Hilferuf aus Giersleben Pflegeheime in Corona-Pandemie: Wenn nur noch Basispflege möglich ist

Trotz Impfungen gibt es weiter Probleme durch das Coronavirus in Alten- und Pflegeheimen. Von einem Heim in Giersleben kommt nun ein Hilferuf. Und die Hilfsbereitschaft ist groß.

Menschen arbeiten im Pflegeheim
Ein Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim führt häufig zu Problemen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Auch, wenn die Corona-Impfungen begonnen haben: Nach wie vor gibt es in vielen Alten- und Pflegeheimen in Sachsen-Anhalt Probleme mit Ausbrüchen des Coronavirus. Weil oft auch die Pflegekräfte betroffen sind, hatte das Land kurz vor Weihnachten eine Hotline geschaltet, bei der sich Freiwillige und Fachkräfte melden können, wenn sie in Heimen helfen möchten. In den ersten beiden Wochen haben sich 560 Menschen dort gemeldet.

Dramatische Lage in Giersleben

Wie dramatisch die Lage in Pflegeheimen werden kann, zeigt ein Fall aus Giersleben im Salzlandkreis. Lange war das Heim Corona-frei. Am vergangenen Freitag wurde der erste Bewohner in der Einrichtung dann positiv auf das Virus getestet. Wie Heimleiterin Jana Richter in einer Hilferuf-Mail, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, erklärte, hatten sich bis zum Donnerstag 28 der 41 der Bewohnerinnen und Bewohner und auch mehr als die Hälfte des Pflegepersonals angesteckt. Drei Bewohner sind im Zusammenhang mit Covid-19 mittlerweile gestorben.

Für die betreuten Menschen in dem Heim hat der Ausbruch massive Einschränkungen zur Folge. Laut Richter müssen die Bewohnerinnen und Bewohner auf ihren Zimmern bleiben und dürfen nur einzeln das Haus verlassen, um im Park frische Luft zu schnappen. Bei der Pflege ist auf eine "Notversorgung" umgestellt worden, wie die Heimleiterin weiter erläutert: "Wir beschränken uns auf die Basispflege." Individuelle Pflege sei nicht mehr möglich.

Stimmung des Personals ändert sich

Deswegen habe sich auch die Stimmung des Personals verändert. Anfangs sei man sich noch sicher gewesen, diese Herausforderung zu meistern. Jetzt machten sich die Pflegenden Sorgen, dass am Ende alle erkrankten, so Richter. Die Heimleiterin sucht nun händeringend nach Unterstützung mit pflegerischer Facherfahrung. Sie hat eine gesetzlich vorgeschriebene Meldung von wesentlichen Beeinträchtigungen zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung abgegeben.

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Laut Medizinischem Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Sachsen-Anhalt bieten Hilfsorganisationen, Personalleasingfirmen, die Agentur für Arbeit, Hoch- und Pflegeschulen sowie der MDK selber Unterstützung. Über eine Anfrage beim zuständigen Landkreis könne zudem die Bundeswehr hinzugezogen werden. Unabhängig davon, wo Anfragen eingegangen sind, würden aktuell alle Anfragen im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt gebündelt.

Eine Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, wie viele Heime in Sachsen-Anhalt derzeit mit solchen Personalproblemen zu kämpfen haben, konnte das Landesverwaltungsamt bis zum Freitagnachmittag nicht beantworten. Klar ist aber: Die Situation in Giersleben dürfte kein Einzelfall sein.

Quelle: MDR/kö,tg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Januar 2021 | 17:40 Uhr

1 Kommentar

ElBuffo vor 44 Wochen

Lieber mdr, da habt ihr falsch gefragt. Die Frage hätte lauten müssen, wieviele keine solche Personalprobleme haben. Das hätte dann einer der Bürokraten an einer Hand abzählen können.
Die Heime werden in dieser Situation mit zusätzlichen Aufgaben und Bürokratie belastet. Die sollen jetzt auch noch selber PCR-Tests machen und diese ins Labor bringen. Der Aufwand hierfür wurd teilweise nach umfangreicher Beantragung erstattet. Die erste Reaktion der Behörden auf die Überlastungsmeldungen waren oft Androhungen von Bußgeldern. So sieht die Hilfe derzeit aus. Hat die Heimleiterin auch berichtet, wie/wo die drei Heimbewohner verstorben sind?

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