Schnelltests an Schulen Holpriger Start der Corona-Testpflicht an Sachsen-Anhalts Schulen

Seit Montag müssen sich Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt auf Corona testen lassen, um am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Der Start lief an manchen Schulen holprig. Für Klausuren gibt es Ausnahmeregelungen.

Ein Testkit liegt im Klassenzimmer
An Sachsen-Anhalts Schulen gilt seit Montag eine Coronatest-Pflicht. Bildrechte: dpa

Der Start der Corona-Testpflicht für Schüler und Lehrer ist an Sachsen-Anhalts Schulen am Montag nicht ohne Probleme verlaufen. So hat die Gemeinschaftsschule Wittenberg-Friedrichstadt gar keine Tests erhalten. Das hat die Schule MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt. Mehrere Eltern von Schulkindern an anderen Schulen hatten sich mit ähnlichen Problemen bei MDR SACHSEN-ANHALT gemeldet.

In Wittenberg haben sie sich am Montag anders beholfen. Schulleiterin Ines Petermann hatte noch alte Tests. Sie hatte für heute nur etwa 170 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen neun und zehn in die Schule bestellt. In Kohorten in der Turnhalle konnten sie sich selber testen. Die Ergebnisse waren negativ. Fünf Jugendliche mussten wieder nach Hause geschickt werden. Sie hatten ein Schreiben der Eltern, die einen Test bei den Kindern ablehnten. 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler kamen erst gar nicht.

#MDRklärt Das sollten Sie über das Testen an Schulen wissen

Corona-Tespflicht an allen Schulen Sachsen-Anhalts. #MDRklärt gibt einen Überblick darüber, wo getestet werden darf und welche Folgen es gibt, wenn man sein Kind mit einem positivem Test in die Schule schickt.

Das sollten Sie über das testen an Schulen wissen
Bildrechte: MDR/imago images/Eibner
Das sollten Sie über das testen an Schulen wissen
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Durchführen der Tests  Die Tests können entweder zu Hause von Eltern oder Schüler*innen durchgeführt werden oder in den Schulen selbst.  Wer die Tests zu Hause durchführt, muss ein entsprechendes Formular ausgefüllt mit in die Schule bringen.  Wenn ältere Schüler*innen sich in der Schule selbst auf das Coronavirus testen wollen, müssen sie ebenfalls ein unterschriebenes Dokument ihrer Eltern mitbringen.
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Verweigern von Tests Aktuell gilt zwar weiterhin die Schul-, aber keine Präsenzpflicht. Eltern haben die Möglichkeit, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken. In dem Fall findet kein Online-Unterricht statt. Die betroffenen Kinder sollen Aufgaben bekommen, die sie zu Hause erledigen sollen.
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Haftbarkeit der Schule Wenn an einer Schule ein Hygienekonzept besteht, an das sie sich hält, kann sie für mögliche Infektionen nicht haftbar gemacht werden. In der Regel stellten Tröpfcheninfektionen, wie sie beim Coronavirus auftreten, keinen Versicherungsfall dar, weil sie nicht wirksam ausgeschlossen werden könnten.
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Trotz positivem Test in der Schule Wenn jemand weiß, dass er eine Gefahrenquelle ist und trotzdem wissentlich andere gefährdet, fällt das ganz normal unter das Strafrecht. Die Eltern des infizierten Kindes können in dem Fall also verklagt werden. Je nachdem, wie es zur Ansteckung gekommen ist, fällt das unter fahrlässige Gefährdung oder sogar unter Körperverletzung.
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Quelle/ Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm | MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12.04.2021 | 12:00 Uhr
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Lehrer: Enormer Aufwand, gut gemeistert

Die Lehrer sprachen nach den Tests am Morgen von einem enormen Aufwand. Das Testen dauerte etwa 45 Minuten. Der Schulleiter des Giebichenstein-Gymnasiums "Thomas Müntzer", Thomas Gaube sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es ist eine besondere Herausforderung für die Schule, neben dem normalen Schulbetrieb mit dem Wechsel von Fernunterricht jetzt wieder auf Hybrid- oder Wechselmodell auch noch die Corona-Testungen durchzuführen – und das Ganze ohne Vorlauf. Wir kriegen hier vom Land die Informationen immer erst am Freitag. Und das dann mit den Eltern immer vernünftig oder rechtssicher abzusprechen, das ist nicht so einfach. Aber ich glaube, wir haben das ganz gut gemeistert."

Ministerium kann noch keine Bilanz ziehen

Ein Sprecher des Bildungsministeriums konnte am Montagmittag noch keine Bilanz zum Start ziehen. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Ministerium rechne im Laufe der Woche mit einem ersten Eindruck. Dann sei auch klar, wie hoch die Beteiligungsquote sei. In der vergangenen Woche sind demnach 550.000 Tests nach Sachsen-Anhalt geliefert worden. Am Montag und am Freitag werden weitere Lieferungen erwartet. Er rechne damit, dass kontinuierlich Testmaterialien vorhanden seien.

Der Ministeriumssprecher betonte außerdem, dass es keinen Zwang gebe, die Klausuren mitschreiben zu müssen. Es gebe die Möglichkeit über besondere Lernleistungen kompensatorische Maßnahmen zu machen. Wenn ein Kind von der Testpflicht befreit sei und zuhause bleibe, könne es mit einer anderen Möglichkeit eine Note bekommen.  

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte dem MDR, die Testpflicht bringe eine deutliche Mehrbelastung für die Lehrerinnen und Lehrer mit sich. Er glaube aber, dass alle bereit seien, diesen Aufwand auf sich zu nehmen. Denn die Alternative sei nur, die Schulen wieder zu schließen. Das Ministerium hat nach eigenen Angaben 540.000 Selbsttests an die 937 Schulen verteilt. Es spricht von Kosten in Höhe von drei Millionen Euro pro Woche. Aktuell gibt es in Sachsen-Anhalt rund 243.000 Schülerinnen und Schüler.

Elternrat hatte mit Problemen gerechnet

Die Testpflicht auf Corona für Schülerinnen und Schüler wird unter Eltern sehr kontrovers diskutiert. Matthias Rose vom Landeselternrat in Sachsen-Anhalt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gebe viele Befürworter, aber auch zahlreiche Gegner. Rose rechnete jedenfalls zum Start mit Problemen. Die bürokratischen Vorgaben nannte er "verwirrend", etwa die verlangten Einverständniserklärungen der Eltern. So könne es sein, dass viele Schülerinnen und Schüler wieder nach Hause geschickt würden, weil Eltern die Schreiben nicht oder unvollständig ausgefüllt haben.

Quelle: MDR/André Damm, Ingmar Leue, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. April 2021 | 12:00 Uhr

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