Anhaltische Gemäldegalerie Nach elf Jahren Sanierung: Georgium in Dessau wieder geöffnet

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Anhaltische Gemäldegalerie im Schloss Georgium in Dessau steht kurz vor ihrer Wiedereröffnung. Elf Jahre lang ist das Gebäude vom Keller bis zum Dach komplett saniert worden. An diesem Wochenende dürfen erstmals wieder Besucher ins Haus. Noch hängen die Bilder aus klimatischen Gründen nicht an den Wänden – ein Besuch lohnt trotzdem.

Der repräsentative Eingang in das Schloss Georgium im Wörlitzer Gartenreich ist fest verschlossen. Das ist die erste Neuerung, die auffällt. Der Besuchereingang ist an die Westseite des Gebäudes verlegt worden, mit Sicherheitsglastüren, die sich automatisch öffnen und schließen. Neu sind auch der große, moderne Besucherempfang und ein gläserner Aufzug. Denn die Ausstellungsfläche hat sich um ein weiteres Stockwerk vergrößert.

Insgesamt stehen nun mehr als 900 Quadratmeter für die Präsentation der Bilder zur Verfügung, erklärt Ruben Rebmann, der neue Direktor der Gemäldegalerie. Die fertigen Räume können bis Sonntag besichtigt werden.

Vorbauten sollen Gemälde schützen

Auffällig in den einzelnen Räumen sind die vorgebauten Wände, an denen künftig die Gemälde hängen werden, damit die historischen Wände nicht beschädigt werden. Diese Vorbauten sind bereits farblich gestaltet, beschriftet und beleuchtet.

"Es sollen ja Bilder auch mal ausgewechselt werden, etwa bei Sonderausstellungen", erklärt Rebmann, "dann müssten die Wände gebohrt und diebstahlsichere Verankerungen angebracht werden. Deswegen gibt es das Prinzip der Vorhangschalen, auf die die Bilder geschraubt werden können und die auch zugleich die Licht- und Klimatechnik verdecken."

Wertvoller Cranach-Altar gehört zu Highlights

Ruben Rebmann verweist auch auf die zahlreichen Messgeräte, die in den Räumen stehen. Sie messen die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit. "Noch ist es mit 25 Grad zu warm in den Räumen für unsere wertvollen Gemälde, vor allem für die, die auf Holz gemalt sind oder die historische Holzrahmen haben", sagt er.

Sobald die Werte zuverlässig und stabil sind, werden die Bilder ins Schloss einziehen. Wann das sein wird, dazu kann Rebmann keine Prognose abgeben. Zu sehen sind künftig etwa 300 Gemälde aus dem Bestand der Gemäldegalerie. Darunter ist ein wertvoller Cranach-Altar, der einen eigenen Raum haben wird und zusätzlich mit einer Lichtschranke gesichert ist.

Mann öffnet historsichen verzierten Altar, der an einer Wand hängt.
Direktor Ruben Rebmann präsentiert den wertvollen Cranach-Altar. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Umbau zog sich elf Jahre, Baukosten vervielfacht

Im September 2011 war mit der Sanierung des Georgiums begonnen worden. Damals wurde mit Baukosten von 1,5 Millionen Euro gerechnet. Weil nach und nach immer mehr Bauschäden sichtbar wurden und zwischenzeitlich die Finanzierung unsicher war, hat der Umbau insgesamt elf Jahre gedauert.

"Das Georgium ist eine Perle geworden", sagt Dessaus Oberbürgermeister Peter Kuras. "Die Gesamtkosten belaufen sich inzwischen auf 15,5 Millionen Euro, davon hat der Bund etwa acht Millionen beigesteuert, das Land Sachsen-Anhalt etwa drei und die Stadt etwa vier Millionen. Das war das Geld auch wirklich wert", so Kuras.

Nach 11 Jahren Sanierung Schloss Georgium in Dessau gewährt erste Einblicke

Außenansicht Anhaltische Gemäldegalerie.
Elf Jahre wurde saniert, jetzt ist das Schloss Georgium in Dessau fast fertig. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Außenansicht Anhaltische Gemäldegalerie.
Elf Jahre wurde saniert, jetzt ist das Schloss Georgium in Dessau fast fertig. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Zwei Männer stehen in Galerie.
Anfang Juli empfing Ruben Rebmann, der neue Direktor der Gemäldegalerie, die ersten Gäste, darunter Dessaus scheidender OB Peter Kuras (li.). Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Galerie mit Bilder an grünen Wänden und Ausstellungstischen.
Künftig werden hier etwa 300 Gemälde aus dem Bestand der Gemäldegalerie zu sehen sein. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Mann öffnet historsichen verzierten Altar, der an einer Wand hängt.
Darunter ist auch ein wertvoller Cranach-Altar – dieser wird einen eigenen Raum haben und zusätzlich mit einer Lichtschranke gesichert sein. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Grundrisse der neuen Gemäldegalerie im Schloss Georgium.
Nach der umfangreichen Sanierung hat sich die Ausstellungsfläche um ein weiteres Stockwerk vergrößert. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Blick in Ausstellung mit großformatigen Wandobjekten und Vitrine.
Insgesamt stehen nun mehr als 900 Quadratmeter für die Präsentation der Bilder zur Verfügung. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Leere Wandelemente für Gemälde.
Damit die historischen Wände nicht beschädigt werden, werden die Gemälde künftig an vorgebauten Wänden hängen. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Lichtinstallation an Decke eines historischen Treppenhauses.
Neu sind auch der Besucherempfang und -eingang, der nun an der Westseite des Gebäudes zu finden ist. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Verzierte Stuckdecke.
Saniert wurde vom Keller bis zum Dach. Details wie diese verzierte Stuckdecke erstrahlen in neuem Glanz. Insgesamt wurden mehr als 15 Millionen Euro investiert. Bildrechte: MDR/Susanne Reh
Schild "Rundgang Gallery Tour" und Pfeil.
Erste Interessierte können die neuen Räumlichkeiten bis Sonntag (4. Juli) bestaunen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. Juli 2021 | 09:30 Uhr

Quelle: MDR/Anne Gehn-Zeller
Bildrechte: MDR/Susanne Reh
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Erste Besucher sind begeistert

Auch die ersten Besucher sind restlos begeistert. Schon vor der Öffnung bildet sich am Eingang eine lange Schlange. "Von außen ist es schon schön geworden, jetzt wollen wir sehen, wie es innen aussieht", sagt ein Besucher. "Es hat gefehlt", meint eine Besucherin. Bis Sonntag ist das Georgium täglich ab 10 Uhr geöffnet, für je 80 Besucher mit Mund-Nase-Schutz und bei freiem Eintritt. "Beindruckend", "sehr schön geworden", "ergreifend" – so ist es immer wieder zu hören. Dass die Gemälde noch nicht hängen, scheint die meisten Gäste nicht zu stören.

Die Anhaltische Gemäldegalerie im Schloss Georgium Zum Bestand der Anhaltischen Gemäldegalerie zählen mehr als 1.800 Gemälde sowie eine grafische Sammlung mit ca. 18.000 Blättern.  Schwerpunkte der Gemäldegalerie liegen in der niederländischen Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts und der deutschen Malerei des 15. bis 19. Jahrhunderts. Die Gemäldegalerie geht auf mehrere Fürstensammlungen zurück. Wichtigster Grundstock ist die Sammlung der Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau, die nach deren Tod als erste öffentliche Kunstsammlung Dessaus im Palais Reina gezeigt worden ist, ungefähr dort, wo sich heute das neue Bauhaus-Museum befindet.

Der heutige Sitz der Anhaltischen Gemäldegalerie – das Schloss Georgium im gleichnamigen Park – entstand ab 1780 als Landhaus des Prinzen Johann Georg von Anhalt-Dessau. Architekt war Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, der die wichtigsten Gebäude des heute als UNESCO-Welterbe geschützten Gartenreichs Dessau-Wörlitz entworfen hat. Die Anerkennung des Welterbestatuses jährt sich dieser Tage zum 20. Mal.

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Susanne Reh arbeitet seit Anfang 1994 bei MDR SACHSEN-ANHALT, meist im Regionalstudio Dessau. Ihre Schwerpunkte sind Themen aus dem Kultur- und Sozialbereich. Ob Weill-Fest in Dessau, Luther in Wittenberg oder Dessau-Wörlitzer Gartenreich, die Autorin fängt Themen für Radio, Fernsehen und Online mit Mikrofon und Kamera ein. Ihre besondere Leidenschaft gilt den "Geschichten aus Sachsen-Anhalt" jeden Sonntagvormittag bei MDR SACHSEN-ANHALT. Bevor sie zum Radio kam, hat sie in Halle Literatur und Geschichte studiert.

Die zweifache Mutter stammt aus Sachsen-Anhalt, aus dem Mansfelder Land. In ihrer Freizeit trifft man sie auf dem Fahrrad, Motorrad oder beim Joggen oder Schwimmen an. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind deshalb die Goitzsche bei Bitterfeld und der Geiseltalsee.

MDR/Anne Gehn-Zeller

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. Juli 2021 | 09:30 Uhr

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