzstabes. Er hat ein Jahr mit allen Personen harte Arbeit gemacht."

Es folgt ein ziemlich heftiges Wortgefecht mit Markus Lanz. Eine Lehrstunde des politischen Interviews, kommentiert der Stern.

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Wir wissen, wie es geht

So habe ich heute den Auftritt von RKI-Chef Lothar Wieler vor der Bundespressekonferenz verstanden. Das zeigten die Daten. Bei Über-80-Jährigen nehmen die Fallzahlen ab und die Zahl der Toten sinke auch. Die große Zahl der Pflegeheimbewohner sei geimpft.

40 Prozent der bisherigen Impfungen haben Über-80-Jährige bekommen. "Das zeigt Wirkung und rettet Leben", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Lothar Wieler, Präsident Robert Koch-Institut (RKI), gibt eine Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie in der Bundespressekonferenz.
Bildrechte: dpa

Derzeit würden 160.000 Impfungen pro Tag gemacht, mittlerweile seien 5,7 Millionen Impfungen gesetzt. 4,5 Prozent der Menschen in Deutschland hätten eine erste Impfung enthalten, etwas über zwei Prozent der Menschen auch schon die Zweitimpfung.

Einige Themen, die in der Pressekonferenz besprochen wurden:

AstraZeneca

  • Zu diesem Impfstoff sagte Wieler, die Empfehlung, ihn nicht an Menschen über 65 zu geben, beruhe auf wissenschaftlichen Fakten. An den Studien hätten wohl nur 650 Menschen über 65 Jahre teilgenommen. 
  • Wieler: "Eine Zahl hat uns in dieser Woche sehr begeistert: In Schottland hat man gesehen, dass der AstraZeneca-Impfstoff die Quote von Hospitalisierung um 94 Prozent gesenkt hat. Das ist fantastisch."
  • Wieler: "Dass der AstraZeneca-Impfstoff nicht angenommen wird, ist fachlich nicht gerechtfertigt."
  • Wieler: "Nebenwirkungen sind ein Anzeichen, dass der Impfstoff wirkt. Besser ein, zwei Tage Kopfschmerzen als diese verdammte Krankheit."

Neue Virusmutationen

  • Wieler sagte, die Impfungen begrenzten auch das Risiko, schwer an den Mutationen des Virus zu erkranken.
  • Menschen, die mit der britischen Variante ins Krankenhaus kommen, hätten ein deutlich höheres Risiko zu sterben als mit der bisherigen Virusvariante.
  • Wieler: "Es werden sich neue Varianten bilden." Aber das Gute sei, dass man mit den mRNA-Impfstoffen sehr schnell darauf reagieren könne.

Menschen mit Vorerkrankungen

  • Bundesgesundheitsminister Spahn sagte, es gäbe auch andere Möglichkeiten, sein Impfberechtigung nachzuweisen als ein ärztliches Attest.
  • Manche Bundesländer arbeiten derzeit zum Beispiel mit onkologischen Praxen zusammen. 

Sobald es mehr Impfstoff gäbe, könnten Impfungen auch in Arztpraxen stattfinden.

Impfung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Impfen beim Arzt: Das fordern auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Hausärzteverband. Für den Impfstoff von Biontech erwartet die KBV einen Impfstart in den Praxen in sechs bis acht Wochen.

Zu Lockerungen sagte RKI-Chef Wieler: Man dürfe nur unter Schutzmaßnahmen lockern. Hände waschen, Abstand, Mundschutz, Lüften.

Aufgehorcht habe ich bei einem von Wielers Sätzen: Mit weiter fortschreitenden Impfungen steige der Infektionsdruck auf die Nicht-Geimpfte, also auf die Jüngeren.

Impfausweise waren auch ein Thema. Spahn sagte, in etwa zwölf Wochen soll es eine digitale Lösung dafür in Deutschland geben. Dafür laufe gerade ein "Dringlichkeitsvergabeverfahren". Spahn betonte aber auch, dass noch diskutiert werden muss, wofür so ein Impfausweis eigentlich da sei.

