Seltene Film-Aufnahmen im Internet 84-jähriger Zerbster ist der älteste Youtuber des Landes

Porträtaufnahme von MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Jana Müller
Bildrechte: Jana Müller

Youtube-Stars gibt es in Deutschland einige. Ein paar von ihnen verdienen mit ihren Filmen im Internet sogar ordentlich Geld. Das kann man über Bernd Maywald aus Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zwar nicht sagen – eine kleine Berühmtheit ist er aber trotzdem. Denn mit seinen 84 Jahren ist Bernd Maywald einer der ältesten Youtuber im Land.

Ein Alter Mann mit Brille im karierten Hemd sitzt vor einem Schreibtisch. Darauf stehen drei Bildschirme, zwei Tastaturen und ein Videorecorder. Im Regal dahinter weiteres technsiches Zubehör.
Hier produziert Bernd Maywald seine Videos für YouTube. Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Bernd Maywald ist ein Original. Sein Leben verlief "konsequent zickzack geradeaus", sagt der gebürtige Berliner, der einst Maschinenbau studierte, dann aber lieber Fernsehregisseur wurde, Liedtexte für Rockbands schrieb, zwischendurch eine Windmühle kaufte, ein Buch darüber schrieb und überhaupt immer nur das tat, was er wollte. Und irgendwann wollte er eben Filme auf Youtube veröffentlichen.

Konrad Adenauer war mit 84 Bundeskanzler. Warum soll ich als 84-Jähriger nicht Youtuber sein?

"Die Filme lagen hier rum, und ich dachte, vielleicht guckt sich das ja mal jemand an. Zumindest die ältere Generation, die mit dieser Machart noch vertraut ist und früher selbst gefilmt hat." Also eröffnete Bernd Maywald Ende 2014 seinen eigenen Youtube-Kanal. Und schon sein erster Film – ein Reisefilm – war ein voller Erfolg.

"Albanien 1960, das war eine Jugendtourist-Reise. Für 670 DDR-Mark konnte man damals 14 Tage Urlaub in Albanien machen, inklusive Charter-Flug, Verpflegung und Taschengeld. Heute unvorstellbar. Das war zwar eine Gruppenreise, aber man konnte sich von der Gruppe entfernen. Und ich bin dann getrampt, war auf Achse. Die Diktatur, die da sein sollte, von der habe ich nichts gemerkt. Ich wurde überall freundlich aufgenommen, und die Kamera war immer dabei."

Einmaliges Filmmaterial

Und so drehte Maywald einen Film, der mehr als 50 Jahre später einige Bekanntheit erlangen sollte. "Ich konnte ja nicht ahnen, dass es aus der Zeit, als wir dort waren, keinerlei dokumentarisches Material über Albanien gab." Doch genauso war es, und in den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Kunde von den historischen Filmaufnahmen des Balkan-Landes schnell. Eine Zeit lang bekam das Video auf Youtube täglich 5.000 Klicks, mehr als 70.000 Aufrufe hat der Film insgesamt.

Mittlerweile haben alle Albaner den Film gesehen.

Natürlich flachte das Interesse irgendwann wieder ab. Bernd Maywald aber hatte das Youtube-Fieber gepackt – und nicht mehr losgelassen. Mittlerweile hat der 84-Jährige knapp 30 Filme veröffentlich, einige nur wenige Minuten, einer eine ganze Stunde lang. Besonders faszinierend sind die alten Bilder vom Acht-Millimeter-Film, aufgenommen mit Maywalds erster Kamera.

"Die hat mir mein Vater zum Abitur geschenkt, eine Pentacon AK 8 aus Dresden. Die läuft heute noch. Das ist eine Federwerk-Kamera. Die geht nicht kaputt, die braucht keine Batterie und nichts. Und da sie aus einer Gegend kam, wo die Optik Tradition hatte, war sie auch gut – und ist immer noch gut. Aber heute braucht man sie nicht mehr, Acht-Millimeter-Filme dreht ja keiner mehr."

Vom Acht-Millimeter-Film zum digitalen Video

Auch Bernd Maywald ist über die Jahre auf andere Kameras umgestiegen, drehte zum Schluss auch digital. Und dann hat sich der einstige Regisseur auch den Filmschnitt am Computer selbst beigebracht: "Am Anfang war das gar nicht so einfach. Aber mittlerweile kenne ich alle Tricks beim Schnittprogramm."

Ein Computerbildschirm mit geöffnetem Video-Schnittprogramm. Davor liegen einige 8-Milimeter-Filmrollen.
Modernes Schnittprogramm trifft Videorecorder und alte Filmrollen Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Mit 84 Jahren noch im Internet unterwegs zu sein und Filme zu veröffentlichen, mögen andere mutig finden. Doch für Bernd Maywald war das Alter nie ein Grund, sich von Neuem abhalten zu lassen. "Wenn andere sich Dinge nicht trauen, ist das ihr Problem. Eins hat mir mein Leben jedenfalls gezeigt: Ohne ein gewisses Risiko einzugehen, hat man keinen Erfolg. Egal, was man tut: Erfolg gibt es nicht geschenkt."

Und apropos Erfolg: Dass kein anderer seiner Filme so erfolgreich wurde wie "Albanien 1960" stört Bernd Maywald nicht. Für ihn ist das Filmemachen eine Leidenschaft, die er einfach nicht lassen kann.

Ein Maler hört frühestens auf zu malen, wenn er stirbt. Ein Film-Mensch hört auch nicht eher auf.

Bernd Maywald wird also auch weiterhin an seinem Schreibtisch sitzen und auf seine die drei Bildschirme blickend Filme für seinen Video-Kanal produzieren. Ein bisschen Material hat er noch – der älteste Youtuber Anhalts.

MDR/Jana Müller

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Juni 2021 | 13:10 Uhr

1 Kommentar

DanielSBK vor 13 Wochen

Deutschland ... alt, älter am ältesten ...

Wenn die kleine Ihren Opi fragt: "...Opi, wann bist du geboren".. Und Opa antwortet "80"...

"1800"
oder
"1900"

fragt die Kleine wieder...

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