Cyber-Attacke Landkreis Anhalt-Bitterfeld nimmt Arbeit nach Hackerangriff wieder auf

Nach einem Hackerangriff nimmt die Verwaltung des Kreises Anhalt-Bitterfeld am Montag wieder ihre Arbeit auf. Bürgerinnen und Bürger erreichen einzelne Fachbereiche dann wieder per E-Mail. In der vergangenen Woche war die Verwaltung durch einen Cyberangriff lahmgelegt worden. Nun soll ein Team von bis zu 100 Mitarbeitern die wichtigsten Aufgaben erledigen.

Ein Briefkasten mit der Aufschrift "Landkreis Anhalt-Bitterfeld" und "Hauptsitz der Kreisverwaltung" vor einem Gebäude aus Glas
Nach einem Hackerangriff ist der Landkreis Anhalt-Bitterfeld auch wieder telefonisch und per E-Mail erreichbar. Bildrechte: dpa

Der von einem Cyberangriff betroffene Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist ab sofort wieder per E-Mail erreichbar. Nach Informationen der Kreisverwaltung hat eine Not-Infrastruktur ihre Arbeit aufgenommen, sodass alle Fachbereiche der Verwaltung wieder untereinander sowie mit der Außenwelt per E-Mail und Telefon kommunizieren können. Über welche Mail-Adressen die einzelnen Fachbereiche erreichbar sind, teilt der Landkreis auf seiner Internetseite mit.

Zuvor hat Landrat Andy Grabner (CDU) bereits angekündigt, dass ein Team von bis zu 100 Mitarbeitern zunächst die wichtigsten Aufgaben erledigen soll. Dazu gehören die Auszahlung von Sozialleistungen und die Zulassung von Fahrzeugen. Gerade die Neuzulassungen, sagt Landrat Grabner, hätten sich angestaut. Dieser langsame Neustart ginge nur, weil die Mitarbeiter mit neuen, sauberen Laptops ausgestattet wurden, die mit sicheren Datenleitungen versehen sind.

Was bleibt – der MDR SACHSEN-ANHALT Wochenrückblick

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Kreisverwaltung durch Hackerangriff lahmgelegt

Anfang Juli waren bei einem Hacker-Angriff alle Daten der Kreisverwaltung infiziert und verschlüsselt worden. Bei dem Cyberangriff waren mehrere Server des Landkreises mit sogenannter Ransomware infiziert worden, bei der Daten verschlüsselt werden. Bei Ransomware sollen die Daten üblicherweise nach einer Geldzahlung wieder freigegeben werden.

Eine Garantie, dass nach Zahlung der Erpressungssumme wieder Zugriff auf die Daten besteht, gibt es allerdings nicht. Einen ähnlichen Angriff hatte es Anfang des Jahres auf die Uniklinik Düsseldorf gegeben. In den USA hatten Hacker zuletzt kurzzeitig die Kontrolle über eine Ölpipeline und eine städtische Wasserversorgung übernommen.

Lösegeldforderung nach Hackerangriff

Nach dem Angriff hatten die Hacker dann auch tatsächlich ein Lösegeld gefordert. Landrat Grabner stellte aber klar, dass man dieses nicht zahlen werde. Öffentliche Verwaltungen dürften sich nicht erpressen lassen. Die genaue Höhe des verlangten Betrags war zunächst unklar. Oft haben solche Lösegeldforderungen eine sechs- oder siebenstellige Höhe.

Zudem bestätigte der Landkreis, dass die Täterinnen und Täter des Hackerangriffs einen ersten Datensatz von ca. 200 Megabyte im Darknet veröffentlicht haben. Nach Einschätzung des Chaos Computer Clubs könnte es sich bei der Veröffentlichung um eine Reaktion auf die Absage der Lösegeldzahlung handeln.

Sachsen-Anhalt will weiter digitalisieren

Sachsen-Anhalts Landesregierung hält trotz der Hackerattacken weiter an den Digitalisierungsplänen fest. Das sagte der Beauftragte der Landesregierung für Informationstechnik, Rüdiger Malter, MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag. "Ein absoluter Schutz ist nicht möglich, sondern es ist wie beim Fahrraddiebstahl. Man muss es dem Kriminellen so schwer wie möglich machen, also ganz viele Hürden einbauen."

Die Maßnahmen zum Schutz der digitalen Netze orientierten sich an den Vorgaben des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)." Dazu gehört, dass die Zugangsrechte für Netzadministratoren auf mehrere Personen aufgeteilt sind, so dass Hacker mehr als nur ein Passwort benötigen, um das ganze Netz zu übernehmen."

MDR/Thomas Tasler, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Juli 2021 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

DanielSBK vor 12 Wochen

"Nach Informationen der Kreisverwaltung hat eine Not-Infrastruktur ihre Arbeit aufgenommen, sodass alle Fachbereiche der Verwaltung wieder untereinander sowie mit der Außenwelt per E-Mail und Telefon kommunizieren können."

Wunderbar! Gute Nachrichten!

Ansonsten wären noch Rauchzeichen, Brieftauben oder der Optisch' Preußische Telegraf von 1813 eine Option gewesen...

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