Streit um Auszubildende Dachdecker aus Niedersachsen wollen Azubis aus Sachsen-Anhalt ausbilden

Der Verband des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen weist die Kritik zurück, keine Azubis aus Sachsen-Anhalt mehr auszubilden. Das Gegenteil sei der Fall. In dem Streit geht es auch um nicht abgegriffenes Fördergeld.

Dachdeckerarbeiten an einem Mehrfamilienhaus
Dachdecker-Azubis aus Sachsen-Anhalt werden nicht im eigenen Bundesland ausgebildet. Bildrechte: imago/Eckhard Stengel

Im Streit um die Ausbildung von Dachdeckern aus Sachsen-Anhalt hat der Landesinnungsverband Niedersachsen-Bremen Vorwürfe zurückgewiesen, er bilde keine Azubis aus Sachsen-Anhalt mehr aus. Hauptgeschäftsführer Frank Biermann teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, "selbstverständlich" halte das Ausbildungszentrum im niedersächsischen Harzort St. Andreasberg an seinen vertraglichen Verpflichtungen fest. Der Verband verwies auf eine vereinbarte Nutzung der Ausbildungshalle im Harz, die inzwischen bis zum Jahr 2032 gelte.

Sachsen-Anhalt ohne eigenes Ausbildungszentrum

Hintergrund des Streits ist, dass es in Sachsen-Anhalt keine eigene Schule für die Ausbildung von Dachdeckern gibt. Seit 1993 kooperiert der sachsen-anhaltische Landesverband deshalb mit dem aus Niedersachsen-Bremen.

Allerdings werden seit einigen Jahren auch Azubis aus Sachsen-Anhalt in Thüringen ausgebildet. Nach Angaben der dortigen Dachdeckerschule in Lehesten waren es seit 2016 mehr als 130. Die Dachdeckerschule in Lehesten hatte zuletzt bei MDR SACHSEN-ANHALT kritisiert, Betriebe müssten die Ausbildung dort selbst zahlen, weil die Schule in Niedersachsen Fördergeld nicht abrufe, das wiederum für die in Thüringen lernenden Azubis fehle.

Wer bekommt die Fördermittel für die Azubis aus Sachsen-Anhalt?

Hintergrund: Die Fördermittel von 7.000 Euro pro Azubi können nur von Schulen aus Niedersachsen abgegriffen werden. Für Azubis, die in Thüringen ausgebildet werden, müssen die Betriebe selbst aufkommen. Das mache mittlerweile bereits mehr als 900.000 Euro an nicht ausgezahlten Landes- und Bundesmitteln aus, so Danny Schröder, Geschäftsführer der Dachdeckerschule in Thüringen. Er wirft den Niedersachsen vor, Fördermittel verfallen zu lassen, statt sie nach Thüringen weiterzuleiten.

Frank Biermann vom Landesinnungsverband Niedersachsen-Bremen weist aber auch das zurück. Er sagte, von einer Weigerung der "Freigabe" könne keine Rede sein. Aufgrund vertraglicher Vereinbarungen und weil die Fördermittel zweckgebunden seien, könne man sie nicht einfach weitergeben. Andernfalls könnte Fördergeld künftig komplett entfallen.

Kein Verständnis für Ausbildung in Thüringen

Dass überhaupt Azubis in Thüringen ausgebildet werden, kann man im niedersächsischen St. Andreasberg nach eigenen Angaben nicht verstehen. Sachsen-Anhalts Landesverband habe vor einigen Jahren einige seiner Betriebe aufgefordert, ihre Lehrlinge nach Thüringen zu schicken – ohne dies mit der Schule in Niedersachsen abgesprochen zu haben. Dennoch lassen nach Angaben von Biermann rund die Hälfte der Betriebe in Sachsen-Anhalt noch immer ihre Azubis im niedersächsischen Harzort ausbilden.

Anmerkung der Redaktion: Für einen ersten Bericht zum Thema hatte MDR SACHSEN-ANHALT nicht die Stellungnahme der niedersächsischen Schule abgewartet. Die Redaktion bittet, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: MDR/Max Schörm, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Juli 2021 | 15:40 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt