Corona-Lockerungen Eine Woche Öffnungen – Die unterschiedliche Bilanz der Gastronomen

Seit einer Woche ist die Außengastronomie in großen Teilen Sachsen-Anhalts wieder geöffnet. MDR SACHSEN-ANHALT hat stichprobenartig nachgefragt. Viele Gastronomen freuen sich, andere öffnen gar nicht. Für sie ist der Aufwand zu groß.

Halle (Saale): Gäste im Café Noir von Mohammed Lemlah (M) füllen den erforderlichen Erfassungsbogen zur möglichen Rückverfolgung im Falle von Corona-Infektionsfällen aus.
Bei Außengastronomie gilt: Negativtest und Kontaktdaten angeben. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Seit gut einer Woche darf in weiten Teilen Sachsen-Anhalts die Außengastronomie wieder besucht werden. Voraussetzungen sind ein aktueller negativer Corona-Test und das Hinterlegen von Kontaktdaten. Eine Stichprobe von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt, dass die Gastronomen bei uns im Land unterschiedlich damit umgehen.

Beachclub: Umbaumaßnahmen sind Herausforderung

Er habe seinen Montego-Beachclub in Magdeburg an den ersten schönen Tagen überstürzt öffnen müssen, berichtet Eigentümer und Geschäftsführer Sebastian Schmidt MDR SACHSEN-ANHALT. Deswegen habe er zunächst weiter nur To-Go-Angebote gehabt. Die Umsätze seien für die Zeit okay gewesen.

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Die neuen Auflagen für Essen und Getränke vor Ort nennt Schmidt "hoch". Er ist sich aber auch sicher: "Es war richtig, auf zu machen." Acht von zehn Besucher seien dankbar, dass es so geht. Aber nicht alle Besucher haben Verständnis für den negativen Test und die Kontaktnachverfolgung. Die Umbaumaßnahmen in seinem Beachclub bezeichnet Schmidt als Herausforderung: "Das ist alles nicht so einfach, wenn man 350 Sitzplätze hat."

"Die Leute wollen raus"

Schmidt muss Tische und Stühle umstellen. Er baut weitere kleine Bars auf, um die Besucherströme auseinanderzuziehen. Die große Bar wird auf Hüfthöhe umzäunt. Er hofft jetzt, dass sich die Inzidenzzahlen weiter positiv entwickeln, denn: "Die Leute wollen raus und sich mit Freunden treffen."

Magdeburger Eiscafé bleibt beim To-Go-Verkauf

Das Eiscafé Danz11 in Magdeburg ist einen anderen Weg gegangen. Sie haben die Außengastronomie nicht geöffnet. Christian Guse erklärte das MDR SACHSEN-ANHALT mit den Voraussetzungen, die es im Danz11 gibt. Kontrollen, Tests und die Aufnahme der Kontaktdaten seien sehr aufwendig und kompliziert. Das würde bei jedem Gast viel Zeit kosten und schlechte Stimmung machen.

Bei Kollegen habe man gesehen, dass Gäste das nicht akzeptieren würden. Das liege oft an Unwissenheit aber auch am fehlenden Verständnis für die Maßnahmen. Guse fordert daher: "Außengastronomie sollte testfrei sein." Er will weiter auf To-Go-Verkauf setzen und hofft auf die nächste Verordnung im Juni.

Lieferengpässe bei Bier und Fleisch

Einige Magdeburger Gastronomen berichteten MDR SACHSEN-ANHALT von weiteren Problemen. Demnach benötigen Brauereien für das Ausliefern des Biers im Schnitt zwei Tage länger als sonst. Ähnliche Verzögerungen gibt es bei den Fleischbestellungen. Grund ist die sehr hohe Nachfrage. Nach der monatelangen Schließung bestellen alle Gastronomen auf einmal.

DEHOGA: Kein Gaststättensterben in Sachsen-Anhalt

Unklar ist noch, wie viele Cafés und Restaurants durch die Corona-Pandemie schließen mussten. Der Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA in Sachsen-Anhalt, Michael Pirl, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ein Gaststättensterben gebe es in Sachsen-Anhalt nicht. Durch November- und Dezemberhilfen sowie Überbrückungsgeld konnten sich die Betreiber über Wasser halten.

Laut Pirl haben es aber nicht alle geschafft. Gerade Gaststätteninhaber, die sowieso aufhören wollten oder keinen Nachfolger gefunden haben, haben die Corona-Krise für einen Abschied genutzt. Für eine genaue Bilanz sei es aber noch zu früh, so Pirl. Die Zahl von 6.000 Gastronomiebetrieben in Sachsen-Anhalt werde sich aber wohl nicht halten lassen.

Zehn Prozent der Mitarbeiter haben Gastronomiebranche verlassen

Laut DEHOGA haben in Sachsen-Anhalt zehn Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gastronomiebranche in der Corona-Pandemie den Rücken gekehrt. Insgesamt geht es dabei um rund 2.000 Arbeitskräfte. Der Wörlitzer Gastronom Stefan Ziegler sagte, das werde schwer zu kompensieren sein. Andererseits seien alle geplanten Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstage weggefallen.

Quelle: MDR/Johanna Honsberg, André Damm, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28. Mai 2021 | 07:10 Uhr

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