Termin-Schwänzer in Sachsen-Anhalt Mehrere hundert Impfdosen bleiben wöchentlich liegen

Impftermine nicht wahrzunehmen, ist in Sachsen-Anhalt ein regional unterschiedlich großes Problem. In den Impfzentren bleiben teilweise pro Woche mehrere hundert Impfdosen liegen.

Impftermin Corona
Auch in Sachsen-Anhalt lassen viele Menschen ihren Impftermin sausen. Bildrechte: Colourbox.de

Dass Corona-Impftermine nicht wahrgenommen werden, ist ein bundesweites Phänomen. MDR SACHSEN-ANHALT hat im Land nachgefragt, wie die Situation vor Ort ist.

Manche Landkreise teilten mit, dass wöchentlich zwischen fünf und 50 Termine nicht genutzt werden. In anderen Kreisen werde etwa jeder zehnte Termin in den Impfzentren nicht wahrgenommen. Bei 1.500 bis 6.500 vereinbarten Terminen entspricht das mehreren hundert Impfungen. Betroffen sind überwiegend die Zweitimpfungen.

Viele Absagen in der Börde, im Mansfeld-Südharz eher wenige

Auch die Frage, ob die nicht wahrgenommenen Impfungen abgesagt werden oder verfallen, beantworteten die Kreise und kreisfreien Städte unterschiedlich. Der Burgenlandkreis, Dessau-Roßlau und die Landkreise Stendal, Börde und Wittenberg beklagen beispielsweise, dass viele Termine nur teilweise oder selten abgesagt werden und damit verfallen.

Im Salzlandkreis und dem Landkreis Mansfeld-Südharz ist das den Angaben nach hingegen selten der Fall. Hier können die Termine entsprechend häufig neu vergeben werden.

Keine landesweiten Zahlen beim Ministerium

Dem Landessozialministerium liegen nach eigenen Angaben keine Statistiken zu abgesagten oder nicht wahrgenommenen Terminen vor. Aus den Kreisen habe man allerdings noch nicht die Rückmeldung bekommen, dass das Problem enorm groß sei. Gebuchte Termine können über die Hotline 116117, auf der Internetplattform impfterminservice.de sowie in einigen Kreisen über das Bürgertelefon, per Mail oder vor Ort im Impfzentrum abgesagt werden.

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) forderte bei MDR SACHSEN-ANHALT, dass Impfzentren die Möglichkeit bieten sollten, am Telefon oder online Impftermine absagen oder verlegen zu können.

Aus den Impfzentren höre sie aber auch Frust, dass viele Termine nicht abgesagt würden. Es müsse weiter eine gute Kommunikation geführt werden. Grimm-Benne kündigte eine weitere Impfkampagne an. Damit die Corona-Lage gut bleibe, brauche man die zweite Impfung.

Unterschiedliche Situation in Arztpraxen

Auch die Arztpraxen im Land sind vom Problem der nicht wahrgenommenen Impftermine unterschiedlich stark betroffen. Stichprobenartig ausgewählte Praxen in Halle, Dessau-Roßlau, Stendal und Havelberg sind demnach nicht von Terminabsagen betroffen. Das Interesse an Impfterminen schwankt dabei von Praxis zu Praxis.

Auf der anderen Seite gibt es beispielsweise in Magdeburg eine Hausarztpraxis, die das Impfen gegen Corona nach eigener Aussage komplett eingestellt hat. Von den bis zu 24 Terminen pro Woche seien zu viele verfallen, da Patienten ihre Termine nicht abgesagt hätten. Die Kassenärztliche Vereinigung hat nach eigener Aussage keine Kenntnis davon, wie viele gebuchte Impftermine in den Arztpraxen nicht wahrgenommen werden.

MDR/Jan-Malte Wagener, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Juli 2021 | 17:00 Uhr

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