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Hilfe nach Vorbild des THW? Sachsen-Anhalt ist offen für die Einrichtung eines "Cyberhilfswerks". (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Vorbild THW?Hilfe im Krisenfall: Sachsen-Anhalt offen für "Cyberhilfswerk"

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 28. Dezember 2021, 19:00 Uhr

Bei Überschwemmungen, Unfällen oder Erdrutschen ist das Technische Hilfswerk seit Jahren schnell zur Stelle. Bei Katastrophen, die aus dem digitalen Raum auf die echte Welt übergreifen, könnte nun eine neue Organisation entstehen: ein Cyberhilfswerk. Sachsen-Anhalt könnte nun das erste Bundesland sein, das so etwas etabliert.

Der Name soll an eine etablierte Organisation erinnern: das Technische Hilfswerk (THW). Genau wie beim THW sollen die ehrenamtlichen Helfer des Cyberhilfswerks – des CHW – bei einem digitalen Katastrophenfall unterstützen. Das ist die Idee der AG KRITIS, einem Zusammenschluss von etwa 40 IT-Sicherheitsexperten. Und es ist eine Idee, die sich Bernd Schlömer, Staatssekretär in Sachsen-Anhalts Digitalministerium, für Sachsen-Anhalt wünscht.

"Ich finde die Idee eines Cyberhilfswerks richtig prima", sagte Schlömer dem MDR. "Wir kennen ja Menschen, die sich bei einer Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Und auch für die digitale Welt bietet es sich an, dass man zivilgesellschaftliches Engagement zielführend einsetzt."

Austausch für mehr Expertise

Es gebe zwar viele IT-Sicherheitsexperten in der Verwaltung, aber ein Austausch würde zu mehr Expertise führen, glaubt Schlömer. Damit Sachsen-Anhalt ein CHW bekommt, müsste geklärt werden, wer genau helfen dürfe. "Wissenschaftler, die an den Hochschulen, Universitäten in Sachsen-Anhalt arbeiten, wären eine Gruppe, die für ein solches bürgerschaftliches Engagement in Frage käme, aber auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen IT Security-Firmen. Das wäre eine potenzielle Gruppe."

Sie müssten – unterstützt von Verwaltungsmitarbeitern – hoheitliche Aufgaben wahrnehmen dürfen. Vielleicht wäre damit ein Fall wie Anhalt-Bitterfeld schneller erledigt gewesen. Im Juli hatten dort IT-Kriminelle sämtliche Rechner verschlüsselt, der Landkreis hatte den Katastrophenfall ausgerufen und unter anderem Hilfe von Bundeswehr erhalten. Noch immer ist nicht alles zu 100 Prozent arbeitsfähig.

Anhalt-Bitterfeld: Hilfswerk wäre gut gewesen

Sabine Griebsch ist Chief Digital Officer in Anhalt-Bitterfeld und hatte im Katastrophenfall die technische Einsatzleitung übernommen. Sie sagt: Ja, ein CHW hätte geholfen. "Eine Art Cyberhilfswerk wäre hilfreich gewesen. In den ersten Tagen waren viele Akteure vor Ort, die teilweise nur Tage oder Stunden geblieben sind. Dadurch mussten die wenigen zur Verfügung stehenden Mitarbeiter die immer gleichen Informationen an immer wieder neue Akteure weitergeben", sagt Griebsch.

Bestimmte Abläufe wären klarer gewesen, der Fall hätte wohl schneller und konzentrierter abgearbeitet werden können. Griebsch begrüßt ein Cyberhilfswerk. Genauso wie die Ideengeber von der AG KRITIS, die sich dazu jetzt mit Sachsen-Anhalt berät.

Manuel Atug von der AG KRITIS sagt: "Eventuell wird das sogar eine schöne Blaupause für die anderen Bundesländer oder sogar den Bund. So dass bald ganz Deutschland von einem CHW profitieren könnte. Alle, die ehrenamtlich helfen möchten, können das zum Schutz kritischer Infrastrukturen auch realisieren. Das wäre großartig."

Atug geht es neben IT-Sicherheitsvorfällen in Verwaltungen auch um Hilfe, wenn zum Beispiel die Strom-, Wasser-, Abwasser-Versorgung oder Krankenhäuser nach einem digitalen Angriff ausfallen.

Digitalministerium prüft die Idee

Sachsen-Anhalts Digitalministerium prüft nun, wie sich ein Cyberhilfswerk einrichten lässt. Es wäre die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Eine Voraussetzung: Ein CHW soll keine Tätigkeiten übernehmen, die auch Firmen erledigen könnten. Und die zweite Voraussetzung: Das Innenministerium des Landes muss als oberste Katastrophenschutzbehörde den CHW-Plänen zustimmen.

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MDR (Marcel Roth, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2021 | 07:10 Uhr

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