Schwierige Situation Das Leid rund um die Osterlämmer

Zu Ostern gehört das Osterlamm. Das ist eine Tradition, die den Schäfern gerade so das Überleben sichert. Aktuell gibt es nur noch 50 Schäfer im Land, die ausschließlich Schaftzucht betreiben.

Drei Lämmer liegen in einem Stall auf Stroh.
Osterlämmer aufzuziehen ist finanziell nicht immer lukrativ. In Sachsen-Anhalt gibt es nur noch 50 Schäfer, die ausschließlich Schafzucht betreiben. Bildrechte: MDR / Stephan Schulz

In Sachsen-Anhalts Schafställen werden derzeit täglich neue Lämmer geboren, denn kurz vor Ostern ist traditionell Lämmerzeit. Die Neuankömmlinge sehen niedlich aus, sie scheinen zum Knuddeln wie gemacht zu sein. Aber die Osterlämmer sind für Schäfer vor allem ein Wirtschaftsfaktor. Sie garantieren ihnen das finanzielle Überleben.

Schäfer aus Leidenschaft

Es sieht romantisch aus, wenn Rainer Frischbier aus Pakendorf seine Schafe auf die Weide treibt. Er trägt noch den klassischen Schäferhut und den Hirtenstab. Seine Schafe trotten ihm hinterher, zwei Hütehunde sorgen dafür, dass keines der Tiere ausbüxt.

Ich habe Hütehunde, ich ziehe auch noch durch die Gegend, aber die Zeit, jeden Tag acht Stunden, wie ich das früher mal gelernt habe, bei meinen Schafen zu stehen, das geht nicht mehr.

Rainer Frischbier Schäfer

Ein Mann in Schäferklamotten und mit Hut auf geht mit einem Stock vor einer Schafherde her auf einer Wiese. Vorne weg rennen auch zwei Hunde.
Rainer Frischbier treibt auf seiner Weide die Schafe. Sein Berufsbild, dass er immer mit auf der Weide steht, hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Bildrechte: MDR / Stephan Schulz

Der Schäferberuf hat viel von seiner Romantik eingebüßt, sagt Rainer Frischbier. Wirtschaftliche Zwänge erlauben es ihm nicht, ständig bei seinen Tieren auf der Weide zu sein. Er müsse Kunden beliefern, Schafe zum Scheren bringen oder als Geburtshelfer einspringen – gerade in diesen Tagen, in denen die Osterlämmer geboren werden.

Wirtschaftlich schwere Situation

Ein Mann in Schäferklamotten und mit Hut hält ein Lamm in den Armen und grinst. Er sitzt auf einem Holzpfosten in einem Stall. Hinter ihm sind viele Lämmer zu sehen.
Mario Wehlitz mit einem seiner Lämmer. Die Arbeit als Schäfer ist nach seiner Aussage unter dem Mindestlohn und eher den Tieren zu Liebe. Bildrechte: MDR / Stephan Schulz

Auch Mario Wehlitz, der im Nachbardorf Bramberg Schafe züchtet, ist ständig im Stress. Ein Schäfer, sagt er, steht 365 Tage im Jahr im Stall – selbst wenn er krank ist – und arbeitet oft bis tief in die Nacht. Und das für einen Verdienst, für den andere keinen Handschlag machen würden. "Wir arbeiten unter dem Mindestlohn. Wir machen das aus Liebe zu den Tieren, weil wir sie aufwachsen sehen", erklärt Wehlitz. Die Schäfer hätten eine Verbindung zu ihnen und der Natur. "Wir gucken in dem Moment nicht nur aufs Geld. Aber leider müssen wir auch aufs Geld gucken für die Zukunft, weil wir müssen unsere Existenzen ja bezahlen", meint er.

Wenn der Preis steigt, steigen auch die Kosten

Einige Lämmer stehen in einen Stall und gucken in die Kamera.
Die Schäfer der Schafe und Osterlämmer bekommen am Ende laut Wehlitz am wenigsten vom Kuchen ab. Bildrechte: MDR / Stephan Schulz

Wehlitz ist der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Sachsen-Anhalt. 50 Schäfer gebe es noch im Land, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit der Schafzucht bestreiten, erzählt er. Weitere 150 Verbandsmitglieder würden die Schafzucht nur nebenbei betreiben.
In den zurückliegenden Jahren war auch das Geschäft mit den Osterlämmern rückläufig, in diesem Jahr gebe es erstmals wieder annehmbare Preise.

In diesem Jahr ist der Preis ganz gut, das ist natürlich auch Verhandlungsbasis. Wie eben die freie Marktwirtschaft ist. So im Schnitt lag er jetzt bei drei Euro pro Kilo. Mal höher, mal tiefer.

Mario Wehlitz Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Sachsen-Anhalt

Er wisse, dass er als Züchter das wenigste Geld von allen bekommt. Im Laden könne ein Kilo Lammkottlett schon mal 20 Euro und mehr kosten. "Das ist ja wie bei der Milch, der Erzeuger bekommt meistens das Wenigste", meint Wehlitz. Die Schäfer könnten nur froh sein, dass die Preise im Moment recht gut sind. Aber das Hauptproblem sei, dass die anderen Kosten gleichzeitig mitsteigen: " Ich bekomme jetzt zwar mehr für meine Lämmer – aber eigentlich bleibt nicht mehr übrig als sonst." Strom, Diesel, Futter, alles wird teuer, sagen die beiden Schäfer. Und trotzdem machen sie unbeirrt weiter mit der Zucht von Schafen und Osterlämmern.

MDR, Stephan Schulz, Kevin Poweska

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28. März 2021 | 11:10 Uhr

16 Kommentare

Denkschnecke vor 5 Wochen

Das Klima und die Welt gehen nicht an Oster- und Pessachlämmern zugrunde, sondern an einer Nation, die einen ganzen Sommer durchgrillt und dafür nicht bereit ist, mehr als 7 Euro für das Kilo Schnitzel auszugeben.

Saxe vor 5 Wochen

"Die "ganze Welt" faselt etwas von Klimakatastrophe, aber Lamm aus Neuseeland ist toll!"
Entschuldigung: SIE möchten nicht auf Lamm verzichten und würden deshalb zu inmportiertem Fleisch greifen. SIE haben es in der Hand zu sagen: "Ok, wenn es das hier nicht gibt, esse ich es halt nicht."
Also hören Sie bitte auf dem Handel die Schuld an Dingen zu geben, die SIE in der Hand haben.

Saxe vor 5 Wochen

Nun in Zeit zwischen Entstehung des 2. Mose und dem heute haben sich vielleicht einige Dinge und Werte geändert.
Der Welt wäre geholfen, wenn die Menschen generell weniger Fleisch konsumieren würden.

Mehr aus Anhalt, Dessau-Roßlau und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt