Fragen und Antworten Ein Jahr Corona-Warn-App

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Die Corona-Warn-App wurde mehr als 28 Millionen Mal heruntergeladen, hat fast eine halbe Million Menschen vor einer möglichen Infektion gewarnt und wohl mehr als 100.000 Infektionsketten unterbrochen. Und sie hat in den vergangenen Monaten viele neue Funktionen erhalten. Seit der vergangenen Woche können Nutzer zum Beispiel den Impfnachweis in die Corona-Warn-App laden. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zur Corona-Warn-App.

Warn App
Die Corona-Warn-App ist mittlerweile eine Multifunktions-App. Man kann dort zum Beispiel sein Testergebnis und seine Impfung registrieren. Bildrechte: MDR/Mike Heerdegen-Simonsen

Ein klares Votum: Die meisten Nutzerinnen und Nutzer (60 Prozent) von MDR SACHSEN-ANHALT, die bei unserer Abstimmung mitgemacht haben, nutzen die Corona-Warn-App. Wir wollten gestern wissen, ob Sie die Corona-Warn-App (noch) nutzen und hatten Ihnen fünf Auswahlmöglichkeiten vorgeschlagen.

Hier sehen Sie das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage.

Interessant ist, dass fast ein Viertel bei der Abstimmung angibt, die App nicht zu nutzen. Etwa jeder Zehnte will nur die CovPass-App installieren, um seinen oder ihren Impfstatus zu dokumentieren, obwohl das auch mit der Corona-Warn-App geht.

Die neuen Funktionen, die die Corona-Warn-App in den vergangenen Monaten bekommen hat, haben einige Nutzer und Nutzerinnen von MDR SACHSEN-ANHALT (vier Prozent) überzeugt, die App zu installieren. Sechs Prozent der Menschen bei der Abstimmung geben an, dass sie die Corona-Warn-App wieder deinstalliert haben.

Ein Vorbehalt gegen die Corona-Warn-App war, dass niemand gezwungen wird, sein positives Testergebnis zu teilen. Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom hat gerade ergeben, dass die Zahl der Menschen gestiegen ist, die ihr positives Testergebnis mit der App teilen würden. 72 Prozent der Nutzer würden das aktuell tun – im Januar waren es 62 Prozent.

Corona-Warn-App
Die wichtigste Funktion ist nach wie vor: andere vor einer möglichen Ansteckung zu warnen. Dafür muss das positive Testergebnis auch per App geteilt werden. Bildrechte: imago images / Eibner

Was kann die Corona-Warn-App?

Mit der Corona-Warn-App werden Nutzer und Nutzerinnen gewarnt, wenn sie einem Menschen nah waren, der positiv getestet wurde. Diese Warnung wird ausgelöst, wenn der infizierte Mensch sein Testergebnis in der Corona-Warn-App teilt. Eine solche Warnung wird schneller verteilt, als es jedes Gesundheitsamt könnte. Außerdem können Nutzer und Nutzerinnen mit der App ihr negatives Test-Ergebnis speichern, falls sie das benötigen. Mit der Corona-Warn-App kann man auch an einem Ort einchecken, indem man einen QR-Code am Eingang einscannt. So werden mögliche Warnungen noch genauer. Außerdem können Nutzer ein Kontakt-Tagebuch führen. Und seit vergangener Woche kann die App auch den Nachweis einer Impfung speichern, wenn die Nutzer das wollen. Die App zeigt auch viele Daten der Pandemie an (Neuinfektionen, Inzidenzwert, R-Wert, gewarnte Personen etc.)

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Die App nutzt eine Bluetooth-Funktion der Smartphones und ein System von Google und Apple. Per Bluetooth werden andere Smartphones erkannt, auf denen ebenfalls die Corona-Warn-App installiert ist. Sind sich diese Smartphones über einen bestimmten Zeitraum nah, speichert die App das auf dem Smartphone. Dazu werden ständig wechselnde IDs benutzt. Meldet ein Nutzer oder eine Nutzerin ein positives Testergebnis in die Corona-Warn-App, geschieht – vereinfacht gesagt – folgendes: Die App sendet die gesammelten IDs der vergangenen vierzehn Tage an einen Server, der sie an alle Nutzer der Corona-Warn-App verteilt. Auf den Smartphones aller Nutzer wird dann lokal geprüft, ob eine der IDs die eigenen ist und wie hoch die Ansteckungsgefahr war. Der Nutzer oder die Nutzerin bekommt dann eine entsprechende Warnung.

