Corona-Daten-Newsletter | Montag, 8. März 2021 Warum die Pandemie Frauen schwerer trifft

Alisa Sonntag
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Inwiefern die Corona-Pandemie Frauen härter trifft – und wie die aktuelle Lage bei den kostenlosen Corona-Schnelltests ist.

Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz sieht aus einem Fenster
Frauen leiden besonders unter der Corona-Pandemie. Bildrechte: Colourbox.de

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

Frauen sind die Verliererinnen der Corona-Krise. So oder so ähnlich haben Sie das sicher in den letzten Monaten schon gelesen oder gehört. Heute, am 8. März, ist Frauentag (oder, wie ich lieber sage: feministischer Kampftag). Deswegen beschäftigen wir uns heute damit, inwiefern Frauen durch die Corona-Pandemie benachteiligt sind. Schließlich kann nur gegen Ungerechtigkeiten kämpfen, wer sich ihrer bewusst ist.

Wir fragen heute:

  • Was sagt ein Blick auf die Zahlen?
  • Was bedeutet die Corona-Pandemie für die Gleichberechtigung?
  • Wie geht es nun mit kostenlosen Schnelltests weiter?
  • Und was ist sonst noch so passiert?

Wenn Sie neugierig sind, können Sie sich hier direkt mehr zur Verbindung zwischen Pandemie und Gleichberechtigung anhören:

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, den 08. März 2021 bundesweit 5.011 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:55 Uhr). Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 300 höher.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnet Thüringen mit einem Wert von 135. Danach folgen Sachsen-Anhalt mit 89 und Sachsen mit 87.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 7.620 ↘ (-375 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 194 (+1) , davon 108 (+3) beatmet
  • Intensivbetten: 1.129 (+8) belegt, 371 (-8) frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.073 (+25)
  • Genesene Patientinnen und Patienten: 183.050 (+350)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 198.743 (+373)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.685 ↘ (-107 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 135 (+1) , davon 67 (-11) beatmet
  • Intensivbetten: 610 belegt, 84 (+/-0) frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.023 (+4)
  • Genesene Patientinnen und Patienten: 71.307 (+440)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 80.015 (+337)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.695 ↘ (-121 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 91 (+4), davon 43 (-2) beatmet
  • Intensivbetten: 668 belegt (-36), 163 frei (+45)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.545 (+16)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 56.836 (+245)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 63.076 (+140)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Das bedeutet die Corona-Pandemie für Frauen

Ungleichheit gab es schon vor der Pandemie. Die Hälfte der befragten Frauen in einer Bertelsmann-Studie hat angegeben, dass die Rollen in Haushalt und Kinderbetreuung schon vor der Pandemie ungleich verteilt waren. Frauen erledigen mehr Pflege- und Sorgearbeit. So ist beispielsweise in Sachsen mehr als jede zweite Frau teilzeitbeschäftigt, hauptsächlich um Kinder zu erziehen, zu betreuen oder Familienangehörige zu pflegen. Aber nur jeder siebte Mann in Sachsen arbeitet in Teilzeit.

Frauen sind auch im politischen System unterrepräsentiert. So sind beispielsweise nur etwa 22 Prozent der Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt Frauen – während Frauen sonst 51 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Laut dem Katapult-Magazin gibt es in Deutschland mehr Großstädte, in denen ein Mann mit dem Vornamen Thomas Bürgermeister ist, als Großstädte, denen eine Bürgermeisterin vorsteht.

Krisen verstärken die existierenden Ungleichheiten noch weiter. Deswegen trifft die Corona-Pandemie Frauen auf verschiedenste Weisen besonders hart.

Rollenbilder zementieren sich

Weltweit sind 70 Prozent des Personals in sozialen und Pflegeberufen Frauen. Gleichzeitig leisten Frauen auch dreimal so viel unbezahlte Pflegearbeit wie Männer. Mit der Pandemie hatten Frauen also deutlich mehr zu tun – und möglicherweise auch selbst ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse erkranken Pflegekräfte und Kita-Beschäftigte deutlich öfter an Covid-19 als andere Berufstätige.

