Geplantes Theater-Projekt Hallervorden will Dessauer Marienkirche als Theater nutzen

Schauspieler Dieter Hallervorden will in seiner Geburtsstadt Dessau für fünf Jahre eine Theaterreihe umsetzen. In Berlin betreibt er bereits erfolgreich zwei private Theater. Als Veranstaltungsort für sein "Mitteldeutsches Theater" hat er die Dessauer Marienkirche ins Auge gefasst. Das stößt jedoch teilweise auf Ablehnung.

Szenenfoto: Dieter Hallervorden steht hinter einem Gatter.
Der 86-jährige Didi Hallervorden möchte seiner Geburtsstadt Dessau mit seinem Theater-Projekt etwas zurückgeben. Bildrechte: MDR/ARD Degeto/Neue Schönhauser Filmproduktion/Bernd Spauke

Schauspieler und Kabarettist Dieter Hallervorden hat für sein Theater-Projekt in Dessau die Marienkirche als Veranstaltungsort ins Auge gefasst. Das ehemalige Gotteshaus ist ein Veranstaltungsgebäude und für Hallervordens Pläne ideal: Es hat eine gute Klangkulisse, ist saniert, zentral gelegen und in der Nähe gibt es ausreichend Parkplätze.

Dessaus 86-jähriger Ehrenbürger hat langfristige Pläne. Er betreibt bereits in Berlin zwei private Theater und möchte sich nun auch in Dessau für fünf Jahre einbringen. Geplant sind 160 Vorstellungen pro Jahr – Theaterstücke, Konzerte und auch Lesungen mit vielen namhaften Gästen. Dessau soll ein Kultur-Geheimtipp werden. Hallervorden ist laut MDR-Reporter André Damm stolzer Dessauer geblieben, wolle Dessau etwas zurückgeben und erstklassige Kultur in die Stadt holen.

Mögliche Konkurrenz für andere Spielstätten

Kritische Stimmen sagen, dass Dessau bereits sehr gute Spielstätten habe, beispielsweise das Anhaltische Theater. Einige Stadträte fragen sich deshalb, ob sie sich zusätzliche Konkurrenz in die Stadt holen würden. Die Stadträte können entscheiden, ob Hallervorden die Marienkirche mieten darf. Denn die Stadt Dessau hat für die Marienkirche einen Erbpachtvertrag mit der Kirche geschlossen, der bis 2091 gilt.

Stadtansicht mit Residenzschloss Dessau auch Stadtschloss Dessau dahinter Marienkirche und Rathaus
Die Marienkirche ist kein Gotteshaus mehr, sondern Veranstaltungsort. (Archivbild) Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig kann sich nicht damit anfreunden, das frühere Gotteshaus über so einen langen Zeitraum zu vermieten. Er fühlt sich als Eigentümer der Kirche übergangen. MDR SACHSEN-ANHALT sagte er: "Die entwidmete Marienkirche ist ein Veranstaltungsort für viele ganz unterschiedliche Situationen. Das wäre außerordentlich schade, wenn dieser Veranstaltungsort verloren ginge."

Argumentation der Kirche nicht nachvollziehbar

Dessaus Oberbürgermeister Robert Reck kann die Argumentation der Kirche nicht nachvollziehen. Hallervorden würde die Marienkirche nur an 160 Tagen benötigen. 200 Tage würden immer noch zur Verfügung stehen, zum Beispiel für Tanzvereine, Adventsmarkt und das Kurt-Weill-Fest. Zudem sieht Beck keine Konkurrenz zu den anderen Spielstätten, da die Programme unterschiedlich genug seien.

Dieter Hallervorden mit Dessaus Oberbürgermeister Robert Reck.
Dieter Hallervorden mit Dessaus Oberbürgermeister Robert Reck im vergangenen Jahr. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Eigentlich hatte Hallervorden seine Veranstaltungsreihe schon Ende letzten Jahres in Dessau starten wollen. Sein Plan war es, erst einmal für drei Monate das Veranstaltungsgebäude am Dessauer Hangar zu mieten. Es waren allerdings Kosten von 80.000 Euro im Gespräch. Das war dem Künstler zu teuer. Die Miete für die Kirche sei nach Angaben eines MDR-Reporters vermutlich bedeutend preiswerter und damit eine ausgezeichnete Alternative.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 21. Januar 2022 | 06:45 Uhr

3 Kommentare

DER Beobachter vor 16 Wochen

Ich stimme Ihnen zu, obwohl ich Dessau nur von so 5 Tagesausflügen seit meiner bewussten Kindheit kenne. Dabei hat Dessau (eben Bauhaus, Junkers, nebst nahem Wörlitzer Park...) fast "mehr zu bieten" als andere mitteldeutsche Städte vergleichbarer Größe und scheint sich diesbezüglich mehr zu engagieren als solche. Als bekennender amtskirchenkritischer Christ sage ichs mal so: Wenn Kirchen mangels Gemeinde entwidmet werden müssen und die Kirche das bisher mittrug, finde ich das Beharren des Kirchenpräsidenten zumindest erstaunlich. Diese Kirche scheint ja bereits offen zu sein für Kultur etc. in jeder Hinsicht. Ob Hallervorden mit so 160 Einmietungen "seichter Kultur" dahin passt und wirtschaftlich erfolgreich ist, oder ob man mit "Hochkultur" das entwidmete Haus füllen kann, oder wie auch immer, steht noch auf einem anderen Blatt...

thoralf1 vor 16 Wochen

Ich wußte gar nicht, dass er Dessauer ist.

Ich habe insgesamt über 6 Jahre in Dessau gelebt, 1,5 Jahre NVA und 10 Jahre später durch den A9 Ausbau.

Eine wirklich schöne Stadt, nur einfach schade was durch den gesamten Bevölkerungsverlust aus ihr geworden ist. Hatten damals auch einen wirklich super Bürgermeister! Hätte meine Frau dort Arbeit gefunden, wären wir sehr gerne geblieben. Aber das ist schon 25 Jahre her. Komme aber regelmäßig wieder hin, Junkersmuseum, Bauhausmuseum und auch Einkaufen in der Rathauspassage wie früher.

Aber wieder zum Thema, es ist doch wirklich gut, wenn sich jemand engagiert. Und auch wenn er nur die Stadt wieder ins Gespräch bringt!

Karl-W vor 16 Wochen

Baut die Kirchen um. Da geschieht dort wenigstens kein Kindermissbrauch mehr. Die Kultur ändert sich sowieso gerade.

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