Dessau und Altmark Eichenprozessionsspinner wird bekämpft – am Boden und aus der Luft

Der Sommer rückt näher – und mit ihm der Eichenprozessionsspinner. Der Schädling wird in Sachsen-Anhalt seit Jahren bekämpft. Dafür sind unter anderem Helikopter unterwegs – seit Mittwoch auch in der Altmark.

Von einem Fahrzeug aus wird an der B 102 zwischen Bückwitz und Kampehl ein mit Wasser vermischtes biologisches Insektizid gegen Eichenprozessionsspinner zwischen die Blätter und Äste der am Straßenrand wachsenden Eichen versprüht
In mehreren Orten Sachsen-Anhalts wird ein Biozid gegen den Eichenprozessionsspinner eingesetzt. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt geht die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in eine neue Runde. Wie die Stadt Dessau-Roßlau mitteilte, wird der Schädling bereits seit Anfang Mai vom Boden aus bekämpft. Eine Spezialfirma begann zudem am Montag damit, per Helikopter eine Fläche von insgesamt 250 Hektar Wald mit einem Biozid besprühen – vor allem im Osten und Süden von Dessau.

Aktionen auch in der Altmark

Seit Mittwoch sollen die gefährlichen Raupen zudem im Landkreis Stendal sowie im Altmarkkreis Salzwedel aus der Luft bekämpft werden. Nach Angaben des Landratsamtes wird dabei ein biologisch abbaubares Präparat versprüht, das die Schädlinge dazu bringt, nicht mehr zu fressen. Sie gehen dann innerhalb weniger Tage ein.

Von den Aktionen ist unter anderem die Stadt Tangerhütte betroffen. Der Bereich rund um den Wildpark Weißewarte wird nach Angaben der Stadt ebenfalls am Mittwoch überflogen und für diese Zeit sowie zwölf Stunden nach dem Einsatz gesperrt.

Darum ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich

  • Der Eichenprozessionsspinner ist ein Falter. Die Larven und Raupen können vor allem im Frühjahr ganze Eichenwaldgebiete kahl fressen. Tritt so ein Kahlfraß mehrere Jahre hintereinander auf, kann der Schädling Bäume und ganze Wälder exiztentiell gefährden.
  • Außerdem kann der Eichenprozessionsspinner gesundheitsgefährend sein. Die "Spiegelhaare", die er ab dem dritten Larvenstadium bildet, haben Widerhaken. Sie führen bei Menschen und Tieren zu Entzündungen der Haut, der Augen und der Atemwege. Die Ursache ist ein Nesselgift – das Thaumetopoein.
  • Seit einigen Jahren breitet sich der Eichenprozessionsspinner in Deutschland immer weiter aus. Das wämeliebende Insekt fühlt sich bei den steigenenden Temperaturen sehr wohl hier.

Bäume werden gezielt behandelt

Zuvor waren die Raupen auch in der Altmark vom Boden aus bekämpft worden. Dabei wurden einzelne Bäume gezielt behandelt. Seit der vergangenen Woche wird der Eichenprozessionsspinner zudem mit Fadenwürmern bekämpft. Die Würmer gehen gegen die Raupen des Falters vor.

Forstbezirksleiter Thomas Herrmann bespricht an einem Hubschrauber vom Typ AS350 mit Pilot Steffen Becher die Flugroute über einem Eichenwald
Aus der Luft wird der Eichenprozessionsspinner mit Hubschraubern wie diesem bekämpft. Bildrechte: dpa

In den beiden nördlichen Landkreisen werden die Wälder seit etwa zehn Jahren regelmäßig besprüht. Das hat die Situation den Angaben zufolge bereits deutlich verbessert.

Symptome: Härchen des Schädlings können zu Ausschlag führen

Wer als Mensch oder Tier mit den Härchen des Eichenprozessionsspinners in Berührung kommt, kann im Anschluss Entzündungen der Haut, der Augen oder der Atemwege davon tragen. In Dessau-Roßlau hatten im vergangenen Jahr innerhalb eines Wochenendes 100 Menschen über Hautausschläge geklagt.

Im Podcast "Was bleibt" berichtete MDR SACHSEN-ANHALT im Sommer 2021 über die Ausschläge, die der Eichenprozessionsspinner in Dessau ausgelöst hatte.

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MDR (Luca Deutschländer, Fabienne von der Eltz, Kalina Bunk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Mai 2022 | 07:30 Uhr

3 Kommentare

Dorfmensch vor 7 Wochen

Im Beitrag wird über den Einsatz von Bioziden (gut) zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners informiert.
Wertes MDR-Team, bitte klären Sie doch bitte den Leser darüber auf, dass es sich hier um Insektizide handelt. Wenn die Landwirte diese Mittel viel gezielter einsetzt, wird auch vom MDR der Begriff Pestizide (böse) exzessiv verwendet.

Burgfalke vor 7 Wochen

Da kann man nur hoffen, daß diese Bekämpfung ein Erfolg wird!

Frage am das MDR-team:

Was ist nun korrekt ?- Zitat: " In Dessau sind deshalb schon bald wieder Helikopter unterwegs. In der Bauhaus-Stadt .."

oder

Zitat: "In Dessau-Roßlau geht die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in eine neue Runde. Wie die Stadt ..."

"Dessau-Roßlau" ist gewiß der Verwaltungsname. Die Orte Dessau und Roßlau lagen/ liegen nach meiner Erinnerung ca. 10 oder mehr km auseinander. Sind denn zwischenzeitlich so viele Gebäude errichtet worden, daß die Ortsgrenzen aufgehoben wurden oder bestehen beide Orte noch in ihren eigenen Ortsgrenzen?

Ich ärgere mich immer wieder, wenn nicht der tatsächliche Ort genannt wird. Bei Veranstltungen möchte ich sofort wissen, ob ein bestimmtes Ereignis in Dessau oder in Roßlau stattfindet! Beide Orte kenne ich natürlich.

Warum wird so eine bekannte Stadt wie Dessau unnötig mit dem Gemeindenamen (Stadtgemeinde Dessau- Roßlau) "verunstaltet" bzw. gleichgesetzt?

goffman vor 7 Wochen

"Alle genannten Flächen würden für etwa einen Tag voll gesperrt, weil das Biozid laut Stadt Haut- und Augenreizungen auslösen könnte."
Was ist mit anderen Tieren im betroffenen Gebiet?
Und schaden wir damit nicht auch den Fressfeinden des Prozessionsspinners?

So wie ich das sehe, ist das wiedermal ein hausgemachtes Problem. Der massive Insekten- und Vogelschwund in den letzten Jahren führt nicht dazu, dass alle Arten gleichermaßen weniger werden, sondern reduziert die Biodiversität und ermöglicht es einzelnen Arten sich bei günstigen Bedingungen ohne Fressfeinde massiv zu vermehren - und damit gegebenenfalls zu einem Problem zu werden.

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