In der Pandemie hat sich auch die Rollenverteilung in Familien zementiert. So hat ein Viertel der Mütter, aber nur ein Sechstel der Väter ihre Arbeitszeiten wegen der Betreuungssituation in der Pandemie reduziert. Bundesweit übernehmen in 60 Prozent der Beziehungen die Frauen überwiegend oder sogar vollständig Hausarbeit, Betreuung und Homeschooling. Der Anteil der Familien, in denen die Mutter sich fast komplett alleine um die Kinder kümmert, hat sich fast verdoppelt. Bei Krautreporter ist die Differenz der Betreuungszeiten in Grafiken anschaulich dargestellt.

Zwei Frauen sitzen auf einem Sofa 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr Arbeit im Haushalt und mit den Kindern bedeutet im Umkehrschluss auch weniger Zeit für Lohnarbeit. Das bedeutet für Frauen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig finanzielle Einbußen, zum Beispiel im Bezug auf die Rente. "Die coronabedingten Arbeitszeitverkürzungen wirken sich in 20, 30 Jahren noch auch auf die Renten der Frauen aus", warnt Sachsens Landesfrauenratsvorsitzende.

Weitere Punkte, in denen Frauen in der Pandemie benachteiligt werden, hat hier die UN, hier die Hans-Böckler-Stiftung zusammengefasst. Wichtig zu erwähnen ist dabei auch: Nicht für alle Frauen ist das Risiko, durch die Pandemie noch stärkere Benachteiligung zu erfahren, gleich groß. Je schwerer Frauen ohnehin schon benachteiligt sind, desto härter trifft sie die Krise. So ist zum Beispiel in Großbritannien die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, für Schwarze Frauen 4,3 Mal höher als für weiße Frauen.

Theoretisch können Sie sich ab heute kostenlos auf Corona testen lassen

Parallel zu den Corona-Lockerungen ab dem 8. März können sich Bürgerinnen und Bürger ab heute einmal wöchentlich testen lassen – theoretisch. Praktisch sind die Schnelltests an vielen Orten noch nicht verfügbar. In Thüringen konnten am Montag noch keine kostenlosen Corona-Schnelltests angeboten werden. Laut Gesundheitsministerin Heike Werner ist der Grund, dass die nötige Verordnung der Bundesregierung bis Sonntagabend noch nicht vorlag. Auch in Sachsen-Anhalt stehen die Tests noch nicht flächendeckend zur Verfügung. Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte, im Laufe dieses Monats bis in den April hinein werde all das, was zuletzt beschlossen wurde, funktionieren.

Sachsen listet auf einer interaktiven Karte alle Möglichkeiten zu Corona-Schnelltests auf. Vielerorts sind diese jedoch noch kostenpflichtig. So schreibt die Schlehen-Apotheke in Leipzig: "Zu den kostenlosen wöchentlichen Schnelltests, die es ab dem 8.3.21 geben soll, sind uns aktuell noch keine Informationen bekannt. Sobald wir näheres dazu wissen, werden die kostenlosen Tests selbstverständlich von uns angeboten.Bis dahin können Sie sich weiterhin für 33,00 € pro Test bei uns testen lassen." In Dresden allerdings können sich Menschen seit heute auf der Messe einmal wöchentlich kostenfrei auf Corona testen lassen.

Was heute sonst noch passiert ist

  • Wegen der Affäre um lukrative Geschäfte mit Corona-Schutzmasken legt der zunehmend unter Druck geratene Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel sein Bundestagsmandat sofort nieder. Sein CDU-Kollege Georg Nüßlein will sein Mandat bis zum Ende der Legislaturperiode im September behalten.
  • Kontrolleure haben in Thüringer Betrieben 111 Fälle festgestellt, in denen Arbeitgeber kein Homeoffice angeboten hatten, obwohl die Tätigkeiten dies zugelassen hätten.

Wenn Frauen Männer wären

Sexismus und Benachteiligung fühlen sich im Alltag manchmal an wie bittere Realsatire. Genau das machen sich der englischsprachige Twitter-Account @manwhohasitall und das deutschsprachige Pendant @dasbisschenarb1 (auf dem allerdings seit November keine neuen Posts erscheinen) zunutze – und drehen sexistische Sprüche und Alltagssituationen um. So wird schnell sichtbar, wo überall noch Ungleichheit besteht. Anlässlich des 8. März sorgt manchmal dafür, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Ich hoffe, Sie hatten einen guten Start in die Woche!

Bleiben Sie gesund,
Alisa Sonntag

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 08. März 2021 | 11:00 Uhr

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