Hilfsangebote Wie die Gemeinde Muldestausee Geflüchteten aus der Ukraine hilft

Aus einem Kontakt in die Ukraine folgte ein schneller Plan: Familien aus der Ukraine in die Gemeinde Muldestausee holen und sie damit in Sicherheit bringen. Ein Einblick in die Fahrt an die ukrainisch-polnische Grenze, das Leben der Geflüchteten und die Hilfsbereitschaft im Ort.

Ganz schnell ging es Anfang März in der Gemeinde Muldestausee – die Entscheidung wurde direkt gefällt: "Wir fahren in die Ukraine und holen Menschen von dort zu uns!" Auslöser war eine Ukrainerin, die schon lange im Ort lebt. Ihr erwachsener Sohn Roman hatte über die sozialen Medien Kontakt mit Familien in der Ukraine. Er wandte sich abends an Ferid Giebler (parteilos) – den Bürgermeister der Gemeinde Muldestausee. Dieser beschloss, dass sie am nächsten Tag direkt losfahren.

Das Ergebnis: Sieben Frauen und drei Kinder aus der Ukraine konnten sie abholen. Darunter Tatjana und Olena mit ihren Kindern. Sie mussten ihre Häuser in Charkiv verlassen, weil es dort zu gefährlich war. Die Wohnung, in der sie vorübergehend unterkamen, wurde von einer Rakete zerstört. Olena erzählt mit Hilfe eines Dolmetschers:

Olena, geflüchtete Ukrainerin, die in der Gemeinde Muldestausee untergekommen ist
Olena, geflüchtete Ukrainerin Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Wir sahen plötzlich Flammen in der Nähe, gingen raus und wollten sehen was los ist. Wir haben kaum das Haus verlassen, da kam die Rakete geflogen. Danach waren nur Staub und Scherben.

Olena, geflüchtete Ukrainerin

Nach dem Raketenangriff suchten sie Schutz im Keller einer Schule, merkten aber, dass es dort ebenfalls nicht sicher war. Deshalb nahmen sie einen Flucht-Zug vom Bahnhof Charkiv aus und fuhren bis ins polnische Grenzgebiet nach Chelm. Dort wurden sie von den Helfenden aus Sachsen-Anhalt in Empfang genommen.

Mirko Kühnast war als freiwilliger Fahrer mit in Polen und hat die Familien abgeholt. "Wenn man in deren Augen geguckt hat, konnte man sich nur annähernd vorstellen, was sie bis dahin durchgemacht haben", erzählt er.

Geflüchtete aus der Ukraine in der Gemeinde

Aktuell leben 46 Ukrainerinnen und Ukrainer in der Gemeinde Muldestausee. Sechs wurden offiziell vom Landkreis zugewiesen, 40 kamen über Hilfsorganisationen und private Initiativen dorthin. Für 50 weitere Menschen hätte man dort noch Platz.

Aktuelle Situation der geflüchteten Ukrainerinnen

Seit über einer Woche sind die ukrainischen Familien jetzt in Sachsen-Anhalt – untergekommen in kommunalen Wohnungen. Olenas Tochter Valeria spricht über ihre aktuelle Situation:

Valeria, geflüchtete Ukrainerin, die in der Gemeinde Muldestausee untergekommen ist
Valeria, geflüchtete Ukrainerin Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Wir haben Dinge erlebt, die wir nie wieder vergessen können. Wenn wir die Nachrichten aus unserer Stadt sehen, müssen wir immer wieder weinen. Aber unsere emotionale Gesundheit wird langsam besser. Wir fühlen uns hier sicher. Wir wollen jetzt gerne Deutsch lernen – auch wenn das eine ganz schön schwierige Sprache ist. Aber wir glauben an uns und die Ukraine.

Valeria, geflüchtete Ukrainerin

Diskussion bei FAKT IST! über den Ukraine-Krieg

Einige Bürgerinnen und Bürger aus Muldenstein sind auch am Montagabend, 14. März, im MDR-Polittalk "FAKT IST!" zu Gast. Dort wird über den Ukraine-Krieg und die Frage "Ohnmacht, Angst, Solidarität – was tun?" diskutiert. Ab 20:30 Uhr können Sie die Sendung hier im Livestream verfolgen, ab 22:10 Uhr im MDR-Fernsehen und im Anschluss in der ARD-Mediathek.

Helfen als "Flüchtlingspaten"

Ein weiteres Hilfsangebot, das die Gemeinde eingeführt hat: ehrenamtliche "Flüchtlingspaten". Bürgermeister Ferid Giebler erklärt:

Ferid Giebler, Bürgermeister der Gemeinde Muldestausee
Ferid Giebler, Bürgermeister der Gemeinde Muldestausee Bildrechte: MDR/Stefan Bernschein

Wie schon in der Coronakrise könnten Sie zum Beispiel als Einkaufsbegleiter fungieren, die Vereine könnten in ihren Trainingszeiten die Kinder mit einbinden. Sie könnten die Gemeinde und ihre Orte vorstellen, als Dolmetscher fungieren, als Begleiter zum Arztbesuch, als Fahrdienst oder einfach nur als Gesprächspartner in den tausend Fragen der Alltagsorganisation zur Verfügung stehen.

Ferid Giebler, Bürgermeister der Gemeinde Muldestausee

"Flüchtlingspate" werden

Interessierte sollen sich für die bessere Organisation via E-Mail an das Ordnungsamt der Gemeinde wenden (ordnungsamt@gemeinde-muldestausee.de). Inhalt der Nachricht: ein paar Infos zur eigenen Person, wie man helfen will und wann man erreichbar ist.

Geld statt Sachspenden werden benötigt

Außerdem informiert Giebler: "Aktuell haben wir den Bedarf an Sachspenden gedeckt. Womit Sie uns nun am meisten helfen können, sind Geldspenden. Denn damit können wir gezielt das kaufen, was gegebenenfalls personenbezogen, zum Beispiel Unterwäsche, Hygieneprodukte oder Ähnliches, gebraucht wird."

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MDR (Stefan Bernschein, Johanna Daher)

Dieses Thema im Programm: MDR FAKT IST! | 14. März 2022 | 20:30 Uhr

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