Zum Abschluss ein schöner Satz von RKI-Chef Wieler:

"Wir haben einen üppigen Werkzeugkasten zur Pandemiebekämpfung. Das mächtigste Werkzeug sind wir."

Bevor wir auf die Zahlen schauen: Zwei Nachrichten aus Mitteldeutschland von heute.

Und wissen Sie was: Nach dieser Meldung kann ich den Ärger all derjenigen verstehen, die sich an einer Telefonhotline oder auf einer Online-Seite erfolglos um einen Impftermin bemühen.

Brandenburg übrigens verschickt jetzt Impfeinladungen an Menschen, die älter als 85 Jahre sind. Das würde ich wirklich ein "Impfangebot" nennen, so wie es Politiker schon länger versprechen.

In Deutschland sind seit gestern 394 weitere Corona-Tote gemeldet worden.


Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 9.997 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:15 Uhr). Im Vergleich zum Freitag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund mehr als 840 gestiegen.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+1.995)Bayern (+1.440) und Baden-Württemberg (+1.107). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+85) und dem Saarland (+141) gemeldet.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Thüringen (121) und Sachsen-Anhalt (86).

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, weil sie etwas aktueller sind.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 7.196 ↘ (-1.055 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 184 (-9), davon 103 beatmet (-3)
  • Intensivbetten: 1.137 belegt, 360 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 7.774 (+102)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 179.050 (+ 1.554)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 194.020 (+ 601)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.577 ↗ (+54 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 130 (+/-0), davon 69 beatmet (+/-0)
  • Intensivbetten: 653 belegt, 67 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.905 (+27)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 67.623 (+391)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 76.105 (+472)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.839 ↗ (+51 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 86 (-9), davon 57 (-2) beatmet
  • Intensivbetten: 728 belegt, 100 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.435 (+24)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 54.119 (+300)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 60.393 (+375)

In die Statistik für Mitteldeutschland sind heute 153 neue Todesfälle eingegangen. Darin sind 47 Todesfälle, die der Landkreis Bautzen heute nachgemeldet hat.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Zoff mit Haseloff

Die ZDF-Sendung "Markus Lanz" beschäftigt mich noch immer. Bei Markus Lanz war nämlich auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zugeschaltet.

Der erstaunlich spannende Schlagabtausch begann, als Lanz Haseloff zu Tests gefragt hat. Die würden hierzulande millionenfach produziert und sich derzeit bei Herstellern stapeln, weil sie nicht schnell genug zertifiziert würden, sagt Lanz.

Haseloffs Antwort: "Für die Zertifizierung können Sie die Politik nicht verantwortlich machen. Das machen noch immer Fachbehörden. Und wenn darauf nicht eine Unterschrift ist, dann wird kein Politiker darüber hinweggehen können, wenn er nicht im Gefängnis landen möchte."

Da schimmert mir die Bräsigkeit vom Newsletter gestern und auch etwas Hasenfüßigkeit durch. Wenn uns diese Pandemie eines lehrt, dann doch: schneller zu handeln. Dafür müssen alle Ressourcen genutzt werden.

Im "Stern" hat neulich ein Kommentar gefordert, dass der Staat seine Beamten bei der Bekämpfung der Pandemie viel stärker einsetzen soll. Ich finde das sehr nachvollziehbar. Wo Behörden (zum Beispiel Gesundheitsämter) nicht gut genug aufgestellt sind, sollten doch Beamte aus anderen Bereichen aushelfen und so auch Menschen, die zum Beispiel Tests zertifizieren, den Rücken frei halten können.

Lanz sagt am Ende einen Satz, der auch in unserem Newsletter stehen könnte:

"Wir haben unser eigenes System nicht verstanden und konterkariert."