Junge Frau mit der Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone
Um das Risiko einer Ansteckung einzuschätzen, müssen Nutzerinnen und Nutzer die App öffnen. Bildrechte: imago images / Petra Schneider

Muss die App dauerhaft geöffnet sein?

Nein. Allerdings sollte Bluetooth immer angeschaltet sein, damit die App auch Kontakte "messen" kann. Aber Nutzer müssen die App natürlich öffnen, um zu erfahren, ob sie möglicherweise Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Sie sehen dann eine verschiedenfarbige Meldung (rot, gelb oder grün) und eine entsprechende Handlungsempfehlung.

Sind Sie verpflichtet, die App zu installieren?

Nein.

Warum brauchen wir eine Corona App? Wie kann sie helfen?

Die Corona-Warn-App soll Menschen warnen, die möglicherweise Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Das ist auch die Aufgabe der Nachverfolgung des Gesundheitsamtes. Weil aber die App automatisch funktioniert, erreicht sie die Nutzerinnen und Nutzer schneller als jedes Gesundheitsamt. Die Menschen werden schneller gewarnt, können sich testen lassen oder isolieren. Wenn alle Nutzerinnen und Nutzer die App korrekt benutzen, hilft sie also, Infektionsketten schneller zu durchbrechen. Ganz ohne Gesundheitsamt, das sich erst später mit den Kontaktpersonen eines infizierten Menschen in Verbindung setzt. Das ist die wichtigste Funktion der App, es gibt aber auch weitere Funktionen.

Können in Mitteldeutschland Gaststätten, Hotels und so weiter die Corona-Warn-App nutzen?

Prinzipiell ja. Nur müssen sie zusätzlich die Kontaktdaten ihrer Gäste erfassen. Auf Papier oder mit einer anderen App. So schreibt es die aktuelle Verordnung des Landes vor. Thüringen regelt es genauso. Nur Sachsens aktuelle Verordnung empfiehlt Veranstaltern und Betreibern die Corona-Warn-App, verlangt aber nicht, dass zusätzlich die Kontakte erfasst werden.

Wirkt die Corona-Warn-App denn?

Das lässt sich nur schwer sagen, weil die App-Technologie dezentral arbeitet. Das RKI hat allerdings gerade eine Befragung und die freiwillige Datenspende-Funktion der App ausgewertet. Im Herbst soll das Ergebnis vorliegen. Derzeit sagt das RKI, dass mehr als zwei Drittel der Nutzer überrascht waren, als sie eine Warnung erhalten haben. 87 Prozent gaben an, dass sie deshalb einen Test gemacht haben. Bei sechs Prozent fiel dieser Test positiv aus. Rein rechnerisch ergeben sich laut RKI deshalb zwischen 110.000 bzw. 230.000 App-Nutzerinnen und -Nutzer, die nach einer Warnung positiv getestet wurden. Das RKI schreibt: "Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Testergebnisses ist bei Nutzenden mit roter Warnung gegenüber der Gesamtbevölkerung deutlich erhöht und entspricht etwa der Positivrate, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung beobachtet werden kann."

Wie bekomme ich den Impfnachweis in die Corona-Warn-App?

Menschen, die geimpft werden, sollen jetzt nach jeder Impfung einen Ausdruck bekommen können. Auf diesem Ausdruck gibt es einen QR-Code, den die App lesen und abspeichern kann. Sind nach der zweiten Impfung vierzehn Tage vergangen, gilt der Nutzer als vollständig geimpft. Die App zeigt dann auch an, wie lange der Impfschutz gilt. Der Impfnachweis kann auch in der App CovPass gespeichert werden, die nur dafür entwickelt wurde. Menschen, die ihre Impfungen bereits erhalten haben, bevor es einen solchen digitalen Impfnachweis gab, sollen sich an ihre Impfzentren, Ärzte oder an viele Apotheken wenden können und dort den QR-Code für ihre Impfungen bekommen. Manche Bundesländer wollen die QR-Codes an bereits Geimpfte auch per Post verschicken. Wie gut das funktioniert, zeigen die kommenden Wochen. Wichtig ist: Der gelbe Impfausweis reicht grundsätzlich aus. Niemand muss den digitalen Impfnachweis nutzen.

Was ist der Unterschied zwischen der Corona-Warn-App und der neuen App CovPass?

Die CovPass-App hat nur eine einzige Funktion: Sie kann Impfnachweise digital speichern. Die Corona-Warn-App kann viel mehr.

Wo kann man die App herunterladen?

Für iPhone-Nutzerinnen und Nutzer im Appstore.

Für Nutzer und Nutzerinnen mit Android-Smartphones in Google Playstore.

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Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Juni 2021 | 10:40 Uhr

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