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Neue MethodeAntikörpertherapie gegen schweren Coronaverlauf

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 12. Januar 2022, 18:05 Uhr

In Dessau gibt es Hoffnung in der Corona-Pandemie: Das Klinikum behandelt infizierte Risikopatienten mit Antikörpern. So können in vielen Fällen schwere Verläufe und ein Aufenthalt auf der Intensivstation verhindert werden. Die Ärzte in Dessau zeigten sich mit den Ergebnissen des Tests zufrieden.

Orlando Fröhlich ist 40 Jahre alt, Werbekaufmann und Vater. Im November machte er nach anfänglichen Grippesymptomen einen Corona-Test, der positiv war. Seine Symptome verschlechterten sich täglich. Bereits nach drei Tagen hörte er über Bekannte von der Antikörpertherapie in Dessau. Doch er entschied sich zunächst dafür abzuwarten. Erst als er mehrerer Tage in Folge hohes Fieber hatte, rief er im Klinikum Dessau an.

Orlando Fröhlich hat eine Corona-Infektion und eine Antikörpertherapie hinter sich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Asthmatiker ist Fröhlich Risikopatient und hat somit die Chance auf eine Antikörper-Behandlung in der Klinik. Das Medikament kann er aber erst bekommen, wenn in seinem Blut noch keine Antikörper nachgewiesen sind und die Infektion noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Er hat Glück, kann das Medikament nutzen. Bereits am Tag nach der Infusion geht es ihm etwas besser.

Behandlung mit Corona-Antikörpern

Das Städtische Klinikum Dessau gehört zu den ersten Kliniken Deutschlands, die das Coronavirus mit monoklonalen Antikörpern behandelt. Chefarzt Gerhard Behre erklärt, dass die Antikörper dabei an die Spikeproteine der Viren andocken und somit verhindern, dass diese in die Zellen eindringen. Die Antikörper werden mit Kochsalzlösung verdünnt per Infusion verabreicht. Die Antikörper können allerdings nur wirken, wenn die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten ist.

Die Patienten müssen wirklich noch eher kommen. Ich kann nur appellieren, wenn man einen positiven PCR-Test und noch nicht länger als sieben Tage Symptome hat, sollte man sich beim Arzt vorstellen, weil dann greift diese Antikörpertherapie.

Gerhard Behre, Chefarzt am Klinikum Dessau

Nur wenn frühzeitig reagiert wird, könne man die Viren noch daran hindern, sich zu vermehren, erklärt Behre weiter. Die Antikörpertherapie gibt es momentan nur für Patienten mit Risikofaktoren.

Medikament aus Antikörpern

Die Technologie der monoklonalen Antikörper gibt es schon relativ lange und wird vielen Bereichen der Medizin angewandt. Dafür werden die Antikörper künstlich im Reagenzglas hergestellt und den Patienten als Infusion verabreicht. Laut Behre helfen diese dann sofort und machen genau das Gleiche, was später auch die körpereigenen Antikörper machen: Sie verhindern, dass die Viren in die Zellen eindringen.

Chefarzt zieht positive Bilanz

Im Klinikum Dessau wurden bisher 350 Patienten mit den Antikörpern behandelt, die Hälfte davon ambulant und 53 Prozent stationär. Von den 350 Patienten sind elf Personen verstorben. Das entspricht drei Prozent. Sieben dieser elf Personen sind zuvor auf die Intensivstation verlegt worden. Das entspricht in Bezug auf die Gesamtzahl 350 gerade einmal zwei Prozent. Dem Chefarzt zufolge ist das ein geringer Anteil.

Daneben gibt es noch einen weiteren Vorteil: Behre konnte feststellen, dass die Krankenhausverweildauer deutlich gesunken ist. Sie hat sich von 17 auf acht Tage halbiert. Das hat zur Folge, dass die Patienten wesentlich eher entlassen werden können.

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MDR (Stephan Heise, Nicole Franz)

Dieses Thema im Programm:MDR Echt | 12. Januar 2022 | 21:15 Uhr

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