Fischtreppe in Dessau Die Wanderung der Fische am Muldewehr

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Seit einem Jahr hat Dessau eine Fischtreppe an der Mulde. Sie sorgt dafür, dass die Lachse ungehindert flussaufwärts wandern können. Sieben Millionen Euro hat das Bauwerk gekostet. Am Sonntag nutzten viele Dessauer die Einladung, sich das sonst eingezäunte Bauwerk bei einer Führung näher anzusehen – so auch MDR SACHEN-ANHALT-Reporterin Grit Lichtblau.

Ein Flussarm.
Die Treppe, die eigentlich keine ist: Über diesen Nebenarm können Fische auf etwa 200 Metern Länge einen Höhenunterschied von etwa zwei Metern überwinden. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Wegen ihrer Kosten war sie lange Zeit ein umstrittenes Bauwerk in Dessau: die Fischtreppe an der Mulde. Sieben Millionen Euro hat sie gekostet. Seit gut einem Jahr ist sie fertig und so können die Lachse nun auch flussaufwärts schwimmen.

Das Muldewehr war für sie, wie auch für alle anderen wandernden Fische, stets ein unüberwindbares Hindernis, denn kein Fisch kann so hoch springen. Daher wurde in Dessau schon lange eine Fischtreppe geplant. Doch es gab immer wieder Schwierigkeiten. Erst im September 2015 begann unter der Regie des Landesamtes für Hochwasserschutz der Bau der Anlage.

Für Besucher sonst nicht zugänglich

Menschen stehenan einer sogenannten Fischtreppe und schauen in einen Fluss.
Eingentlich nicht für Besucher zugänglich, fand die Führung an der Fischtreppe am Muldwehr am Sonntag viel Zuspruch. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Seit Oktober vergangenen Jahres ist die Fischtreppe offiziell eingeweiht. Allerdings ist das Areal eingezäunt und normalerweise nicht zugänglich. Trotz der Minusgrade an diesem Sonntagmorgen ist das Interesse der Dessauer an dem technischen Bauwerk groß. 

Dick angezogen umringen die Interessierten die Exkursionsleiter Frank Torger vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft und Andreas Regner vom Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe. Die geben zunächst einen kurzen historischen Abriss und zeigen Fotos von riesigen Fischen, die einst in der Mulde gefangen wurden. Natürlich nicht zu DDR-Zeiten, denn da war die Mulde ein dreckiger, stinkender Fluss, erinnern ich noch viele Dessauer.

Zwei Möglichkeiten zum Einstieg

Bei der Führung erläutern die beiden Experten auch die Funktionsweise der Fischtreppe. Am Muldewehr gibt es zwei Einstiegsmöglichkeiten für die Fische. Direkt unterhalb des Wehres ist die Strömung noch sehr stark. Hier kommen auch die starken und kräftigen Fische rein. Diejenigen mit weniger Kraft nehmen den etwas ruhigeren Einstieg weiter unten. Dann beginnt die eigentliche Treppe, die natürlich keine Treppe im herkömmlichen Sinn ist. Sie ist eine Art kleiner, mit Steinen gefüllter Nebenarm, der auf einer Länge von gut 200 Metern einen Höhenunterschied von etwa zwei Metern überwindet. Oben angekommen, können die Fische in die Mulde zurückkehren und ihren Weg fortsetzen.

Lachse sieht an diesem sonnigen Sonntagmorgen jedoch keiner der Besucher. Bislang gebe es auch noch keine Zahlen, wie viele tatsächlich bei den alljährlichen Lachswanderungen im Dessauer Muldeabschnitt unterwegs wären, erklärt Andreas Regner. Um genaue Zahlen zu bekommen, soll es im kommenden Jahr jedoch erstmals ein Monitoring geben. Insgesamt würden derzeit in der Mulde rund 47 Fischarten leben, so der Experte.

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Grit Lichtblau kommt aus Dessau-Roßlau und arbeitet seit 2001 für das MDR-Studio in Dessau. Als Reporterin ist sie in Anhalt und Wittenberg unterwegs. Erstmals am Mikro war sie bei energy Sachsen in Leipzig, wechselte dann zu Radio SAW - und von dort zu MDR SACHSEN-ANHALT. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind die Sandstrände an der Elbe und der Elberadweg.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. November 2018 | 07:10 Uhr

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