Polizei ermittelt Zerbst: Gewaltandrohungen wegen Fake-News über mutmaßlichen Impftoten

Eine falsche Behauptung über einen angeblich durch eine Corona-Impfung gestorbenen Schüler in Zerbst hat sich so verselbstständigt, dass es Gewaltandrohungen gegeben hat und nun die Polizei ermittelt. Dabei gab es keinen Toten.

Blick auf das Rathaus in Zerbst.
Im Rathaus in Zerbst wurde nach dem Zwischenfall recherchiert. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Welche Folgen Falschmeldungen in sozialen Medien haben können, zeigt aktuell ein Fall in Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dort ermittelt jetzt die Polizei wegen der Androhung von Straftaten. Unbekannte hatten in sozialen Netzwerken behauptet, dass ein 13 Jahre alter Schüler an den Folgen einer Corona-Schutzimpfung gestorben sei. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) zeigte sich im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT erschüttert.

Die Falschmeldung aus Zerbst hatte sich schnell verbreitet. Die AfD thematisierte den Fall auf der Kreistagssitzung in der vergangenen Woche. Insgesamt schaukelte sich die Situation so hoch, dass am Ende der vergangenen Woche Unbekannte im Internet gegen eine Ganztagsschule Gewalttaten androhten. Das Gerücht: Der Junge sei zwangsgeimpft worden und dabei zu Tode gekommen. Bürgermeister Dittmann sagte: "Es war ein ernstzunehmendes Polizeiaufgebot, weil die Bedrohung von der Polizei und der Schulleitung ernstgenommen wurde."

Auch Bürgermeister recherchierte

Auch der Bürgermeister hat reagiert und recherchiert. Er hat im Standesamt und auch im Einwohnermeldeamt nach Todesmeldungen gefragt. Und er hat auch mit allen Schulen in Zerbst gesprochen. Dort fragte er vor allem nach einer Schweigeminute für das mutmaßliche Opfer, die es laut dem Gerücht gegeben haben soll. Aber weder dort noch bei der Polizei und im Krankenhaus gab es Hinweise auf einen toten Schüler.

Der Bürgermeister hat daraufhin ebenfalls im Internet einen flammenden Appell verfasst und die Geschichte klargestellt. Dittmann schreibt in seinem Post von einer perfiden Form der Volksverhetzung, den angeblichen Tod eines Kindes zu instrumentalisieren, um Ängste zu schüren. Das sei erbärmlich.

Dadurch geriet das Stadtoberhaupt selber in den Fokus von Corona-Kritikern und Impfgegnern. Deren Protest-Spaziergang führte am Montagabend am Haus des Bürgermeisters vorbei. Dittmann hat für seinen Post aber auch viel Zustimmung bekommen. Er hofft jetzt, dass die Zivilgesellschaft nicht mehr so einfach auf Fake-News hereinfällt. Parallel hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Sie sucht die Verfasser der Drohungen gegen die Schule.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 15. Dezember 2021 | 08:40 Uhr

55 Kommentare

Anita L. vor 23 Wochen

Genau darum geht es aber hier: Nicht so einfach einer Nachricht vertrauen, sondern sie vorher auf ihren Gehalt zu prüfen. Und wer da in seiner begrenzten Filterblase hängenbleibt, zeigt eben keine Medienkompetenz. Das mag eine Erklärung für das Entstehen von Vorurteilen sein, aber es ist ganz gewiss keine Entschuldigung im Sinne von "das sagt sich so einfach." Denn genau darauf spekulieren Menschen, die solche Falschnachrichten in die Welt setzen.

Anita L. vor 23 Wochen

"Wenn ich einem Kind ein Märchen erzähle, macht mich das dann zum Straftäterin? Wie ist das bei Märchen für Erwachsene oder gar Scince Fiction? Ist GZSZ schon strafbar? Dort wird den Zuschauern eine Welt vorgegaukelt in der es jeder Schulabrecher zum erfolgreichen Galerieinhaber oder Boutiquebetreiber schafft."

GZSZ oder ein einem Kind vorgelesene Märchen haben bisher noch zu keinen Drohungen gegen Dritte geführt, die Falschmeldung über ein angeblich zwangsgeimpftes und daran gestorbenes Kind schon. Die Schule wurde außerdem zu Unrecht einer Straftat beschuldigt, wodurch ihr Ruf geschädigt wurde, auch dies ist eine Folge, die eine GZSZ oder ein Märchen nicht hat. Und schließlich sind Märchen und Soapopera eindeutig der Fiktion zuordnenbar, die Meldung über die Zwangsimpfung jedoch als eine reale Begebenheit dargestellt. Ich denke nicht, dass diese Tatsachen so einfach eingeordnet werden können, Harka2, und ich verstehe Gernots Argumentation.

Lavendel vor 23 Wochen

@Harka2

Seit wann ist der Nazikollege auf der Arbeit denn eine seriöse Quelle wenn er über Flüchtlinge her zieht?

Seit wann ist der Impfverweigerer auf Arbeit eine seriöse Quelle wenn es um Informationen zum Thema Impfen geht?

Seit wann ist der Chef eine seriöse Quelle, wenn er plötzlich Fachmann für völlig neue Fachgebiete ist?

Man kann auch einfach mal sein Hirn einschalten und schweigen, wenn man zu einem Thema nicht kompetent ist.

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