Unglück mit vier Toten Absturz eines Kleinflugzeugs in Renneritz: Suche nach Ursache dauert Monate

Die Suche nach der Ursache des Flugzeugabsturzes im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wird längere Zeit dauern. Ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sagte, es müssten viele Daten und Fakten ausgewertet werden. Bei dem Unglück waren vier Menschen ums Leben gekommen. Vor Ort sind Trauer und Entsetzen sehr groß.

Das Wrack des völlig ausgebrannten einmotorigen Flugzeuges wird von Mitarbeitern des Luftfahrt-Bundesamt untersucht.
Das Wrack des völlig ausgebrannten einmotorigen Flugzeuges wird in Renneritz von Experten untersucht. Bildrechte: dpa

Nach dem Flugzeugunglück in Renneritz (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) mit vier Toten suchen Experten nach der Ursache. Mit schnellen Ergebnissen sei nicht zu rechnen, sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (Braunschweig/Niedersachsen) am Montag. Er verwies auf umfangreiche Analysen. Dazu gehörten der technische Zustand der Maschine, die Flugerfahrung des Piloten, die örtlichen Gegebenheiten wie auch das Wetter zum Zeitpunkt des Unglücks.

Das einmotorige Flugzeug war nach Angaben der Polizei am Sonntagnachmittag auf dem Flugplatz Renneritz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld kurz nach dem Start abgestürzt. Die Maschine mit vier Menschen an Bord geriet in Brand und wurde zerstört. Der 55 Jahre alte Pilot aus Sachsen, eine 14-Jährige und ein 15-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen starben nach Angaben der Polizei noch an der Unfallstelle.

Keine Überlebenden bei Absturz in Renneritz

Eine 16-Jährige, ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammend, wurde schwerstverletzt aus dem Flugzeugwrack geborgen und ins Krankenhaus gebracht. Sie erlag am Montagmorgen ihren Verletzungen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Damit überlebte niemand aus der Maschine.

Nach Angaben des Sprechers der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung handelte es sich um eine einmotorige Maschine polnischer Bauart vom Typ PZL 104 Wilga mit vier Sitzen. Mit einem Zwischenbericht zum Unglück werde voraussichtlich Ende September, mit einem Abschlussbericht etwa in zwölf Monaten gerechnet. Es gelte eine Vielzahl an Fakten und Daten zu dokumentieren und auszuwerten.

Vier Tote, junge Menschen, das ist alles unfassbar.

Sprecher des Segelflugvereins

Vor Ort sind die Trauer und das Entsetzen über das Unglück sehr groß. Auf dem Flugplatz bot sich ein Bild der Zerstörung mit der ausgebrannten Maschine. Die Geschehnisse seien nicht einfach zu verarbeiten, das werde lange Zeit brauchen und immer in Erinnerung bleiben, sagte ein Sprecher des Segelflugvereins. "Vier Tote, junge Menschen, das ist alles unfassbar", sagte er. Das tiefe Mitgefühl gelte vor allem den Angehörigen. Die Trauer sei kaum in Worte zu fassen.

Hobbypiloten waren zu Fliegerlager versammelt

Als das Unglück geschah, hatten sich den Angaben nach am Sonntag Hobbypiloten aus verschiedenen Flugvereinen aus dem ganzen Bundesgebiet zu einem Fliegerlager in Renneritz getroffen. Daran nahmen auch der Pilot des Kleinflugzeugs und die drei Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen teil.

Er war ein lieber guter Kerl.

Sprecher des Segelflugvereins über den Piloten des Unglücksflugzeuges

Der 55-Jährige aus Sachsen sei zuvor auch schon auf dem Flugplatz in Sachsen-Anhalt gewesen, wo es im Sommer derartige Fliegerlager gebe. Zum Zeitpunkt des Absturzes seien etwa 25 Teilnehmer auf dem Areal gewesen.

Mitglieder des Segelflugvereins in Trauer

Mit in der Maschine hätten "alles junge Menschen" gesessen, sagte der Sprecher des Segelflugvereins. Es sei ein fürchterliches Unglück. So etwas habe es in der langen Fluggeschichte des Vereins noch nicht gegeben. Er habe den Piloten gekannt, sagte der Sprecher. "Er war ein lieber guter Kerl", sagte er mit tränenerstickter Stimme.

Unterdessen bat die Polizeiinspektion Dessau-Roßlau Zeugen, die etwas im Zusammenhang mit dem Unglück wahrgenommen haben, sich zu melden.

Zeugenhinweise bitte an die Polizeiinspektion Dessau-Roßlau Tel. 0340/6000-291 oder per E-Mail: lfz.pi-de@polizei.sachsen-anhalt.de

MDR/Gero Hirschelmann, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Juli 2021 | 21:00 Uhr

2 Kommentare

Pollux vor 9 Wochen

Kleinflugzeuge sind nicht mit derartigen Sicherheitssystemen ausgestattet, als beispielsweise Verkehrsflugzeuge und haben auch nicht so viel Puffermaterial, von dem der Passagier umschlossen ist, wie große Flugzeuge. Ein Flugzeugabsturz, auch bei großen Flugzeugen, ist an sich schon katastrophal. Der menschliche Körper ist für derartige Kräfte die auf ihn wirken, wie ein Flugzeugabsturz, nicht gebaut. Schleudersitze sind eine komplizierte technische Baueinheit, die Kampfpiloten vorenthalten bleibt, da der menschliche Körper dafür trainiert sein muss. Wird der Schleudersitz ausgelöst, dann wirken enorme Kräfte auf den menschlichen Organismus. Selbst wenn der Pilot sein Leben mit Hilfe des Schleudersitzes retten kann, so kann er sich trotzdem Verletzungen zufügen, die aber nicht tödlich sind. Bei Fallschirmen ist es so, dass diese auch nicht von jedem bedient werden können. Das erfordert einige Kenntnis. Bei einem Flugzeugabsturz bleiben ggf. nur noch Sekunden um zu reagieren.

Ignatz Wrobel vor 9 Wochen

als Laie frage ich alle:

- warum sterben in Kleinflugzeugen immer (fast) alle
- gibt es keine Schleudersitze
- haben die keine Fallschirme

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