Nach den Sommerferien Corona-Test-Verweigerer an den Schulen in Sachsen-Anhalt: Bußgeld ist die letzte Option

Wie kann der Schulbetrieb auch in Pandemie-Zeiten sicher sein? Nach einer Antwort auf diese Frage wird seit mehr als einem Jahr gesucht. Sachsen-Anhalt will zum neuen Schuljahr die Präsenzpflicht an den Schulen wieder einführen – und die Jugendlichen testen, die nicht genesen oder geimpft sind. Wer sich verweigert, muss im schlimmsten Fall mit einem Bußgeld rechnen. Teile der Opposition kritisieren das.

Ein Testkit liegt im Klassenzimmer
Bildrechte: dpa

Ungeimpfte Schülerinnen und Schüler müssen zu Beginn des neuen Schuljahres in Sachsen-Anhalt einen negativen Corona-Test vorlegen. Darauf hat das Bildungsministerium verwiesen und zugleich Bußgelder für diejenigen angedroht, die einen Test verweigern. Dasselbe gelte auch für Lehrkräfte, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Stefan Thurmann, MDR SACHSEN-ANHALT. Von der Testpflicht ausgenommen sind nach seinen Worten auch Genesene.

Präsenzpflicht gilt wieder ab 2. September

Hintergrund der Androhung von Bußgeldern ist die Präsenzpflicht, die zum neuen Schuljahr ab 2. September wieder gilt. Sie war während der Pandemie für lange Zeit ausgesetzt. Das Land betonte zugleich, möglichst auf Bußgelder verzichten zu wollen. Ein Regierungssprecher sagte, zunächst sollten alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Dazu gehörten etwa Gespräche mit den Eltern. Ungeachtet dessen würden Test-Verweigerer vom Unterricht ausgeschlossen.

Geplant ist, am ersten Schultag eine verpflichtende Testung zu machen. In den zwei Wochen darauf ist eine dreimalige Testung pro Woche geplant, in den Wochen darauf eine zweimalige Testung pro Woche.

Stefan Thurmann Sprecher des Bildungsministeriums

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen-Anhalt reagierte entspannt auf die Ankündigung der Landesregierung. Landesvorsitzende Eva Gerth sagte, die Strafen würden so schnell gar nicht kommen. Bei Schulschwänzern werde zunächst versucht, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, erklärte sie. Unter Corona-Bedingungen sei das allerdings noch nicht erprobt worden. Wenn es wirklich Menschen gebe, die ihr Kind nicht testen oder impfen lassen wollen, müsse man sehen, wie Schulen letztendlich damit umgingen.

Eva Gerth
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Am Ende geht's darum, die beste Lösung für das Kind zu finden.

Eva Gerth Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft

Kritik an den Plänen des Landes kam von der Linken im Landtag: Deren bildungspolitischer Sprecher Thomas Lippmann sagte, das Vorgehen sei "in erschreckendem Maß unsensibel" gegenüber Schülerinnen und Schülern. Es sei absehbar, dass es Klagen von Eltern gegen derlei Anordnungen geben werde. Auch die noch mitregierenden Grünen lehnen die Androhung von Bußgeldern ab. Viel wichtiger sei, Tests einfacher und kindgerechter zu gestalten, sagte der bildungspolitische Sprecher Wolfgang Aldag. Möglich sei der Einsatz sogenannter Lollitests.

Ministerium: Verfahren seit Jahren gelebte Praxis

Das Bildungsministerium verteidigte seine Pläne. Dass im Falle von Schulschwänzens Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden könnten, sei seit Jahren gelebte Praxis an den Schulen, sagte Pressesprecher Thurmann. Das habe weniger mit Corona zu tun. Die Schulen sollen in diesen Tagen demnach Post vom Ministerium bekommen. Darin würden die genauen Regeln zum Schulstart am 2. September noch einmal erklärt, hieß es.

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Quelle: dpa, MDR/Ronald Neuschulz, Michael Rosebrock, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. August 2021 | 17:00 Uhr

9 Kommentare

Eulenspiegel vor 9 Wochen

Hallo ule
„Die Pandemie ist kein Sachsen- und auch kein Deutschland- Ereignis.“
Das habe ich auch nicht behauptet. Ich sage es liegt an uns wie groß das menschliche Leid ist das durch dies Pandemie entsteht.
Sie vergleichen die Korona -pandemie mit einer Grippewelle?
Also die ist keineswegs von der Korona -pandemie abgelöst. Es ist doch so das die gesamten Korona -maßnahmen nicht speziell auf Korona bezogen sind sondern Maßnahmen gegen Vieren im allgemeinen. Also auch gegen den Grippe- Virus. Im übrigen seit die Korona-Maßnahmen greifen haben sämtlich Arten von Viruserkrankungen drastisch abgenommen. Das zeigt wie durchschlagend diese Korona-Maßnahmen wirken.

ule vor 9 Wochen

@Eulenspiegel ___" hundert Jahre . . ."

Die Pandemie ist kein Sachsen- und auch kein Deutschland- Ereignis.
Die Pandemie wird solangen andauern, wie das Virus es vorgibt.
Bitte beachten Sie dabei, dass kein Wissenschaftler das Ende der Pandemie voraussagen kann, selbst wenn alle Menschen dieser Welt geimpft worden wären -- so beginnt bereits in manchen Teilen dieser Welt, die Phase der ersten Auffrischungsimpfung --- was nicht anderes bedeutet, dass das Virus, egal in welcher Variante, Jahr für Jahr wiederkehren wird.

Erinnert sei dabei an der alljährlichen wiederkehrenden Grippewelle.
Diese scheint ja von der Corona-Pandemie abgelöst worden zu sein.
Wo bleibt da die Weissagungen der Wissenschaftler und Experten? Oder werden wir nur von den Vakzinproduzenten und ihren Helfern aufgeklärt und beraten ?

Peter vor 9 Wochen

Critica: Gruselig? Nö, konsequent. Schließlich haben´s die Eltern eingerührt. Also müssen die dann auch blechen.

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