Haushaltskonsolidierung 1,13 Euro: Stadt treibt Kleinstbeträge ein – mit höheren Kosten als Nutzen

Einen Gebühren-Bescheid über 1,13 Euro – den bekommt aktuell so mancher, der in Raguhn-Jeßnitz lebt. Was beinahe nach einem Spaß in der Stadtverwaltung klingt, hat einen ernsten Hintergrund.

Wegweiser zum Rathaus
Bildrechte: IMAGO / Steinach

Gut 8.000 Menschen leben in Raguhn-Jeßnitz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld – einige von ihnen bekommen aktuell Post, die Kopfschütteln bei ihnen auslöst: Denn die Stadt verschickt aktuell Gebührenbescheide, über die mitunter Kleinstbeträge eingetrieben werden sollen.

1,13 Euro für den Gewässer-Verband

Darunter sind beispielsweise Rechnungen für den Gewässer-Unterhaltungsverband. Mancher Anwohner wurde aufgefordert, den läppischen Betrag von 1,13 Euro zu bezahlen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurden insgesamt rund 3.000 solcher Briefe verschickt. Problem daran: Damit übersteigen die Kosten für Porto und Papier mitunter die Einnahmen.

Warum also der Aufwand für so wenig Ertrag? Die Antwort ist einfach: Die Stadt ist dazu verpflichtet. Wegen der leeren Stadtkasse wird der Haushalt von Raguhn-Jeßnitz aktuell konsolidiert. Das hat zur Folge, dass die Stadt gesetzlich dazu verpflichtet ist, alle Schulden einzutreiben – selbst, wenn es nur um 1,13 Euro geht.

MDR (Martin Krause, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Januar 2022 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 18 Wochen

Wirtschaftliches Denken scheint da navh wie vor ein Fremdwort zu sein. Und da glauben viele Bürger immer noch, dass staatliche Krankenhäuser besser laufen würden.

Ein Dorfjunge vor 18 Wochen

Dies ist eigentlich nix Neues. Die Gemeinde Niedere Börde verschickt seit Jahren Rechnungen für die Flurbereinigung, je nach Grundstückgröße sind dies Kosten zwischen 50 Cent und 2 Euro. Die Logik erschließt sich so gut wie niemanden. Die Gemeinden sind zwar zur Erhebung dieser Abgabe verpflichtet und es dient ja auch im Grunde genommen des Gemeinwohles wenn damit bestimmte Aufgaben finanziert werden. Früher wurden Gelder einfach umgeschichtet und gut war und Dinge konnten viel besser und viel schneller finanziert werden. Heute muss sich an Regeln gehalten werden die teilweise einfach komplett unlogisch und deren Durchsetzung auch logisch nicht mehr erklärbar sind. So wie hier auch, die Gemeinde/n ist/sind pleite und sind so natürlich verpflichtet für Einnahmen zu sorgen, doch haben dadurch noch mehr Ausgaben als vorher, da muss es doch auch mal in den Verwaltungen Klick machen und sich gesagt werden dass was falsch läuft.

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