Mord an Alberto Adriano "Tag der Erinnerung": Gedenken an Opfer von Rassismus

In Dessau und anderen Städten wurde am Donnerstag Opfern von Rassismus und rechter Gewalt gedacht. Vor zwanzig Jahren verprügelten drei Rechtsextreme den Schwarzen Alberto Adriano im Stadtpark, der drei Tage später an den Verletzungen starb. Außerdem wurden Blumen für den ermordeten Obdachlosen Hans-Joachim Sbrzesny niedergelegt.

Ermordeter Mosambikaner Alberto Adriano
Alberto Adriano wurde vor 20 Jahren im Dessauer Stadtpark gewaltsam getötet. Bildrechte: dpa

Die Stadt Dessau-Roßlau hat am Donnerstag an Alberto Adriano erinnert, der vor 20 Jahren von Rechtsextremisten verprügelt und tödlich verletzt wurde. Im Gedenken an die Opfer von Rassismus und Rechtsextremismus wurden zum "Tag der Erinnerung" Kränze und Blumen in ganz Sachsen-Anhalt, unter anderem in Halle, Magdeburg, Halberstadt und Quedlinburg, niedergelegt.

Rassistischer Mord im Dessauer Stadtpark vor 20 Jahren

In Dessau wurde ein Kranz an der Adriano-Gedenkstele im Stadtpark niedergelegt. Der Mosambikaner war dort am 11. Juni 2000 von drei Männern angegriffen worden. Adriano war drei Tage nach der Attacke der rechtsextremistischen Männer an seinen Verletzungen gestorben. Die Täter, der älteste damals 24 Jahre alt, wurden vom Oberlandesgericht Halle im Jahr 2000 zu einmal lebenslänglich und zweimal neun Jahren Haft verurteilt.

Alberto Adriano war in den Achtziger Jahren Vertragsarbeiter in der DDR. Er lebte mit seiner Frau und drei Kindern in Dessau und ist 39 Jahre alt geworden.

Bei der Gedenkveranstaltung in Dessau waren unter anderem Staatssekretärin Susi Möbbeck und Bundestagsabgeordneter Karamba Diaby dabei. Wegen der Coronamaßnahmen war die Teilnehmerzahl begrenzt.

"Tag der Erinnerung" findet großteils online statt

Der Dessauer Verein Multikulturelles Zentrum hatte wegen der Coronapandemie Aktionen im Internet organisiert. Unter anderem veröffentlichte er der Webseite WarumAdriano.de eine Audioproduktion über Alberto Adriano und die Situation von Vertragsarbeitern in den 1980er und 1990er Jahren. Organisatoren vom Multikulturellen Zentrum in Dessau riefen aber Bürgerinnen und Bürger dazu auf, selbst Blumen an die Tatorte im Stadtpark und am Hauptbahnhof zu bringen.

Außerdem hatte der Verein eine virtuelle Weiterbildung zu Alberto Adriano und den Erfahrungen (ehemaliger) Vertragsarbeiter in der DDR angeboten. Ein Zeitzeuge, der ebenfalls als Vertragsarbeiter aus Mosambik kam sowie Historikerinnen und Historiker hielten das Webinar.

Über die Twitter-Hashtags #tagdererinnerung und #warumadriano sammelte der Verein Fotos und Beiträge zum Gedenken.

Gedenken auch an Obdachlosen Hans-Joachim Sbrzesny

Am "Tag der Erinnerung" wurde in Dessau am Hauptbahnhof auch dem getöteten Obdachlosen Hans-Joachim Sbrzesny gedacht. Er gilt ebenfalls als Opfer rechter Gewalt. Sbrzesny war am 1. August 2008 von zwei Männern brutal misshandelt worden und starb am Tatort.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Juni 2020 | 12:30 Uhr

2 Kommentare

Mini Matz am 12.06.2020

Das stimmt doch überhaupt nicht! Ich erinnere an die ausführliche Berichterstattung über die feigen Anschläge auf Karamba Diaby oder die Synagoge in Halle.

wo geht es hin am 12.06.2020

Es ist vollkommen in Ordnung, wenn an derartige Verbrechen erinnert und auch gemahnt wird. Was ich aber bis jetzt noch nicht ein einziges mal erlebt habe, dass hier beim MDR (wahlweise viele andere Medien) jemals Opfer rassistischer Gewalt gegen Deutsche zu Wort gekommen, geschweige denn, an diese erinnert wurde. Noch nicht mal eine adäquate Berichterstattung darüber gibt es - höchstens der berühmt - berüchtigte "Ein Mann" kommt immer wieder vor. Und da gäbe es sehr, sehr viel zu berichten...aber da ist ja auch ganz offensichtlich nicht gewollt - die Menschen könnten das Rassismusproblem plötzlich auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Nö, DAS will (darf?) man nicht.

Mehr aus Dessau-Roßlau, Anhalt und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt