Produktion wird ausgebaut Dessau: IDT Biologika stellt jetzt Corona-Totimpfstoff her

Die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau hat angekündigt, einen Totimpfstoff herstellen zu wollen. Die Verträge mit dem französischen Hersteller Valneva seien am Wochenende unterzeichnet worden. Am Standort Dessau werden unter anderem deswegen die Produktionskapazitäten deutlich erweitert.

Der Blick in die Impfstoffabfüllung ist bei laufender Produktion nur hinter der Glasscheibe möglich. Mitarbeiter bereiten die Linie für die Abfüllung des SARS-CoV-2-Impfstoffkandidaten vor.
In Dessau soll bei IDTR Biologika ein Totimpfstoff hergestellt werden. Bildrechte: IDT Biologika

IDT Biologika im im Pharmapark Dessau hat den Auftrag erhalten, einen der ersten Totimpfstoffe gegen Corona herzustellen. Die Pläne des Pharma-Auftragsfertigers wurden am Donnerstag in Anwesenheit von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vorgestellt. Die entsprechenden Verträge mit der französischen Firma Valneva seien am Wochenende unterschrieben worden. Valneva hat den Impfstoffkandidaten Vla2001 entwickelt.

So funktioniert ein Totimpfstoff

Das Prinzip, abgetötete Viren als Impfung gegen Infektionen zu verwenden, ist altbekannt. Impfstoffe gegen Polio und die Kinderlähmung beruhen darauf, aber auch Impfungen gegen Tetanus oder Keuchhusten. Für Totimpfstoffe werden Viren in Zellkulturen vermehrt und dann chemisch so beschädigt, dass zwar die Viruspartikel erhalten bleiben, die Viren aber ihre Infektions- und Vermehrungsfähigkeit verlieren. Diese Virus-Eiweiße werden zusammen mit Verstärkern gespritzt.

Deswegen erweitert IDT Biologika seine Produktionskapazitäten am Standort Dessau. Im Zuge der Investitionen von 100 Millionen Euro sollen rund 350 Arbeitsplätze entstehen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. IDT-Geschäftsführer Jürgen Betzing sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir haben jetzt 150 neue Stellen geschaffen. 2022/23 kommen weitere 200 Mitarbeiter dazu." Er gehe davon aus, dass sich damit die Produktionsmenge verdoppelt. IDT Biologika will demnach in Dessau den Wirkstoff für den Corona-Totimpfstoff herstellen, die Abfüllung ist in Schweden geplant.

Laut Haseloff arbeiten im Pharmapark Dessau 2.500 Beschäftigte, allein 1.800 davon bei IDT. Haseloff sagte bei seinem Besuch in Dessau-Roßlau: "Wir haben auf das richtige Pferd gesetzt. Die Region kann stolz sein."

Ein Porträt-Foto von Virologe Alexander Kekulé. 47 min
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MDR AKTUELL Sa 15.01.2022 10:35Uhr 46:46 min

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Start der Produktion soll Anfang 2023 sein

Die neuen Einheiten zur Herstellung von Impfstoffen und Biopharmazeutika sollen Anfang 2023 an den Start gehen. Der Dessauer Auftragsfertiger produziert schon für den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson und die britische Firma Astrazeneca deren Covid-19-Impfstoff.

Vla2001 soll neue Argumente in Impfdebatte liefern

Ministerpräsident Haseloff verknüpft mit der Entwicklung einige Hoffnungen. Gerade mit Blick auf die Impfdebatte könne ein Totimpfstoff wie Vla2001 neue Argumente liefern. Die Forderung von "bisher nicht Impfbereiten" nach einem "Standard, den wir seit vielen Jahren und Jahrzehnten kennen", könne nun erfüllt werden.

Eigener Impfstoff soll 2023 zugelassen werden

Unterdessen wurde bekannt, dass IDT Biologika auf eine EU-Zulassung des eigenen Corona-Impfstoffes ab 2023 hofft. Ende 2020 hatte die Firma noch ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für das Medikament bis Ende 2021 in Aussicht gestellt.

Bereits seit 2020 arbeite IDT zusammen mit einem wissenschaftlichen Konsortium an dem neuen Impfstoff, sagte Simone Kardinahl, Entwicklungsleiterin bei IDT, am Donnerstag. Aktuell befinde sich der Vektor-Impfstoff noch in der Prüfung in einer sogenannten Phase I-Studie. Für ein Zulassungsverfahren sind Daten aus einer Phase III-Studie nötig.

rtr, MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR UM 11 | 20. Januar 2022 | 11:00 Uhr

9 Kommentare

Simone vor 17 Wochen

@Freies Moria
Komisch, dass sie bei den Meldungen über Grippewellen in der Vergangenheit nie Stimmung gegen den Grippeimpfstoff gemacht haben.

Hauptsache die Impfstoffe schützen vor schwerem Verlauf oder massiven Hospitalisierungen. Wenn man dann vom Virus ger nichts merkt - super! Wenn einem trotzdem die Nase läuft, dann ist das immer noch ein bombastischer Schutz, außer natürlich für Impfverweigerer.

Caramba vor 17 Wochen

@O.B.
Und schon ist der erste da, der wie von Simone prophezeit mit mit einer Ausrede daher kommt, warum auch dieser Impfstoff angeblich für ihn nichts ist. Ich denke die Fachwissenschaftler die mit der Entwicklung und der Zulassung dieses Impfstoffes befasst sind gehen rationaler an das Thema heran, als einer der wie sie permanent gegen alles wettert, was die Pandemie schneller beenden könnte.


O.B. vor 17 Wochen

Noch ein langer Weg wie man aus dem Bericht herausliest. Ich würde es gut finden wenn man uns auf dem laufenden hält was das Medikament angeht. Wenn das hält was erste Tests gezeigt haben dann haben wir was womit wir aus der pandemie kommen. Wie Herr Lauterbach selber sagt kann eine auffrischung alle 3 Monate keine Lösung sein. Wenn aber erkrankte erfolgreich behandelt werden können ist Land in Sicht.

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