Oberbürgermeisterwahl Acht Kandidaten wollen in Dessau-Roßlau Stadtoberhaupt werden

Marie-Kristin Landes
Bildrechte: MDR/Martin Neuhoff

Am 6. Juni steht Dessau-Roßlau gleich doppelt vor der Wahl. Denn nicht nur ein neuer Landtag wird gewählt, sondern auch ein neuer Oberbürgermeister. Acht Kandidaten wollen den bisherigen Amtsinhaber Peter Kuras, der kein zweites Mal antritt, beerben.

An den Laternenmasten einer von Bäumen gesäumten Straße in Roßlau hängen viele bunte Plakate zur Oberbürgermeisterwahl und zur Landtagswahl nebeneinander.
Der Wahlkampf ist auch im Ortsteil Roßlau nicht zu übersehen. Plakate zur Oberbürgermeisterwahl hängen dicht neben denen zur Landtagswahl. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts ist der 6. Juni in vielerlei Hinsicht ein entscheidener Tag. Denn dann wird die Bevölkerung Dessau-Roßlaus nicht nur dazu aufgerufen einen neuen Landtag zu wählen, sondern auch einen neuen Oberbürgermeister. Das wichtigste Amt der Doppelstadt, das die nächsten sieben Jahre die Entwicklung entscheidend prägen wird. Dass beide Entscheidungen auf einen Termin fallen, könnte sich dabei positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken. Zur Oberbürgermeisterwahl 2014 beteiligten sich nur 47 Prozent der Wahlberechtigten, an der Stichwahl nur noch knapp 35 Prozent.

Wie 2014 stehen auch 2021 gleich acht Kandidaten zur Auswahl. Nicht unter ihnen ist Amtsinhaber Peter Kuras (FDP), der sich gegen eine mögliche zweite Amtszeit entschieden hat. Auf seine sieben Jahre blicken die Menschen, die MDR SACHSEN-ANHALT in den Innenstädten von Dessau und Roßlau getroffen hat, gemischt.

Dabei steht die Stadt gar nicht so schlecht da. Die Arbeitslosenquote ist auf unter zehn Prozent gesunken. Die Sparten des Anhaltischen Theaters mit einer der größten Bühnen Europas konnten trotz Einschnitten erhalten bleiben. An vielen Stellen hat sich das Gesicht der Stadt positiv verändert. Am offensichtlichsten in der Zerbster Straße, die mit dem Bau des Bauhausmuseums neu gestaltet wurde. Gleichzeitig hat Dessau-Roßlau 2014 wie 2021 mit Bevölkerungsschwund, Überalterung und Leerstand im Stadtzentrum zu kämpfen.

Auf den zukünftigen neuen Oberbürgermeister der Doppelstadt kommen keine leichten Aufgaben zu. Wer kann ihnen gerecht werden? Diese acht Kandidaten stehen zur Wahl:

Eiko Adamek, CDU

Eiko Adamek kommt gebürtig aus Rostock. Beruflich ist er bisher als Abteilungsleiter im Städtischen Klinikum tätig. Seit 2014 ist er Stadtratsmitglied und hier auch Vorsitzender der CDU-Fraktion. Darüber hinaus ist er im Vorstand des Stadtelternrats und Präsident des DRK-Kreisverbands. Zur Oberbürgermeisterwahl tritt er an mit dem Motto #malmachen. Eiko Adamek will einen Wirtschaftsrat mit Beteiligung von Verbänden und Unternehmen gründen und sich für den Ausbau Fachhochschule Anhalt in Dessau-Roßlau einsetzen. Darüber hinaus will er frei verfügbares WLAN an zentralen Punkten der Stadt und eine moderne Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, beispielsweise über Social Media.

Lutz Büttner, AfD

Er ist stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands und seit 2019 Stadtratsmitglied. Sein Wahlspruch: "Alles für Dessau-Roßlau! Vom Volk, für das Volk!" Hauptberuflich betreibt er bisher mit seiner Familie das Freibad "Waldbad". Laut seinem Wahlprogramm möchte Lutz Büttner als zukünftiger Oberbürgermeister kommunale Aufträge nur noch innerhalb der Region vergeben, die Gewerbe- und Hundesteuer sowie Müllgebühren senken. Außerdem will er sich für eine IC-Verbindung einsetzen und den Ausbau der Ortsumgehung für Roßlau. Darüber hinaus möchte er gemeinnützigen Vereinen, die "nicht politisch neutral" sind die Finanzierung entziehen und ein Begrüßungsgeld für "deutsche Kinder".

Frank Lehmann, parteilos

"Ich packe an", lautet sein Motto zur Wahl. Frank Lehmann ist in Dessau kein Unbekannter. Anfang der 90er Jahre saß er für vier Jahre im Stadtrat. Er war Geschäftsführer der kommunalen Beschäftigungsgesellschaft DABS und leitete diverse Bauprojekte. Seit 2014 ist er Geschäftsführer des Wertstoffzentrums Dessau GmbH. Darüber hinaus ist Frank Lehmann Mitglied diverser Vereine wie dem Anhaltischen Kunstverein oder dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). In seinem Wahlprogramm wirbt er vor allem mit seinem Werdegang und beruflicher Erfahrung. Frank Lehmann möchte "agieren statt reagieren" und auf die Bedürfnisse der 24 teils sehr unterschiedlichen Ortsteile eingehen.

