Zwei Geräte installiert Auch nach den Herbstferien: Kaum Luftfilter an Schulen in Sachsen-Anhalt

Porträtbild eines jungen Mannes
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Präsenzpflicht, keine Masken mehr im Unterricht und die ersten Schülerinnen und Schüler sind geimpft. An Sachsen-Anhalts Schulen hat sich mit Blick auf die Corona-Lage einiges verändert. Nur eines fehlt auch zum Schulstart nach den Herbstferien: Luftfilter. Das hat verschiedene Gründe.

Hausmeister Jörg Schulz schiebt einen Luftfilter der Firma Miele in einen Klassenraum der Integrierten Gesamtschule IGS Lehrte. Die Bundesregierung fördert mobile Luftfilter in Schulen. Dazu sollen den Ländern 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.
Luftfilter als Mittel für den Corona-Winter: In den Schulen in Sachsen-Anhalt werden nur die wenigsten Klassenzimmer damit ausgestattet sein. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

  • Damit Schulen in der Corona-Pandemie nicht mehr geschlossen werden müssen, sollen unter anderem Luftfilter zur Sicherheit beitragen. Bislang sind die Geräte aber fast nirgends installiert.
  • Von der Förderung, die das Land den Schulträgern für die Anschaffung zahlen will, ist bisher kein Cent geflossen.
  • Die Berufsschulen haben bislang keinen Anspruch, Luftfilter anzuschaffen und finanziell vom Land fördern zu lassen. Das könnte sich bald ändern.

Der Anstoß kam aus Berlin: Im Juli hatte das Bundeskabinett beschlossen, die Länder bei der Beschaffung von Luftfiltern für ihre Schulen zu unterstützen. Zuvor war lange über Nutzen solcher Geräte zur Eindämmung der Corona-Pandemie diskutiert worden. Dann der Beschluss: Sachsen-Anhalt bekommt 5,4 Millionen Euro – und legt die gleiche Summe gleich noch mit drauf. 10,8 Millionen Euro stehen den Schulträgern nun also zur Verfügung, wenn sie ihre Unterrichtsräume mit einem Luftreinigungsgerät ausrüsten wollen.

Die Förderung gilt allerdings nur für manche Klassenzimmer. Und hier fängt das Problem an: Das Umweltbundesamt unterteilt in drei Kategorien. Gefördert werden Luftfilter nur für Räume der Kategorie 2 – solche, die schlecht gelüftet werden können, weil sich zum Beispiel die Fenster nicht komplett öffnen lassen. Das betrifft laut Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt 631 Klassenräume, nur rund sechs Prozent. Gleich fünf Landkreise haben überhaupt keinen Anspruch auf das Fördergeld. In den Landkreisen Stendal, Jerichower Land, Börde, dem Altmarkkreis Salzwedel und in Magdeburg wird weiterhin ausschließlich gelüftet.

Klassenräume: Das bedeuten die Kategorien 1, 2 und 3

Klassenzimmer werden in drei Kategorien eingeteilt. Räume, die durch ihre Fenster oder eine raumlufttechnische Anlage gut zu lüften sind, gehören zur Kategorie 1. Bei Kategorie 2 handelt es sich um Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit. Das ist der Fall, wenn die Fenster nur kippbar sind und es auch keine raumlufttechnische Anlage gibt. Räume der Kategorie 3 sind überhaupt nicht zu belüften.

Bisher kaum Luftfilter – Schulträger müssen selbst aktiv werden

Die Landkreise sind Träger der öffentlichen Sekundarschulen, Gymnasien und Förderschulen. Doch selbst dort, wo ein Anspruch auf das Fördergeld besteht, ist bisher wenig passiert. Am weitesten ist die Stadt Halle, sie hat ihre zwei Luftfilter bereits. Im Burgenlandkreis sollen die 97 beschafften Geräte nach den Herbstferien in Betrieb genommen werden. Die restlichen zwölf Landkreise sind noch nicht so weit, hier laufen die Ausschreibungen teils noch.