Ich bin heute Markus-Lanz-Fan geworden.

Screenshot einer Sendung von Markus Lanz, in der Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff schaltet ist.
Bildrechte: ZDF

Die Titelgeschichte im "Stern" in dieser Woche beschäftigt sich übrigens damit, dass das schwächste Glied im Föderalismus für Gesundheitsschutz zuständig ist: Städte und Landkreise. Zitat: "Es ist dieselbe Ebene des Staates, die auch an der Digitalisierung der Schulen scheitert." Außerdem steht in dem Artikel, dass 1994 der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) das Bundesgesundheitsamt zwar richtigerweise aufgelöst habe, aber vergessen hätte, die Koordinierung der Gesundheitsämter neu zu regeln.

Wissen und Nichtwissen

Lanz und Haseloff haben sich auch noch über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestritten. 

Haseloff zur Debatte um den AstraZeneca-Impfstoff: "Sorgen Sie dafür, dass jeden Tag eine halbe Stunde Aufklärung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen läuft, damit die irrationalen Ängste weg sind."

Haseloff: "Der Bildungsauftrag gehört nach vorn – ein Quiz nach hinten."

Lanz: "Ich glaube nicht, dass es am öffentlich-rechtliche Rundfunk liegt, dass in Deutschland nicht genug geimpft wird."

Ich will das gar nicht kommentieren, weil Bildung und Unterhaltung sich seit Shakespeare nicht ausschließen. Aber ich würde Haseloff, Lanz, Ihnen und wirklich allen anderen eine grandiose Dokumentation empfehlen. "Forschung, Fake und faule Tricks". Die habe ich nämlich gestern geschaut, als Lanz im Fernsehen lief.

Sie ist von arte und zeigt, wie Nichtwissen produziert wird. Und das hat eben auch mit dem Nicht/Wissen um den Impfstoff zu tun und damit, wie unser Gehirn tickt, wie Wissenschaft und Medien arbeiten. 

Das klingt zwar abstrakt, aber der Film zeigt das Problem unserer heutigen Zeit: Dass das Zweifeln, das zur Wissenschaft gehört, auch gegen die Wissenschaft verwendet werden kann.

Ganz bewusst (zum Beispiel von Tabakkonzernen oder Kunststoffherstellern) oder unbewusst von uns allen.

Ohne Quatsch: Schon lange habe ich keine so tolle Doku gesehen und gelernt, dass es einen neuen Zweig der Wissenschaft gibt: Agnotologie, die erforscht, was wir nicht wissen.

Deswegen: Falls es auf der arte-Webseite haken sollte, den Film gibt es auch bei Youtube.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und übergebe die Tastatur für nächste Woche an Julia Heundorf. Worüber sie Ihnen am Donnerstag schreibt, weiß ich schon: Über die Bund-Länder-Beschlüsse, die vermutlich wie immer am Abend vorher verkündet werden.

Alles Gute

Marcel Roth

P.S. Eine letzte Empfehlung in dieser Woche: Der Podcast 

Ohne Julien Bremer und Luca Deutschländer schon gehört zu haben, könnte ich mir vorstellen, dass es auch was mit der Landtagswahl zu tun hat.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 19. Februar 2021 | 11:00 Uhr

2 Kommentare

Critica vor 10 Wochen

"Wir wollen alle dasselbe" - nur Herr Spahn selbst darf privat feiern und sich einen Tag später "positiv" testen lassen. Auch das Innenministerium NRWs feierte im November und im Januar mehrfach mit mehreren Gästen, ohne Masken, meldet der Spiegel.
Aber wir wollen ja alle das selbe, nur manche sind eben anders :)

Micky Maus vor 10 Wochen

"Wir wollen alle dasselbe"

Spahn geht mit Wirtschaftsvertreten feiern und uns werden die Grundrechte entzogen.

Das kann also gar nicht sein, das WIR dasselbe wollen! ☝️😧

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