Neue Methode Antikörpertherapie gegen schweren Coronaverlauf

In Dessau gibt es Hoffnung in der Corona-Pandemie: Das Klinikum behandelt infizierte Risikopatienten mit Antikörpern. So können in vielen Fällen schwere Verläufe und ein Aufenthalt auf der Intensivstation verhindert werden. Die Ärzte in Dessau zeigten sich mit den Ergebnissen des Tests zufrieden.

Mit einer Spritze wird eine Flüssigkeit aus einem kleinen Glasfläschchen gezogen. 29 min
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Orlando Fröhlich ist 40 Jahre alt, Werbekaufmann und Vater. Im November machte er nach anfänglichen Grippesymptomen einen Corona-Test, der positiv war. Seine Symptome verschlechterten sich täglich. Bereits nach drei Tagen hörte er über Bekannte von der Antikörpertherapie in Dessau. Doch er entschied sich zunächst dafür abzuwarten. Erst als er mehrerer Tage in Folge hohes Fieber hatte, rief er im Klinikum Dessau an.

Ein Mann mit graubraunen Haaren sitzt im Freien und trägt eine dicke, weiße Winterjacke.
Orlando Fröhlich hat eine Corona-Infektion und eine Antikörpertherapie hinter sich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Asthmatiker ist Fröhlich Risikopatient und hat somit die Chance auf eine Antikörper-Behandlung in der Klinik. Das Medikament kann er aber erst bekommen, wenn in seinem Blut noch keine Antikörper nachgewiesen sind und die Infektion noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Er hat Glück, kann das Medikament nutzen. Bereits am Tag nach der Infusion geht es ihm etwas besser.

Behandlung mit Corona-Antikörpern

Das Städtische Klinikum Dessau gehört zu den ersten Kliniken Deutschlands, die das Coronavirus mit monoklonalen Antikörpern behandelt. Chefarzt Gerhard Behre erklärt, dass die Antikörper dabei an die Spikeproteine der Viren andocken und somit verhindern, dass diese in die Zellen eindringen. Die Antikörper werden mit Kochsalzlösung verdünnt per Infusion verabreicht. Die Antikörper können allerdings nur wirken, wenn die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten ist.

Die Patienten müssen wirklich noch eher kommen. Ich kann nur appellieren, wenn man einen positiven PCR-Test und noch nicht länger als sieben Tage Symptome hat, sollte man sich beim Arzt vorstellen, weil dann greift diese Antikörpertherapie.

Gerhard Behre, Chefarzt am Klinikum Dessau

Nur wenn frühzeitig reagiert wird, könne man die Viren noch daran hindern, sich zu vermehren, erklärt Behre weiter. Die Antikörpertherapie gibt es momentan nur für Patienten mit Risikofaktoren.

Medikament aus Antikörpern

Die Technologie der monoklonalen Antikörper gibt es schon relativ lange und wird vielen Bereichen der Medizin angewandt. Dafür werden die Antikörper künstlich im Reagenzglas hergestellt und den Patienten als Infusion verabreicht. Laut Behre helfen diese dann sofort und machen genau das Gleiche, was später auch die körpereigenen Antikörper machen: Sie verhindern, dass die Viren in die Zellen eindringen.

Chefarzt zieht positive Bilanz

Im Klinikum Dessau wurden bisher 350 Patienten mit den Antikörpern behandelt, die Hälfte davon ambulant und 53 Prozent stationär. Von den 350 Patienten sind elf Personen verstorben. Das entspricht drei Prozent. Sieben dieser elf Personen sind zuvor auf die Intensivstation verlegt worden. Das entspricht in Bezug auf die Gesamtzahl 350 gerade einmal zwei Prozent. Dem Chefarzt zufolge ist das ein geringer Anteil.

Daneben gibt es noch einen weiteren Vorteil: Behre konnte feststellen, dass die Krankenhausverweildauer deutlich gesunken ist. Sie hat sich von 17 auf acht Tage halbiert. Das hat zur Folge, dass die Patienten wesentlich eher entlassen werden können.

MDR (Stephan Heise, Nicole Franz)

Dieses Thema im Programm: MDR Echt | 12. Januar 2022 | 21:15 Uhr

6 Kommentare

izza vor 1 Wochen

Meine Frage an die Redaktion oder den Autor, war der Herr der glücklicherweise erfolgreich behandelt wurde, zweifach, einfach oder garnicht zuvor geimpft? Es wäre ja nicht nach meinem Geschmack unwissend über einen Vernunftverweigerer zu sprechen, zumal eben die Risikopatienten zu Beginn der Impfungen priorisiert wurden.

O.B. vor 1 Wochen

Beobachter, "...irgendeiner oder Sie..,"🤣
Oh je. Ist das echt so schwer zu verstehen das es Menschen gibt die lieber behandelt werden als vorzusorgen? Wenn das Medikament wirklich das hält was es verspricht, kann ein geimpfter oder ungeimpfter behandelt werden ohne intensiv und beatmung. Keine impfpflicht keine Demos kein Stress. Leute wie Sie geben nicht auf das Haar in der Suppe zu suchen werfen es aber anderen vor. Der ungeimpfte der vor der Wahl steht ob Medikament oder Schlauch wird sich wohl fürs Medikament entscheiden. Wenn nicht dann ist ihm wahrlich nicht zu helfen aber das ist dann eh ein Fall für einen Psychiater und keiner den man mit Argumenten erreicht. Versuchen Sie es doch mal mit positiven denken ohne ständig andere schlecht zu machen oder aber ihre Überzeugung aufdrücken zu wollen.

DER Beobachter vor 1 Wochen

Medikamentös behandeln müssen, was man durch (Eigen-) Vorsorge einfach hätte verhindern oder wenigstens behindern/einschränken können? Ja, das ist die bekannte Hoffnung der Vernunftverweigererfans. Aber irgendeiner oder Sie werden schon noch irgendwas "als Haken" dran finden. Mein Gott, was kam da alles aus der Ecke, seit uns das Virus verfolgt. Ansonsten auch: weiter so, Dessau!

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