Kreise, Land oder doch der Bund? So sollen kostenlose Coronatests wieder möglich werden

Angesichts rasant steigender Corona-Zahlen wünschen sich viele die Rückkehr der kostenlosen Tests. Die Landkreise können das nach eigenen Angaben nicht selbst finanzieren. Doch laut SPD-Gesundheitsministerin Grimm-Benne ist eine Lösung in Sicht. Mithilfe des Bundes könnte aus ihrer Sicht ein Fehler korrigiert werden.

Positiver Corona Schnelltest Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test der Firma Hotgen (Aldi)
Die Forderungen nach der Rückkehr kostenloser Coronaschnelltests werden lauter. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt wird weiter über die Rückkehr der kostenlosen Coronatests diskutiert. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) äußerte auf der Landespressekonferenz am Dienstag die Erwartung, dass der Bund die kostenlosen Tests demnächst wieder ermögliche. Nach ihrem Kenntnisstand sei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits dabei, einen Entwurf für eine neue Testverordnung zu schreiben. Grimm-Benne verwies in diesem Zusammenhang auf die aktuellen Zahlen: "Dass die Tests kostenpflichtig geworden sind, hat nicht zu einer Erhöhung der Impfquote geführt. Und dann muss man auch einfach den Fehler korrigieren und sagen: 'Dann muss wieder mehr getestet werden.' Und dann muss das kostenlos zur Verfügung gestellt werden."

Kostenpflichtige Tests für ungeimpfte Personen lehnte Grimm-Benne ab. Sie habe die Befürchtung, dass es dann eine noch größere Spaltung in der Gesellschaft gebe.

Landkreise fürchten hohe Kosten

Die Landkreise und kreisfreien Städte in Sachsen-Anhalt stehen einer Wiedereinführung kostenloser Corona-Schnelltests derweil skeptisch gegenüber. Das haben Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT ergeben. Demnach haben die neun Kreise bzw. Städte, die sich geäußert haben, vor allem Bedenken wegen der Kosten.

So teilte der Saalekreis mit, kostenlose Tests seien durch den Kreis keinesfalls finanzierbar. Es handele sich um eine freiwillige Aufgabe. Jeder habe auch jetzt noch die Möglichkeit, ein Impfangebot wahrzunehmen. Ähnlich äußerten sich der Landkreis Wittenberg und der Altmarkkreis Salzwedel. Die beiden Kreise verwiesen darauf, dass mobile Impfteams ihre Angebote ausgeweitet hätten.

Kreise verweisen an den Bund

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld teilte mit, die einseitige Einführung von kostenlosen oder kostengünstigen Corona-Tests auf Landkreisebene sei derzeit keine Option und auch nicht das "Hochfahren" der Testzentren. Der Burgenlandkreis verwies darauf, dass die Einführung der Kostenfreiheit von Testangeboten allein in der Zuständigkeit des Bundes liege. Kreise könnten davon nicht abweichen. Die Stadt Halle forderte klare Rahmenbedingungen zur Finanzierung. Im Landkreis Stendal und der Stadt Dessau-Roßlau gibt es nach Angaben der Pressestellen derzeit keine Überlegungen, wieder kostenlose Tests anzubieten.

Der Salzlandkreis verwies darauf, dass nach der derzeit gültigen Eindämmungsverordnung auch ein Antigen-Selbsttest vor Ort durchgeführt werden könne. Diese Selbsttests seien frei verkäuflich. Insofern gebe es durchaus Alternativen zu Teststationen.

Ähnlich äußerte sich am Dienstag das Gesundheitsministerium. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT hieß es, es genüge den Anforderungen, vor dem Betreten einer Einrichtung vor Ort "unter Aufsicht des jeweiligen Verantwortlichen oder einer von ihm beauftragten Person" einen Schnelltest selbst anzuwenden.

