Nach Betrugsvorwürfen Kassenärztliche Vereinigung will sich an Kontrolle von Testzentren nicht beteiligen

Wer kontrolliert die zahlreichen privat betriebenen Corona-Testzentren? Die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen-Anhalt will sich an den Überprüfungen nicht beteiligen. Dabei geht es um den Vorwurf von Abrechnungsbetrug. Einige Zentren sollen bedeutend mehr Tests abgerechnet haben, als durchgeführt wurden.

Corona-Testzentrum
In einigen privat betriebenen Corona-Testzentren sollen mehr Schnelltests abgerechnet worden sein, als durchgeführt wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Bekanntwerden von Betrügereien in mehreren privat betriebenen Corona-Testzentren lehnt die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen-Anhalt eine Beteiligung bei der Kontrolle dieser Zentren ab. "Für uns wäre das ein Riesenproblem", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Land, Jörg Böhme, MDR SACHSEN-ANHALT. Man müsste dann jemanden vor die Türen der Testzentren setzen, der mitzähle.

Sachsen-Anhalt: Viele Corona-Schnelltests in Apotheken

Für Sachsen-Anhalt sieht Böhme nicht die Gefahr von großen Betrügereien, wie sie stellenweise in anderen Bundesländern aufgefallen waren. In Sachsen-Anhalt liefe ein Großteil der Testungen für die Menschen über die Apotheken. Ein nachweislicher Betrug hätte dann erhebliche Konsequenzen. "Ob es tatsächlich jemand gemacht hat, das steht in den Sternen", so Böhme, "man hat damals sicher nicht zu Ende gedacht, wie diese ganzen Kontrollmechanismen funktionieren sollen."

Problem wird kleiner

Der KV-Vorsitzende rechnet damit, dass das Problem in Zukunft von allein kleiner werde, wenn die Testpflicht in vielen Bereichen der Gesellschaft wegfalle. Noch brauche man allerdings die Testzentren.

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Zuletzt hatte es vermehrt Berichte über Betrug bei den kostenlosen Bürgertests gegeben. Die Betreiber von privaten Testzentren müssen beispielsweise bislang für die Kostenerstattung nicht nachweisen, dass sie überhaupt Antigen-Schnelltests gekauft haben. Die Kassenärztlichen Vereinigungen hatten im April erstmals die Kosten beim Bundesamt für Soziale Sicherung abgerechnet. In den vergangenen beiden Monaten wurden insgesamt bundesweit 660 Millionen Euro überwiesen.

Quelle: MDR/Mario Köhne, dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 07. Juni 2021 | 15:00 Uhr

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