Streit mit Sozialministerin Trümper verteidigt Impfungen nur für Magdeburger

Oberbürgermeister Lutz Trümper hat seine Entscheidung verteidigt, in Magdeburg nur Menschen aus der Landeshauptstadt impfen zu lassen. Sozialministerin Petra Grimm-Benne hatte das Vorgehen zuvor scharf kritisiert. Sie forderte Trümper auf, sich an die Bundesimpfverordnung zu halten.

Trümper verurteilt Impftourismus

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat die Landesregierung aufgerufen, mehr gegen den Impftourismus zu tun. Trümper sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Mittwoch, Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und die anderen Leute im Land seien moralisch zunächst einmal der eigenen Bevölkerung verpflichtet. Außerdem wollten sie in acht Wochen in Sachsen-Anhalt wiedergewählt werden und nicht in Niedersachsen.

40 Prozent der in Magdeburg Geimpften aus anderen Bundesländern

Trümper spielt damit auf die Tatsache an, dass zwischenzeitlich 40 Prozent der in Magdeburg Geimpften aus anderen Bundesländern angereist waren. Es sei doch sinnlos, wenn man mit dem Auto oder der Bahn quer durch Deutschland fahre und sich in den Impfzentren Leute aus 20 Städten träfen, so Trümper. Außerdem werde der Impfstoff einwohnerbezogen geliefert. Impfe man Leute von anderswo, komme die Impfstatistik durcheinander.

Die Menschen sollen sich dort impfen lassen, wo sie wohnen.

Lutz Trümper, Magdeburgs Oberbürgermeister

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Scharfe Kritik von Grimm-Benne

Trümper hatte in der vergangenen Woche angekündigt, in Magdeburg nur noch Magdeburger gegen Corona zu impfen. Damit hatte er sich offen gegen Gesundheitsministerin Grimm-Benne gestellt. Sie sei der Auffassung, dass das Magdeburger Vorgehen im Augenblick nicht rechtens sei, betonte Sozialministerin Grimm-Benne im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. Die Bundesimpfverordnung sehe nicht vor, dass man nach Wohnsitzprinzip vorgehe. Sie habe Trümper ein Schreiben geschickt, in dem sie ihre Rechtsauffassung deutlich gemacht habe. Außerdem habe sie den Oberbürgermeister gebeten, sich an die Bundesimpfverordnung zu halten.

Alles, was wir machen, ist eine nationale Aufgabe.

Petra Grimm-Benne (SPD), Sachsen-Anhalts Sozialministerin

Grimm-Benne: Bisher keine Probleme in Magdeburg

Grimm-Benne verwies dabei auch auf die zentrale Terminvergabe über Telefon und Internet. Die Terminbuchung dort kenne das Territorialprinzip nicht. Bisher habe es in Magdeburg auch keine Probleme gegeben. Außerdem würden die anderen Impfzentren in Sachsen-Anhalt und auch in anderen Ländern nicht so vorgehen.

Trümper: Pause bei Testpflicht an Schulen irritiert Leute

Trümper ging auch nochmal auf das Aussetzen der Corona-Testpflicht an den Schulen im Land bis Ende der Woche ein. Das Hin-und-Her irritiere die Leute. Er könne die Eltern nicht verstehen, die ihr Kind nicht auf Corona testen lassen wollten mit der Begründung, das sei Körperverletzung. Trümper: "Wer sagt, ich habe das Recht, mein Kind nicht testen zu lassen, dem sage ich: Sie haben aber nicht das Recht, andere anzustecken." Die Tests hätten nichts mit Körperverletzung zu tun, sondern seien auch eine Maßnahme, damit die Kinder wieder in die Schule gehen könnten.

Quelle: MDR/Sören Thümler, Marcel Knop-Schieback, Mario Köhne

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