Von der Metropole aufs Land Mosigkauer will Unternehmer aus aller Welt nach Anhalt holen

Eine blonde Frau mit Brille
Bildrechte: Carina Emig

Wenn die Pandemie eines gezeigt hat, dann, dass viele Menschen nicht zwingend zur Arbeit müssen, sondern die Arbeit dort mit hinnehmen können, wo es schön ist. Der Mosigkauer Sebastian Rumberg hat das bereits vor Corona erkannt, ist 2017 von Berlin aufs Land gezogen – und holt nun erfolgreiche Gründer, Start-Ups und Unternehmen aus der Tech-Branche in die beschauliche Region Dessau-Roßlau.

Ein Mann und eine Frau im Garten
Sebastian Rumberg und seine Frau Franziska sind von Berlin nach Mosigkau gezogen und wollen nun andere Unternehmer für das Landleben begeistern. Bildrechte: MDR

Seit vier Jahren lebt und arbeitet Sebastian Rumberg auf einem Bauernhof im idyllischen Mosigkau, einem Ortsteil von Dessau-Roßlau. Dort kümmert er sich nicht nur um seine Familie inklusive Haustiere und den Garten. Sebastian Rumberg ist vor allem Unternehmensberater.

Ein Mann sitzt vor Bildschirmen am Schreibtisch
Von seinem Mosigkauer Office aus berät Sebastian Sebastian Rumberg Konzerne in der ganzen Welt. Bildrechte: MDR

In seinem Büro gründet er Start-ups und entwickelt Kampagnen für Weltkonzerne wie Google oder Samsung und Prominente wie Arnold Schwarzenegger. Weil die IT-Branche und das Landleben für Sebastian Rumberg perfekt zusammenpassen, hat er die digitale Tech-Community "EVA" gegründet.

"EVA" holt Unternehmer nach Anhalt

"EVA" steht für "Entrepreneurs across Villages in Anhalt". Es ist ein gemeinwohlorientiertes Projekt, das Unternehmer und Mitarbeiter aus der Digitalbranche und ihre Familien nachhaltig in der Region rund um Dessau-Roßlau ansiedeln und die Region somit wirtschaftlich stärken will.

Luftaufnahme einer Stadt
Sebastian Rumberg will in der Region Dessau-Roßlau mindestens 280 Familien aus der Tech-Branche ansiedeln. Bildrechte: MDR

Die ländliche Gegend soll mithilfe von "EVA" zum wichtigen IT- und Digital-Standort werden. Die Idee kam Sebastian Rumberg, als er auf der Job-Plattform LinkedIn in wenigen Sätzen sein Leben beschrieb und fragte, wer sich das auch vorstellen kann. Die Resonanz auf diesen Post hat ihn überwältigt.

Von der Metropole aufs Land

Mehr als 1.000 Nachrichten und Anfragen hat Sebastian Rumberg erhalten. Sie kamen aus Berlin, Hamburg, London, Boston, Athen und vielen anderen Orten auf der ganzen Welt. Menschen, die diese Metropolen verlassen wollen und nach einem Platz sowie einer Community auf dem Land suchen, meldeten sich bei Sebastian Rumberg. Rund 300 von ihnen wollen das Landleben nun tatsächlich testen. Die Ersten sind bereits umgezogen.

Analoger Ausgleich zur digitalen Arbeit

Ein Mann, eine Frau und zwei Kinder
Sebastian und sein Frau Franziska holen ihre Kinder aus dem Waldkindergarten ab. Bildrechte: MDR

Letztlich brauchen Digitalarbeiter gar nicht viel, um aufs Land zu ziehen: schnelles Internet, die passende Immobilie und ein Mindestmaß an Infrastruktur. Im Arbeitsalltag sitzen die Unternehmer und Investoren vor allem vor dem Computer und beschäftigen sich mit Nullen und Einsen. Das Landleben bietet eine gute Abwechslung dazu, vor allem für Familien.

Die Kinder sollen naturnah und nachhaltig aufwachsen. Das gelingt auf dem Land besser als in den Metropolen.

Sebastian Rumberg
Zwei Männer und eine Frau gehen spazieren.
Sebastian Rumberg zeigt einer zugegzogenen Familie Mosigkau. Bildrechte: MDR

Interessierte Eltern nimmt Sebastian Rumberg unter seine Fittiche, lässt sie zur Probe bei sich wohnen und unterstützt sie. Vor vier Wochen sind so Podcast-Leiter Jan Schilling und Grundschullehrerin Lisa Robert mit ihrer Tochter Flora von Berlin nach Dessau gezogen. Weitere fünf Familien folgen in den nächsten Wochen.

MDR/Carina Emig, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Juni 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

DanielSBK vor 6 Wochen

"dass viele Menschen nicht zwingend zur Arbeit müssen, sondern die Arbeit dort mit hinnehmen können, wo es schön ist."

ICH arbeite seit Ende 2019 (die "Post"-Corona-Zeit) schon IMMER in einem Betrieb bzw. Werkhalle 40 Stunden + Überstunden bei 24 Tagen Urlaub im Jahr für knapp über dem Mindestlohn!!.... nix Homeoffice.

Dafür Werktäglich 50 Kilometer Autobahn A14 -> A2 und Bundesstraße pendeln, ne' Stunde im Stau stehen und für 300€ tanken im Monat!!

Und meine Kollegen und Bekannten, ja selbst welche die in der öffentlichen Verwaltung/Stadt einen Job haben - arbeiteten ebenfalls NICHT zu Hause! Nix Homeoffice - weil es wohl in der Verwaltung nix zu Hause zum abarbeiten gibt - aufgrund fehlender "digitaler Akten" ...

Willkommen in Deutschland 2021!

Homeoffice mit Cup-Cakes essen und Kaffe trinken scheint es nur in Berlin oder NRW und auch nur bei Menschen unter 25 und am besten noch Grün*innen-Wählern zu geben.

diepre vor 6 Wochen

Die Geschichte von Herrn Rumberg finde ich sehr interessant und wünsche ihm viel Erfolg. Er hatte sich ja auch aktuell als OB beworben. Er ist noch jung und sollte diese Ambitionen nicht aus dem Blick verlieren. Seine Wahlplakate stachen schon Mal hervor.
Ich gehöre zur älteren Generation und freue mich über solche Aktivitäten. So etwas brauchen wir hier!!!

SvensKitchen vor 6 Wochen

Eine sehr gute Idee. Ich wünsche viel Erfolg!
Andere Branchen sollten ähnlich nachziehen und mögliche Teile ihrer Firmen in Homeoffice schicken. Das Resultat wäre:
weniger Verkehr auf den Straßen und dadurch Umweltentlastung, weniger Stress bei Büromitarbeitern, zufriedenere Familien.
Wege zur Arbeit und zurück entfallen, dadurch mehr Zeit zum erholen. Ich bin vor einigen Jahren täglich 100 Km ins Büro gefahren und wieder zurück. Täglich über 3,5 Stunden Fahrzeit! Das sind zusammengerechnet über 5 Monate, die ich innerhalb von etwas über 4 Jahren im Auto verbrachte nur um ins Büro zu kommen. Der Lockdown hat bewiesen, dass die Mitarbeiter im Homeoffice mehr schaffen, da sie nicht von Kollegen abgelenkt werden. In der Bekanntschaft erlebte ich, dasy während des Homeoffice noch Zeit blieb den Haushalt zu machen, somit auch die Geisstige Abwechslung vorhanden ist und nach der Arbeitszeit mehr Zeit für Freizeit blieb.
Solche Ideen sind Vorreiter für die wirtschaftliche Zukunft!

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