Karsten R. Lückemeyer alias Astronaut Peter Ghost, parteilos

2014 kandidierte Karsten R. Lückemeyer schon einmal. Beruflich war er die letzten Jahre vor allem selbstständig – als Gebrauchtwagenhändler sowie Musiker und Alleinunterhalter. 2002 gründete er einen Verlag. Zur Oberbürgermeisterwahl tritt Karsten R. Lückemeyer mit einem mehrseitigen Wahlprogramm an. Wo Jugendclubs geschlossen wurden, will er mobile Angebote schaffen, das ÖPNV-Angebot soll erhöht und ticketfrei werden. Außerdem möchte er sich mit der Stadt für die Bundesgartenschau bewerben, eine bürgerfreundlichere Verwaltung und für mehr Elektro- und Wasserstofftankstellen sorgen. Auch wirbt er dafür, das Zentrum mit alternativen Wohnkonzepten zu beleben und schreibt von einem Weltraumbahnhof.

Robert Reck, parteilos

Er war bereits Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen-Altmark. Mittlerweile ist er Geschäftsführer der Stadtmarketinggesellschaft von Dessau-Roßlau und Beigeordneter für Wirtschaft, Kultur und Sport. Sein Motto zur Wahl: "Erfahren. Entschlossen. Gut für Dessau-Roßlau." Sein Wahlkonzept umfasst sieben Punkte. Konkret will er Behördengänge digital möglich machen, Rad- und Fußwege ausbauen und einen Etat für kleine Projekte lokaler Künstlerinnen und Künstler bereitstellen. Auch er wirbt dafür sich mit Dessau-Roßlau für die Bundesgartenschau zu bewerben und er will die Wirtschaft beleben, in dem beispielsweise regionale Kooperationen geschlossen und Unternehmensgründungen stärker gefördert werden.

Sebastian Rumberg, parteilos

Der gebürtige Dresdner war nach seinem Studium in der Startup-Branche tätig. 2018 gründete er mit seiner Frau die Freie Waldorf Schule in Dessau-Mosigkau. Zur Oberbürgermeisterwahl tritt er an für "frischen Wind" und möchte junge Familien und Unternehmen aus "Zukunftsbranchen" in die Stadt holen. Laut seinem Wahlprogramm will er sich für mehr Schulsozialarbeit und den Ausbau von Ganztagsschulen einsetzen. Roßlau soll als Gewerbe- und Wohnort gefördert werden. Im Bereich "Ehrenamt" soll eine Freiwilligen-Agentur gegründet werden. Die Stadtverwaltung möchte Sebastian Rumberg die Stadtverwaltung digitaler, die Webseite der Stadt bürgerfreundlicher machen und langfristig die Gewerbesteuer senken.

Jakob-Uwe Weber, parteilos

2014 kandidierte auch er schon einmal für den Posten des Oberbürgermeisters. Beruflich hat Jakob-Uwe Weber eine bewegte Vita: Er arbeitete im Finanzamt, der Pressestelle vom Umweltbundesamt und war in der Veranstaltungsbranche tätig. Mittlerweile ist er Fest- und Trauerredner und seit 2019 Ortsbürgermeister von Mosigkau. Sein Motto zur Wahl: "Für unsere Heimatstadt Zukunft bauen. Jetzt." Laut seinem Wahlprogramm möchte auch er die Verwaltung digitaler machen, eine Stabstelle für Wirtschaftsmarketing aufbauen, ÖPNV und Radwege ausbauen sowie die Gewerbesteuer senken. Die Zentren von Dessau und Roßlau möchte er beleben, die freie Kulturszene mehr fördern und den Kulturentwicklungsplan voranbringen.

Ralf-Peter Weber, Bündnis 90/Die Grünen

Er ist vor 25 Jahren von Bonn nach Dessau gezogen. Mittlerweile ist Ralf-Peter Weber Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Zur Wahl tritt er an, um Dessau-Roßlau "moderner, weltoffener und nachhaltiger zu machen." Auf kommunalen Gebäuden möchte er Photovoltaikanlagen bauen, um langfristig die Verwaltung mit grüner Energie zu versorgen. Auch er will Rad- und Fußwege und den ÖPNV ausbauen. Städtische Aufträge sollen regionaler vergeben, Ausgründungen der Fachhochschule gefördert und ein Ansprechpartner für Unternehmen eingesetzt werden. Im Zentrum sollen Brachflächen beseitigt, bessere Mieten für Gewerbetreibende und innenstadtnahes Wohnen für mehr Belebung sorgen.

MDR/Marie-Kristin Landes

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Mai 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Dessau-Roßlau, Anhalt und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt