Nach der Cyber-Attacke Wie es in der Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld ab Montag weitergeht

Nach dem Hackerangriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist die Kreisverwaltung weiter kaum arbeitsfähig. Das hat auch für die knapp 160.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Kreis Auswirkungen. Experten arbeiten mit Hochdruck an einer schnellen Lösung. Derweil beginnt am Montag der neue Landrat Andy Grabner sein Amt.

Neben einer Straße steht ein Ortseingangsschild der Stadt Köthen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.
Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Die Cyber-Attacke auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld bringt auch in der kommenden Woche massive Einschnitte für die Bürgerinnen und Bürger des Kreises mit sich. Denn das Landratsamt mit seinen knapp 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist weiter praktisch handlungsunfähig.

Unmittelbar nach bekanntwerden des Angriffs wurden alle Server der Kreisverwaltung heruntergefahren, um weitere Schäden zu verhindern. Dadurch können Dienstleistungen nicht bearbeitet werden, sagte Landrat Uwe Schulze (CDU). Wohngeld, Kindergeld, Unterhaltszahlungen, alle Sozialleistungen könnten weder berechnet noch ausgezahlt werden.

Auf elektronischem Weg sei die Kreisverwaltung vorerst überhaupt nicht zu erreichen, sagte Schulze. Aber: "Die Telefone gehen noch, daher kann man auch Termine vereinbaren, das läuft trotzdem." Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien schließlich trotzdem da.

Am Freitag Katastrophenfall ausgerufen

Landrat Uwe Schultze hatte am Freitag vorsorglich den Katastrophenfall ausgerufen, um in dieser Lage mehr Unterstützung von Land und Bund zu erhalten. Er wolle von Seiten des Landratsamtes so gut aufgestellt sein, wie nur möglich.

Eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Bürger bestehe aber nicht, so Schulze. Feuerwehren, Krankenhäuser und Rettungsleitstellen im Kreis seien nicht von der gezielten Cyber-Attacke betroffen.

Was der Katastrophenfall bedeutet In diesem Katastrophenschutzfall koordiniert ein Stab unter Leitung des Landrats die Zusammenarbeit der Behörden und die Abwehrmaßnahmen. Dort wird auch entschieden, ob Amtshilfe von anderen Dienststellen angefordert werden muss.

Dauer des Zustands unklar

Wie lange dieser Zustand nach dem Hackerangriff noch anhalte, könne derzeit niemand seriös einschätzen. Es könne dauern, sagt der Landrat und bittet Bürger um Geduld und Verständnis. Experten würden mit Hochdruck an einer schnellen Lösung arbeiten.

Wie es dann weitergeht, darum muss sich ab Montag aber der neue Landrat Andy Grabner (CDU) kümmern. Denn die Amtszeit von Uwe Schulze endet am Sonntag um Mitternacht.

Das Landratsamt war vergangene Woche Ziel eines Hackerangriffs geworden. Kriminelle haben Daten verschlüsselt und gestohlen. Nach MDR-Informationen liegt eine Lösegeldforderung der Täter vor.

Quelle: MDR/Martin Krause, Cornelia Winkler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Juli 2021 | 17:00 Uhr

12 Kommentare

ChrisP vor 10 Wochen

Externe Datenträge sind für den Privatgebrauch sicher bedingt geeignet nicht aber für eine Behörde. Was die Datenmenge angeht meinen Sie sicher TB (1 TB = 1.000 GB). Ein Terabit würde 125 GB entsprechen.

ChrisP vor 10 Wochen

Bei einem Festplattenspiegel handelt es sich um ein RAID 1 mit zwei Festplatten. Werden Daten versehentlich gelöscht oder verschlüsselt, geschieht dies auch auf der gespiegelten Festplatte. Ein RAID System ersetzt niemals ein Backup.

ChrisP vor 10 Wochen

Bei solchen Ransomware Attacken werden in der Regel auch die Backup Server verschlüsselt. D.h. auch wenn ein Backup vorhanden ist, z.B. auf Datenbändern, kann es nicht zurückgesichert werden. Erst wen der Backupserver neu "aufgesetzt" wurde, kann mit der Rücksicherung begonnen werden. Manche Dinge sind komplexer als es auf den ersten Blick erscheint.

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