Vizepräsident der Ärztekammer: "Mit der Impfung wird Corona zum Schnupfen"

Der Vizepräsident der Ärztekammer in Sachsen-Anhalt, Thomas Dörrer, stellte sich auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT nicht eindeutig hinter die Forderungen zur Wiedereinführung der kostenlosen Corona-Tests. Der hallesche Hausarzt nannte es aber unverhältnismäßig, von Geimpften für die Tests Geld zu verlangen. Statistisch und epidemiologisch gesehen seien solche Tests bei Geimpften auch nicht nachvollziehbar. Bei Ungeimpften wie den Impfskeptikern sieht Dörre es anders. Sie seien wissentlich und willentlich in ihrer Situation: "Und warum soll jetzt die Allgemeinheit für die 30 Prozent, die sich hier weigern, dieses Angebot anzunehmen, dann auch die Tests bezahlen?"

Dörrer verwies auf die Impfung, die kostenfrei sei. Der Impfstoff sei hochwirksam und habe wenige Nebenwirkungen: "Ich als Geimpfter habe eine relativ niedrige Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, selbst wenn mir gegenüber ein Ungeimpfter sitzt. Und selbst wenn ich erkranke, habe ich eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es ein sehr milder Verlauf wird. Auf Deutsch gesagt: Mit der Impfung wird Corona zum Schnupfen – und damit nicht gefährlich!"

MDR/Christoph Dziedo, Marie Landes, Thomas Tasler, Simon Kremer, Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. November 2021 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Kritiker vor 2 Wochen

+... Auf Deutsch gesagt: Mit der Impfung wird Corona zum Schnupfen – und damit nicht gefährlich!"...+
Ein argumentative Unterschätzung!
+... Der Impfstoff sei hochwirksam und habe wenige Nebenwirkungen: "Ich als Geimpfter habe eine relativ niedrige Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, selbst wenn mir gegenüber ein Ungeimpfter sitzt. ...+
HOCHWIRKSAM??? Warum dann die Booster-Impfungen und schon ist der Vergleich mit einen Schnupfen wohl nur eine Verharmlosung in Erwartung das sich nun mehr impfen lassen würden! Weniger Nebenwirkungen und schwächerer Verlauf sind allein nicht die massgeblichsten Gründe, sondern Langzeitfolgen oder Menschen die genügend eigenen Abwehrstoffe im eigenen Körper produzieren werden sicherlich die Mehrzahl der Impfgegner darbieten. In wie weit könnte dann eine Impfung mehr schaden als nutzen???

Kritiker vor 2 Wochen

+...Der Salzlandkreis verwies darauf, dass nach der derzeit gültigen Eindämmungsverordnung auch ein Antigen-Selbsttest vor Ort durchgeführt werden könne. Diese Selbsttests seien frei verkäuflich. Insofern gebe es durchaus Alternativen zu Teststationen....+
Ist wohl nicht angekommen das =Selbsttest= im Handel durchaus erhältlich keine zuverlässige Quelle sei, was seit Anfang der Pandemie immer ausgeführt wurde. Das Test kostenpflichtig wurden war ein Fehler. Wo weniger Bürger sich diese Kosten leisten, kann auch zur Steigerung der Infektionszahlen mit beitragen.

Solidarität ist keine Einbahnstrasse.
+... Bei Ungeimpften wie den Impfskeptikern sieht Dörre es anders. Sie seien wissentlich und willentlich in ihrer Situation: "Und warum soll jetzt die Allgemeinheit für die 30 Prozent, die sich hier weigern, dieses Angebot anzunehmen, dann auch die Tests bezahlen?"...+
Dann biete man doch die Test auch im Handel an!!!
Falsch ist es das von Geimpften KEINE GEFAHR der Ansteckung ausgeht.

MD106 vor 2 Wochen

Sehr guter Vorschlag...da gehe ich sofort mit.Warum sollen für Impfverweigerer kostenfreie Coronatests zur Verfügung gestellt werden.Sie hatten die Wahl und müssen dann auch mit den Konsequenzen leben.Man kann keine Rücksicht mehr auf ein paar Idioten nehmen die sich die absurdesten Theorien Zusammenspinnen was der Impfung betrifft.Schluss,aus und vorbei,jetzt müssen harte Gegenmaßnahmen ergriffen werden...sonst nimmt das nie ein Ende.

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