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Dackel, Mops und Co im VisierNeues Tierschutzgesetz: Qualzuchtparagraph beunruhigt Züchter

17. Juni 2024, 07:24 Uhr

Der Dackel ist ein beliebter Familien- und Jagdhund. Doch seine kurzen Beine bringen häufig Rückenprobleme für die Hunde mit sich. Das neue Tierschutzgesetz zählt das als Qualzuchtmerkmal auf. Doch Angst vorm Dackel-Aus ist unbegründet.

Dackel sind gezüchtet für die Jagd

Die Nase am Boden, die Leine straff gespannt: Waldfee und Zeder ziehen heftig, wenn es in den Wald geht. Überall so spannende Gerüche. Für die beiden Rauhhaardackel-Damen ist das aufregend, denn sie sind darauf trainiert, Wild aufzuspüren. Ihre Halterin Angela Kummert ist studierte Försterin und Jägerin. Ihre Dackel helfen ihr, verletzte Tiere aufzuspüren.

"Der Dackel wurde speziell für die Bodenjagd gezüchtet", verrät die Flechtingerin. "Hunde mit hohen Läufen können diese Aufgabe gar nicht verrichten." Der Dackel schlägt sich durch Brombeerbüsche und unter umgestürzten Bäumen hindurch. Er kommt hin, wo für andere Schluss ist. Sogar in Dachs- oder Fuchsbaue kann der Dackel eindringen, daher kommt auch sein Name: Dachshund, Dackel oder – im Jägerdeutsch – Teckel.

Der Dackel ist klein und handlich – vor allem aber ein Jagdhund. Bildrechte: Annette Schneider-Solis

Kurze Beine, langer Rücken – Problemhund Dackel

Seit dem Mittelalter wird der Dackel gezüchtet. Ein Defekt wurde zum gewollten Merkmal: die kurzen Beine. Damit einher gehen Knorpelschäden und der verhältnismäßig lange Rücken. Der wiederum führt zu Rückenproblemen, Bandscheibenvorfällen bis hin zu Lähmung – der sogenannten Dackellähme. "Betroffene Tiere erfahren Schmerzen und Leid", weiß Landestierschutzbeauftragter Dr. Marco König.

Betroffene Tiere erfahren Schmerzen und Leid.

Dr. Marco König | Landestierschutzbeauftragter

Der Tierarzt beschreibt das Problem: Weil ein Defekt gezielt genutzt wird, um ein Rassemerkmal zu züchten, treten ungewollte Nebeneffekte auf. Neben dem langen Rücken beim Dackel können das auch Farbschläge sein. Nebeneffekte dieser Zucht können vermehrt zu Taub- oder Blindheit führen oder kurze Nasen, die mit Atemnot einhergehen. Solche Qualzuchten gibt es bei Hunden, Katzen, Amphibien oder auch bei auf Leistung getrimmten Tieren in der Landwirtschaft. Besonders schlimm: Nur weil dem Menschen etwas schön erscheint, müssen Tiere teils ihr Leben lang leiden.

Kurze Beine, langer Rücken: Das kann zu Bandscheibenvorfällen und Lähmung führen. Bildrechte: Annette Schneider-Solis

Qual: Ja oder Nein?

Angela Kummert ist Mitglied im Deutschen Teckelklub 1888 und züchtet selbst seit Jahren. Dass der Dackel eine Qualzucht sein soll, weist sie energisch zurück. "Ich führe bei meinen Welpen genau Buch, welche Krankheiten sie im Laufe des Lebens erleiden", erzählt sie. "Rückenprobleme haben weniger als 3 Prozent meiner Hunde. Mit den Haltern stehe ich auch nach dem Verkauf in Kontakt. Eine Qualzucht liegt für mich erst dann vor, wenn alle Tiere einer Rasse ein Leben lang unter demselben Problem leiden."

Rückenprobleme haben weniger als 3 Prozent meiner Hunde.

Angela Kummert | Dackelzüchterin

Dr. Marco König sieht das anders: "Es geht immer um einzelne Individuen, nicht um die Verbannung von Rassen. Auch wenn ein unterschiedlich großer Anteil von Tieren von erblich bedingten Problemen betroffen ist, und unter Schmerzen oder Qualen leidet, sprechen wir von Qualzucht."

Die Konsequenz: strenge Auswahl bei der Zucht

Qualzuchten sind auch schon im derzeit noch geltenden Tierschutzgesetz aufgeführt. Die Konsequenz: Mit Tieren, bei denen man damit rechnen muss, dass sie ihre Defekte vererben und deren Nachkommen an Schmerzen leiden, darf nicht gezüchtet werden. Das war schon immer so und Angela Kummert versichert, dass im Deutschen Teckelklub 1888 solche Tiere von der Zucht ausgeschlossen werden. Da das aber offenbar nicht die gezielte Wirkung gezeigt hat, werden nun Eigenschaften aufgeführt, die als Qualzuchtmerkmale gelten. Dazu gehören Atemnot, Bewegungsanomalien, Taub- oder Blindheit, Haarlosigkeit oder eben Lahmheit.

Züchterin Angela Kummert achtet darauf, dass Elterntiere keine schädlichen Eigenschaften vererben. Bildrechte: Annette Schneider-Solis

Kein Aus für den Dackel

Dass Dackel, Mops oder Französische Bulldogge aussterben, bezeichnet Marco König als Panikmache. "Es bedeutet nur, dass einzelne Tiere eben nicht zur Zucht verwendet werden dürfen – mit dem Ziel, dass man die Defekte wieder herauszüchtet. Verboten wird der Dackel nicht." Wer eine hohe Gewissheit haben will, dass sein Tier gesund ist und sich nicht quält, sollte bei einem Züchter kaufen, der in einem Verband organisiert ist.

Verboten wird der Dackel nicht.

Dr. Marco König | Landestierschutzbeauftragter

Von Wühltisch-, Kofferraum- oder Internetwelpen rät Marco König dringend ab. "Hier geht es nicht um Tierwohl, sondern um die Erfüllung von Wünschen des Marktes und um Geld." Dem kann Angela Kummert nur zustimmen: Sie verkauft ihre Welpen nur an Menschen, die sie persönlich kennt. Die Verbindung bleibt auch danach ein Hundeleben lang bestehen.

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MDR (Annette Schneider-Solis, Jan Schmieg)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | 30. März 2024 | 07:00 Uhr