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Audio: Ein Betrugsfall mit Signalwirkung: Rentner Prausner erzählt, warum er an die Öffentlichkeit geht. Bildrechte: Martin Krause
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Betrugsmasche Post vom Gerichtsvollzieher: Rentner durchschaut Betrugsmasche

09. Juni 2025, 12:47 Uhr

Falsche Polizisten, Schockanrufe, der Enkeltrick – Betrügern fallen immer neue Maschen ein, um an das Geld fremder Leute zu kommen. Um ihre Opfer zu täuschen, werden die Täter auch immer raffinierter. So werden derzeit gefälschte Geldforderungen etwa von Gerichtsvollziehern verschickt. Um den Schwindel echt aussehen zu lassen, gehen die Betrüger sogar in Vorkasse. Ein Betroffener schildert seinen Fall.

Helmut Prausner ist leicht nervös, als er die Nachricht auf seinem Mobiltelefon entdeckt. Der Paketdienstleister DHL kündigt darin eine Zustellung für den kommenden Tag an. Ein Pfändungsbeschluss eines Obergerichtsvollziehers sei unterwegs. "Da atmet man erst einmal tief durch und überlegt, ob man seine Rechnungen alle bezahlt hat", sagt der 67-Jährige.

Mit ein wenig Herzklopfen öffnet der Bitterfelder am nächsten Morgen seinen Briefkasten. "Es war ein hochwertiges Kuvert aus Pappe, das ist keins für zehn Cent, das kostet bestimmt ein paar Euro und der Versand mit DHL ist auch nicht preiswert. Damit es so offiziell wirkt, hat jemand echt investiert." Und der Rentner ist auch über den Inhalt erstaunt. Zwei Blätter, sehr amtlich, mehrfarbig, mit Stempel, Siegel und Unterschrift. Korrekt adressiert, mit allen persönlichen Daten des Bitterfelders.

Ein Brief mit Folgen: Gerichtsvollzieher aus Frankfurt kündigt sich an

Prausner, so der "Vorwurf" im Schreiben, soll an einer Telefon-Lotterie teilgenommen und nicht bezahlt haben. Dafür sei nun Schadenersatz zu zahlen. Knapp 1.000 Euro. Und das innerhalb kürzester Zeit. "Auf dem Brief stand auch meine korrekte Bankverbindung und der freundliche Hinweis, mein Konto sonst sperren zu lassen." Aber der Bitterfelder lässt sich nicht unter Druck setzen.

Betrugsmasche DHL
Beim Umschlag wurde nicht gespart, ist sich Rentner Prausner sicher. Bildrechte: Martin Krause

Nach 35 Jahren Tätigkeit in einer Bank, kennt Prausner sich aus mit amtlichen Schreiben. "Bei einem Tee habe ich mir mit einem Vergrößerungsglas das Dokument dann genauer angeschaut." Und dabei entdeckt der Rentner doch einige Ungereimtheiten. So hinterlässt der vermeintliche Obergerichtsvollzieher aus Frankfurt keine Festnetznummer, sondern lediglich einen Mobilfunkkontakt.

Warnzeichen: Handy-Nummer, falsche Mailadresse, Rechtschreibfehler

Auch die angegebene Emailadresse wirkt nicht unbedingt amtlich seriös. Dazu kommen kleinere Rechtschreibfehler: "Ich habe dann auch im Internet nachgeforscht, aber den genannten Gerichtsvollzieher nicht gefunden." Spätestens da war dem 67-Jährigen klar, dass es sich um einen Betrugsversuch handeln muss.

Die neue Masche liegt offenbar im Trend. Die Fälle häufen sich auch hierzulande, weiß Daniela Merke vom Verband der Gerichtsvollzieher in Sachsen-Anhalt: "Das wird heutzutage sehr gut gefälscht. Bei einer Zahlungsaufforderung von einem Gerichtsvollzieher ist darauf zu achten, dass der Gerichtsvollzieher aus der Stadt kommt, wo man selbst wohnt, denn es gibt eine feste örtliche Zuständigkeit."

Betrug im Amtsstil: Was die Verbraucherzentrale rät

Man könne auch beim zuständigen Amtsgericht anrufen und bei der Gerichtsvollzieher-Verteilerstelle nachfragen. Die Telefonnummer sollte man sich jedoch aus dem Internet besorgen, so Merke. Die Nummer vom "falschen" Gerichtsvollzieher auf dem Briefkopf anzurufen, "wäre selbstredend sinnlos."

Durch eine Lupe sind Briefe und Dokumente, eine Mahnung, Ratenerinnerung, und gelbe Briefe vom Gerichtsvollzieher zu sehen.
Experten raten: Auch vermeintliche amtliche Forderungen genau prüfen. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Bei amtlichen Forderungen jeglicher Art sei generell erst einmal Ruhe zu bewahren. Und man sollte ganz genau hinschauen, rät Diane Rocke von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Auch eine gesunde Skepsis sei angebracht. "Verbraucher sollten zunächst überlegen, habe ich wirklich Rechnungen offen, ist die Forderung überhaupt plausibel. Und wenn ich Geld überweisen soll, dann immer auch auf die IBAN achten, auf das DE, also ob es sich um eine deutsche Bank handelt." Bei Transaktionen ins Ausland sei Vorsicht angebracht, so die Verbraucherschützerin.

Aufklärung statt Panik: So schützt man sich vor dem Betrug

Keine IBAN für ein deutsches Konto, dazu eine äußerst kurze Zahlungsfrist von gerade einmal einem Tag, so war es auch im Schreiben an Helmut Prausner. Der Bitterfelder hat sich mit seinem Fall bewusst bei MDR SACHSEN-ANHALT gemeldet, um vor den Machenschaften der Betrüger zu warnen. Die Täter hätten eine "besorgniserregende Qualität" erreicht.

Früher kamen diese Schreiben per E-Mail, sagt der Rentner. "Aber wenn die Ganoven jetzt viel Geld und Aufwand in diese Masche investieren, dann bestimmt, weil es sich lohnt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Leute mit weniger Erfahrung bei einem Brief eines Gerichtsvollziehers in Panik geraten und einfach das Geld überweisen, um wieder Ruhe zu haben." Helmut Prausner selbst hat richtig gehandelt und nicht gezahlt. Inzwischen hat der Bitterfelder auch Anzeige bei der Polizei erstattet.

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MDR (Martin Krause, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 07. Juni 2025 | 17:00 Uhr

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