Massiver Schulausfall Nur noch 50 Prozent Unterrichtsversorgung an Schule in Aken

An einer Akener Schule ist der Unterrichtsausfall derzeit dramatisch. Doch wirklich neu ist die Situation nicht. Der Schulleiter hat nun angeregt, die Unterrichtsstunden zu verkürzen – damit seine Lehrkräfte zusätzliche Stunden übernehmen können.

Ein Schulgebäude in Aken
Die Unterrichtssituation an der Sekundarschule am Burgtor in Aken ist prekär. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Die Sekundarschule am Burgtor in Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) beklagt derzeit massiven Unterrichtsausfall. In dieser Woche können nach Angaben der Schule nur etwas mehr als 50 Prozent der regulären Stunden abgehalten werden. Das hat Schulleiter Hans-Rainer Homann MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt. Grund sind Krankheitsfälle. Homann sagte: "Aktuell macht das Kollegium mehr als 20 Überstunden, um überhaupt den Stundenplan in Ansätzen zu erfüllen."

Fächer wie Französisch, Kunst, Geschichte, Sozialkunde oder Ethik fallen für die Klassen 5 bis 9 dennoch aus. Lediglich für die Abschlussklasse 10 sei eine weitgehend normale Unterrichtsversorgung sichergestellt. Doch das grundsätzliche Problem besteht nicht nur in dieser Woche. Laut Homann liegt die Unterrichtsversorgung an der Schule generell bei rund 74 Prozent. Zum Vergleich: Landesweit strebt Sachsen-Anhalt eine Unterrichtsversorgung von 103 Prozent an.

Ein Mann mit grauem Pullover steht auf einem Schulhof 1 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 13.10.2021 14:46Uhr 00:41 min

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Besserung nicht in Sicht

Und Besserung ist in Aken nicht in Sicht. Denn in den kommenden zwei Jahren verlassen vier weitere Lehrkräfte die Schule, weil sie in Rente gehen. Schulleiter Homann wirbt deshalb für ein neues Schulmodell. Die Unterrichtsstunden sollen von 45 auf 40 Minuten gekürzt werden. Die freiwerdende Zeit könnten die Lehrkräfte nutzen, um zumindest einige der Lücken im Stundenplan zu stopfen. Das Landesschulamt prüfe gerade, ob eine solche Verkürzung möglich ist.

Verkürzung könnte 60 Stunden zusätzlich bringen

Wenn der Plan von Homann aufgeht, würde die Schule nach seiner Rechnung ungefähr drei Stunden pro Lehrkraft gewinnen – also 60 Stunden á 40 Minuten insgesamt. "Dadurch würde sich das Defizit quasi halbieren", sagt der Rektor und ergänzt: "Nicht was die Zuordnung eine Stunde Lehrer, eine Stunde Schüler betrifft. Sondern das wäre Zeit, um die Schüler mit Lernaufträgen zu versorgen, zu betreuen oder zu coachen."

Elternbeirat unterstützt Idee des Schulleiters

Ralf Bosse vom Elternbeirat ist besorgt, wenn er auf die vielen Ausfallstunden blickt: "Unsere Kinder bleiben dumm. Die werden später niemals Facharbeiter, die bekommen keine vernünftigen Abschlüsse. Das ist traurig, das ist schlimm." Mit der Idee von Schulleiter Hans-Rainer Homann, die Stunden etwas zu verkürzen, kann er sich deshalb anfreunden.

Bosse erklärte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, die Lehrer liefen auf Maximum. Mehrarbeit könne ihnen nicht zugemutet werden. Doch auch er glaubt, dass durch die Verkürzung Schulstunden gewonnen werden könnten. Bosse schlug vor, dass die Lehrer mit der zusätzlichen Zeit zwei Klassen übernehmen sollen. Eine sollen sie unterrichten, eine zweite bei stiller Arbeit beaufsichtigen.

MDR SACHSEN-ANHALT hat dazu beim Landesschulamt eine Stellungnahme angefragt. Diese steht bislang noch aus.

MDR/Kevin Poweska/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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