Störung der Totenruhe Staatsschutz ermittelt wegen beschädigter jüdischer Gräber in Köthen

Auf einem Friedhof in Köthen sind mehrere jüdische und katholische Gräber beschädigt worden. Dabei ist ein Schaden mindestens 10.000 Euro entstanden. Nun ermittelt der Staatsschutz wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung.

Beschädigte Gräber Köthen
Auf einem Friedhof in Köthen sind jüdische und katholische Gräber beschädigt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der Beschädigung von jüdischen und katholischen Gräbern in Köthen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ermittelt nun der Polizeiliche Staatsschutz wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung. Das teilte die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau am Dienstag mit.

Grabsteine umgestoßen

Beschädigte Gräber Köthen
Umgestoßene Grabsteine auf dem Friedhof in Köthen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unbekannte hatten auf dem jüdischen und katholischen Teil des Städtischen Friedhofs in Köthen Gräber beschädigt. Der Vorfall sei bereits vergangene Woche polizeilich bekannt geworden. Die Gräber sind demnach vorrangig durch das Umstoßen der Grabsteine beschädigt worden. Auf dem katholischen Friedhof seien vier Grabstätten betroffen, auf dem jüdischen Teil 16. Auch ein Baum wurde zerstört.

Große Betroffenheit in Köthen

Friedhofsleiter Christian Schäfer spricht von einer Schändung des Friedhofs. "Es ist unerträglich aus Sicht des Friedhofes, der Hinterbliebenen und der Friedhofsbesucher", sagte er. "Wir repräsentieren eine gewisse Ruhe und ein gewisses Andenken an die Toten. Wenn jemand mutwillig Sachen zerstört, ist das nicht akzeptabel."

Ein Mann auf einem Friedhof
Friedhofsleiter Christian Schäfer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Besucherinnen und Besucher auf dem Friedhof sind betroffen und äußerten Unverständnis für die Zerstörung, zumal es nicht der erste Vorfall dieser Art ist. Auf dem Friedhof wurden bereits wiederholt jüdische Gräber geschändet, zuletzt 2015.

Der Schaden an den sehr alten Gräbern werde auf mehr als 10.000 Euro geschätzt, hieß es. Die Polizei geht davon aus, dass die Taten bereits Anfang oder Mitte Mai verübt wurden. Die Ermittler suchen Zeuginnen und Zeugen, die Hinweise zu möglichen Verdächtigen geben können oder die Tat beobachtet haben.

epd, MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 27. Mai 2022 | 16:00 Uhr

9 Kommentare

Fakt vor 5 Wochen

@hilflos:

O.T.:
Nö, in meiner Familie und im weiteren Umfeld ist es üblich, sich unterm "grünen Rasen" beisetzen zu lassen oder es wird eine Seebestattung bevorzugt. Aber in meinem Job beschäftigt man sich halt mit unterschiedlichsten Themen und da kommt auch soetwas mal zur Sprache.

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Ja das muss man nun mal zumindest zu einigen Leuten klar sagen.
Das eine ist die Einebnung eines Grabes nach Recht und Gesetz. Auch wenn einem das nicht passt. Und das andere ist die bewusste Zerstörung jüdischer Gräber aus offensichtlich rassistischen Motiven.
Zu allen die das nicht auseinander halten können oder wollen kann ich nur sagen jeder blamiert sich halt so gut er kann.

Fakt vor 5 Wochen

@hilflos:

Das passiert in den Regel dann, wenn einer mehrmaligen Aufforderung zur Grabpflege, meist angebracht am Grabstein, nicht nachgekommen wird. So ist es hier jedenfalls gang und gäbe.

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