Bildungsminister und Lehrergewerkschafterin im Gespräch Lehrergewerkschaft: Corona-Krise verschärft Fachkräftemangel

Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagte Lehrergewerkschafterin Eva Gerth, die Corona-Krise habe den Lehrermangel im Land noch verschärft. Bildungsminister Tullner sagte dazu, im Hinblick auf Unterrichtsausfälle brauche es "Mut zur Lücke". Im Live-Gespräch am Donnerstag ging es zudem um Risikogruppen, Hygienemaßnahmen und Abschlussprüfungen. Tullner und Gerth antworteten auf Nutzerfragen zu Schulwegen, Lüften und Laptops.

Eine Frau und ein Mann vor dem Hintergrund eines Klassenraums, auf dem sich stilisiere Viren befinden.
BIldungsminister Marco Tullner (CDU) und Gewerkschafterin Eva Gerth haben am Donnerstag live über die Situation in Schulen gesprochen. Bildrechte: MDR/Imago/Pixabay

Nach Einschätzung der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Corona-Krise den Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt verstärkt. GEW-Vorsitzende Eva Gerth sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Corona ist nochmal wie so ein Licht auf die Defizite unseres Schulsystems überhaupt". Bereits vor der Pandemie habe es zehn Prozent Unterrichtsausfall gegeben.

Gründe dafür seien Lehrermangel oder Langzeiterkrankte gewesen. Die Unterrichtsausfälle wegen der Pandemie seien "ein Stückchen eine Verschärfung".

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte mit Blick darauf, wie die vielen Unterrichtsausfälle ausgeglichen werden könnten, die Schulen hätten bei der Unterrichtsgestaltung eine hohe Flexibilität. Im vergangenen Schuljahr habe es bei den 10. und 12. Klassen keine Abbrüche gegeben. Tullner fügte hinzu:

Dann muss es auch mal einen Mut zur Lücke geben.

Unterrichtsausfälle schon vor der Corona-Krise ein Problem

Gerth sagte, schon vorher hätten manche Schüler während ihrer zehnjährigen Schullaufbahn praktisch ein Jahr wegen Unterrichtsausfalls verloren. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Unterrichtsausfall gehöre immer zum Schulalltag dazu. Trotz der Corona-Zeit sei aber der Einstellungsbetrieb weiter gelaufen. Ende des Jahres würden mehr als 1.000 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt.

Am Donnerstag um 19.40 Uhr hat es zum Thema "Corona und Schule" ein Facebook-Live auf der Facebook-Seite von MDR SACHSEN-ANHALT mit Bildungsminister Marco Tullner und Eva Gerth gegeben.

Gewerkschaft: Lehrer aus Risikogruppen nicht ausreichend geschützt

Die Lehrer-Gewerkschaft hat zudem einen besseren Schutz für Lehrkräfte aus Risikogruppen angemahnt. Eva Gerth sagte im Gespräch, eigentlich gebe es eine klare Regelung im Hygieneplan, doch die werde derzeit nicht umgesetzt. Gerth schilderte, dass Lehrkräfte ein entsprechendes Attest vorgelegt hätten, aber trotzdem nicht von der Schule befreit worden seien. Tullner zeigte sich überrascht: "Dem müssen wir nachgehen, weil, wenn Regeln gelten, müssen die auch eingehalten werden."

Schüler sitzen mit Masken (Mund-Nasen-Bedeckungen) im Unterricht vor einem geöffneten Fenster
Das Lüften gehört zu den vorgegebenen Corona-Maßnahmen in Schulen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Ähnlich reagierte der Minister auf die Frage eines Facebook-Nutzers, warum in Schulen nicht regelmäßig gelüftet werde und Kinder oder Masken auf dem Schulhof zu sehen seien. Er sagte: "Wir geben Regeln vor, bei denen wir davon ausgehen, dass sich die Kolleginnen und Kollegen im eigenen Interesse und dem Interesse der Schülerinnen und Schüler daran halten." Es seien keine Fälle bekannt, in denen systematisch gegen diese Regeln verstoßen würde.

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Tullner: Keine Wahltermine für Abschlussklausuren in 2021

Bildungsminister Tullner hat außerdem ausgeschlossen, dass es im kommenden Jahr Wahltermine für die Abschlussklausuren an Schulen geben wird. Tullner sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe wahrgenommen, wie die Schulen unter der Doppelbelastung "geächzt" hätten. Im vergangenen Schuljahr hatten die Abschlussklassen wählen können, wann sie die Prüfungen ablegen. Die Landesregierung hatte so die Anzahl der Prüflinge in den Klassenräumen verringern wollen.

Außerdem werde das Schuljahr in den Abschlussklassen nicht wiederholt. Tullner: "Was es auf gar keinen Fall geben darf, ist, dass hier Lebensjahre unter Corona-Bedingungen verschoben werden. Das darf es nicht geben."

Fragen und Antworten aus dem Live-Gespräch auf Facebook

Frage: Warum müssen die Kinder im Unterricht frieren?

Antwort: Bildungsminister Tullner sagte im Live-Gespräch, es gebe eine Verwirrung über das Lüften. Empfohlen seien Stoß- und Querlüften. Es sei angedacht, dass während des Unterrichts kurze Pausen zum Stoßlüften gemacht würden: Dabei sollten fünf Minuten lang die Fenster ganz geöffnet werden. In der Pause zwischen zwei Stunden solle dann quergelüftet werden, bei offenen Fenstern und Durchzug. Es sei nicht gemeint, dass Fenster permanent angekippt sein sollen.

Frage: Sportunterricht in der Halle mit über 40 Kindern: Wo ist da der Sinn, wenn alle Sportgemeinschaften im Lockdown sind?

Antwort: Bildungsminister Tullner sagte dazu, es handele sich um eine klare politische Vorgabe: Schule findet statt und das hieße auch Sportunterricht. Man soll möglichst nicht die kontaktintensivsten Übungen durchführen und bei schönem Wetter auch draußen Sport machen. Tullner sagte zudem, man denke in Kohorten. Die würden sich in Sportvereinen noch einmal neu mischen. 

Frage: Wie ist der Stand bei den Lehrer-Laptops?

Laut Bildungsminister Tullner will der Bund die Mittel dafür bereitstellen, die Verhandlungen würden aber noch laufen. Dann müsse man die Laptops noch bestellen. Er erwarte aber, dass das in diesem Schuljahr und nicht erst im Sommer passiert.

Frage: Kommt die Maskenpflicht im Unterricht auch für Lehrerinnen und Lehrer?

Gewerkschafterin Eva Gerth sieht darin das "allerletzte Mittel". Vor allem im Hinblick auf jüngere Schülerinnen und Schüler beispielsweise und Schülerinnen und Schüler an Förderschulen sowie auf Sprachunterreicht, seien die Mimik und Gestik wichtig für den Unterricht.

Frage: Welchen Sinn haben die Maßnahmen in der Schule, wenn es im Öffentlichen Personennahverkehr auf dem Schulweg eng wird?

Dafür sei das Bildungsministerium nicht zuständig. Tullner sagte, er wünsche sich "mehr Pro-Aktivität bei den Trägern des Öffentlichen Nahverkehrs". Verkehrsunternehmen würden es sich leicht machen mit Vorschlägen wie gestaffelten Anfangszeiten in Schulen. Als positives Beispiel nannte er Halle, wo größere Straßenbahnzüge eingesetzt würden. Das sorge für Entzerrung.

Schulbus
Auf dem Schulweg in Bus und Bahn können Hygienemaßnahmen häufig nicht eingehalten werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. November 2020 | 05:00 Uhr

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