Sachsen-Anhalt überlässt die Beschaffung der Luftreinigungsgeräte den Schulträgern selbst. So soll der Vergabeprozess beschleunigt werden, argumentiert das Land. Würde Sachsen-Anhalt die Luftfilter zentral beschaffen, müsste der Auftrag europaweit ausgeschrieben und vergeben werden, was deutlich länger dauern würde. Die Schulträger werden also einzig finanziell bei ihrem Vorhaben unterstützt – mit bis zu 3.000 Euro pro Gerät und noch mal 2.000 Euro für die Installation, Einweisung und Wartung.

Landkreise gehen eigene Wege

Ausgezahlt wurde von diesem Geld bislang nichts, da die Richtlinie noch mit den anderen Ressorts abgestimmt werden müsse, heißt es vom Bildungsministerium. Die Schulträger seien jedoch informiert, dass die Geräte schon angeschafft werden können. Das ist allerdings nicht überall machbar. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, er werde die zwölf benötigten Luftfilter erst im kommenden Jahr beschaffen, weil eine Finanzierung vorab aus eigenen Mitteln derzeit nicht möglich sei.

Einen eigenen Weg geht der Altmarkkreis Salzwedel. Weil auch er keine Räume der Kategorie 2 an den Schulen in seiner Trägerschaft vorweisen kann, kann er die Förderung nicht in Anspruch nehmen. Trotzdem werden hier bald 77 Luftfilter für alle fünften und sechsten Klassen angeschafft – finanziert aus Eigenmitteln. So sollen die Kinder, die noch nicht gegen Covid-19 geimpft werden, besser vor Infektionen geschützt werden.

Dem Land fehlt der Überblick – Infektionsgeschehen noch unklar

Das Land selbst kennt nur den Bedarf der Schulträger – also die 631 benötigten Luftfilter. Zum aktuellen Stand der Beschaffung oder bis wann die Luftreinigungsgeräte in den Unterrichtsräumen installiert sein werden, kann das Bildungsministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT keine Aussage treffen. Das liege einerseits an der dezentralen Beschaffung durch die Schulträger, andererseits aber auch an der allgemeinen Marktlage.

Der Rahmenhygieneplan für Schulen sieht keine Maskenpflicht und keinen Mindestabstand mehr vor in den Klassen. Hier wird auf regelmäßiges Lüften gesetzt – oder eben auf die weitgehend noch nicht vorhandenen Luftfilter. Das Bildungsministerium orientiert sich dabei an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der Gesundheitsbehörden. Für ein besseres Verständnis des durch die neuen Maßnahmen möglicherweise veränderten Infektionsgeschehens bei Schülerinnen und Schülern soll eine aktuell noch laufende Studie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sorgen.

Berufsschulen vom Förderprogramm ausgenommen

Keinen Anspruch auf eine Förderung der Luftfilter haben die berufsbildenden Schulen. Die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Mittel beschränken sich auf Schulen mit Kindern unter zwölf Jahren. Das trifft auf Berufsschulen nicht zu. Diese sollen demnächst ein landeseigenes Förderprogramm bekommen. Spruchreif ist hier allerdings noch nichts.

MDR/Engin Haupt, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

7 Kommentare

Gernot vor 5 Wochen

......wo der Staat..... genau so ist es. Eine träge und oft selbstverliebte Verwaltung taugt nicht für schnelle und unkomplizierte Maßnahmen. Zudem sind Handwerker nicht mehr auf Arbeit der öffentlichen Hand angewiesen. Privatkunden stehen Schlange!

Hobby-Viruloge007 vor 5 Wochen

Komisch, immer da wo der Staat selber handeln muß, da wird's sehr dünne mit den Resultaten. In der Schule meiner Kinder läßt sich das Fenster nicht richtig öffnen und wenn die Co2 Ampel wieder mal auf Rot geht, dann wird ins Treppenhaus entlüftet. Luftfilter gibt es nicht.

August vor 5 Wochen

Der Einbau der Filter ist teurer als so manches Schulgebäude selber der Bautechnische Zustand vieler Schulen aus DDR Zeit ist miserable. Jetzt fällt vielen Komunen der Sparzwang und die schwarze Null vom Bund auf die Füße. Zu DDR Zeiten hätte mann Impfzwang durchgezogen das wäre Billiger und efektiver. Vorbeugen ist besser als die Belastete Luft zu Reinigen und CO2 Freundlicher.

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