Neue Corona-Regeln 2G im Einzelhandel: Geschäfte in Sachsen-Anhalt erwarten Einbußen beim Umsatz

Die Corona-Regeln werden erneut verschärft – wie erwartet. Ab kommendem Montag sollen in Sachsen-Anhalt nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Geschäften im Einzelhandel haben. Bau- oder Supermärkte und Drogerien sind davon ausgenommen. Alle anderen gehen davon aus, dass 2G den Umsatz drückt. Viele nehmen die Entscheidung aber pragmatisch.

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Zutritt für Geimpfte und Genesene: Das gilt ab 6. Dezember auch in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Der Einzelhandel in Sachsen-Anhalt hat mit gemischten Gefühlen auf die 2G-Pflicht in seinen Geschäften reagiert. Allerdings seien die neuen Regeln unvermeidbar, sagte der Vorsitzende der IG Innenstadt Magdeburg, Rolf Lay. Lay erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, die nun beschlossenen Regeln kämen nicht überraschend. Man kenne die Kontrollen, die nun auf Kundinnen und Kunden zukämen, bereits aus der Gastronomie oder vom Handball beim SC Magdeburg.

Zugleich äußerte sich Lay erleichtert, dass eine 2G+-Regel vorerst nicht beschlossen wurde. Sie hätte bedeutet, dass Geimpfte und Genesene nur dann Zutritt in einen Laden hätten, wenn sie zusätzlich getestet sind. "Das wäre ein richtiges Drama", sagte Lay. "Dann würden die Kunden wegbleiben, die Frequenz würde einbrechen und das für uns wichtige Weihnachtsgeschäft würde wieder nicht stattfinden." Mit 2G komme man zurecht und hoffe auf das Verständnis der Kundschaft, sagte Lay.

Umsatz wird zurückgehen

Der Manager des Rathaus-Centers in Dessau-Roßlau, Hans-Georg Bliesener, wies auf die zusätzlichen Aufgaben für die Beschäftigten in den Läden hin. Im Weihnachtsgeschäft seien sie ohnehin maximal in der Kundenbetreuung ausgelastet. Nun komme eine Aufgabe hinzu, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gelernt hätten. Bliesener zeigte sich aber pragmatisch: "Wenn das jetzt so beschlossen ist, dann ist das so beschlossen." Dass etwas passieren musste angesichts der aktuellen Infektionszahlen, ist aus seiner Sicht unstrittig.

Bliesener wies aber auf die Auswirkungen der neuen Regel hin. Er erwarte, dass ein Teil der Kundschaft wegbleibe. Das sei schon jetzt der Fall gewesen, bevor die Regeln beschlossen worden sind. "Wir haben ja eine irre Anzahl von vernünftigen Menschen in der Stadt", sagte er.

Knackpunkt der 2G-Regel im Einzelhandel wird neben den Einbußen beim Umsatz so oder so die Umsetzung bleiben. Das hatten bereits Beispiele aus anderen Bundesländern wie Sachsen oder Berlin gezeigt, in denen die 2G-Regel schon vor dem Beschluss gegolten hatte. Kleinere Geschäfte haben bereits ihre Sorge geäußert, weil sie nicht wissen, wie sie Kontrollen am Eingang umsetzen sollen. Der Magdeburger Buchhändler Wolfram Wahle sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe noch keine Idee, wie das in der Praxis funktionieren könne.

Handelsverband befürchtet massive Einbrüche beim Umsatz

Deutlich kritischer äußerte sich der Handelsverband Sachsen-Anhalt. Landesgeschäftsführer Knut Bernsen sagte, er fürchte massive Umsatzeinbrüche. Es sei mit einem Minus von bis zu 50 Prozent zu rechnen. Bernsen verwies auf ein Gutachten, das der Handelsverband HDE bei einer Rechtsanwaltskanzlei in Berlin in Auftrag gegeben hatte. Ergebnis: Eine flächendeckende Einführung von 2G verstoße in Teilen gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Der Staat hat dem Gutachten zufolge außerdem andere Möglichkeiten, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Der Handelsverband hatte sich zuletzt wiederholt massiv für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen.

Lob für die beschlossenen schärferen Regeln kam auch aus dem Burgenlandkreis. Der Landkreis hat – Stand Freitag – mit einem Wert von 1.061,4 die dritthöchste Inzidenz in Sachsen-Anhalt. Landrat Götz Ulrich (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag, in seinem Landkreis seien die Regeln dringend notwendig. Vieles habe er in seinem Landkreis schon im Vorfeld der Bund-Länder-Runde beschließen müssen. Ulrich sagte aber auch, er glaube nicht, dass die Regeln ausreichten, um die Impfquote ausreichend zu erhöhen. Der Landrat brachte eine allgemeine Impfpflicht ins Spiel.

Corona-Regeln in Sachsen-Anhalt ab Montag

Bund und Länder hatten sich am Donnerstag unter anderem darauf verständig, dass über die Einführung einer solchen allgemeinen Impfpflicht zeitnah im Deutschen Bundestag beraten werden soll. Die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Anschluss an die Beratung gesagt, sie halte die Einführung einer solchen Pflicht im Frühjahr 2022 für realistisch. Bereits im Vorfeld soll eine einrichtungsbezogene Imfpflicht unter anderem für Alten- und Pflegeheime kommen.

Beschlossen worden waren außerdem strenge Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte und eine allgemeine Maskenpflicht in den Schulen, unabhängig von der Klassenstufe. In Sachsen-Anhalt sollen die Regeln ab Montag, 6. Dezember, gelten. Die Staatskanzlei kündigte an, dass die Landesregierung diesen Freitag über eine neue Verordnung zur Eindämmung des Virus beraten wird.

MDR (André Plaul, André Damm, Marcel Knop-Schieback, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Dezember 2021 | 06:10 Uhr

25 Kommentare

JanoschausLE vor 42 Wochen

ElBuffo,
"Die werden alle sterben."
Natürlich werden wir alle, auch Sie, irgendwann sterben, nur, zur Zeit sind, zumindest bei den Corona-Patienten, in erster Linie die Ungeimpften.. Die "Soldaten ihres Glaubenskrieges".

JanoschausLE vor 42 Wochen

Der Einzelhandel hält sich an bestehende Gesetze und Verordnungen. Wollen Sie den Handel zu Gesetzesverstößen aufhetzen? Zu irgendwelchen "Aufständen" zu animieren? Nach dem Motto "verstoßt gegen bestehende Gesetze? Wollen konkret Sie dann für die Konsequenzen eintreten? Ich meine, 5000 € Bußgeld sind bei Verstößen kein Pappenstiel für Händler. Und, das hat nichts damit zu tun den Handel zu drangsalieren, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem anzugehen.
Aber wieder typische Propaganda von Rechten und Verquerdenkern.
Und, die Situation ist für den Einzelhandel schon schwierig genug. Mit Ihrer Propaganda, dem Aufhetzen, sorgen Sie offensichtlich es bewusst so wollen, dass der Einzelhandel auch für Geimpfte bald schließen soll. Nur, das bringt einem Kaufmann schon gar nichts.

JanoschausLE vor 42 Wochen

Marcel B,
hier noch die Quelle zum Beispiel Hildburghausen

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/corona-covid-intensivstation-geimpft-ungeimpft100.html

Ich gebe Ihnen Recht, dass einige KH's in der Fläche geschlossen wurden. Aber warum? In nicht von öffentlicher Hand getragenen KH's zählt vor allem die Wirtschaftlichkeit. Aber auch aus den Anstalten öffentlichen Rechts muss eine gewisse Wirtschaftlichkeit gegeben sein.
Lauterbach, er ist auch für mich kein Sympath, hatte sich Gesundheitsreform auch anders vorgestellt, konnte sich damals aber, auch teilweise parteiintern, nicht durchsetzen, auch nicht in der Regierung.Verfechter der Igel-Leistungen war er,das nehm ich auch übel.Aber,er warnte schon vor 15 Jahren "Eine Pandemie wird kommen, die Frage ist nicht ob,sondern wann".Und, dass man darauf vorbereitet sein muss. Offensichtlich war man vorbereitet."Erst" in der 4.Welle, nach Verlust von viel Personal,wird von triage gesprochen, in der Schweiz war es schon letzten Winter

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