Rechtsstreit sorgt für Baustopp Drei Zentimeter fehlende Dämmwolle verzögern Bau des Umweltbundesamts in Dessau

In Dessau-Roßlau stoppt ein Rechtsstreit erneut den Ausbau des Umweltbundesamtes. Es geht um drei Zentimeter Steinwolle, die in der Fassade fehlen und dadurch die Energie-Bilanz des Gebäudes verschlechtern. Durch den Baustopp steigen die Kosten immer weiter. Das Landgericht Magdeburg befasst sich derzeit mit dem Fall. Sollte es keine Einigung geben, droht sogar der Rückbau.

Umweltbundesamt in Dessau
Der Ausbau des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau verzögert sich durch einen Rechtsstreit weiter. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Der Ausbau des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau verzögert sich weiter. Grund ist ein Rechtsstreit zwischen Baufirma und Architektenbüro, wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte. Derzeit beschäftigt sich das Magdeburger Landgericht mit dem Fall.

Streitgrund sind drei Zentimeter dämmende Steinwolle. Die fehlen in der Fassade, was die Energie-Bilanz des Gebäudes deutlich verschlechtern würde. Ursprünglich war der Anbau als energetisches Vorzeigeprojekt geplant. Mit entsprechender Dämmung, Solarpaneelen und Nutzung von Erdwärme sollte das Gebäude mehr Energie produzieren, als es verbraucht.

Ohne Einigung droht Rückbau

Architektenbüro und Baufirma schieben sich nun gegenseitig die Schuld zu. Solange das Gerichtsverfahren läuft, darf auf der Baustelle nichts verändert werden. Letztlich könnte sogar ein Rückbau nötig sein.

Mit dem Bau des ökologischen Vorzeigegebäudes, in dem 110 Büroarbeitsplätze entstehen sollen, wurde 2016 begonnen. 2017 wurden Mängel festgestellt, im Februar 2018 wurde ein Baustopp verhängt.

Kosten steigen immer weiter

Die veranschlagten Baukosten in Höhe von 14,6 Millionen Euro werden sich weiter erhöhen, hieß es von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. In welchem Ausmaß, sei derzeit unklar. Allein für die Büroräume, die in der Zwischenzeit andernorts untergebracht werden müssen, würden pro Monat 13.000 Euro anfallen.

Theoretisch kann das Amt die Kosten dem jeweiligen Verlierer des Rechtsstreits in Rechnung stellen. Im Falle einer Niederlage ist es jedoch möglich, dass das Architektenbüro oder die Baufirma Insolvenz anmelden müssen. Dann würde der Staat auf den Mehrkosten sitzen bleiben.

MDR/André Damm, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. September 2021 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

Anni22 vor 3 Wochen

Das ärgert mich auch selber ;-) am Meisten . Das mit dem Co2-Aufschlag wird sofort umgesetzt und der Bürger zahlt und zahlt und zahlt. Wie viel Geld dann wirklich effektiv dem Umweltschutz zugute kommt, wann Projekte überhaupt realisierbar sind, das steht jedoch in den Sternen.

maheba vor 3 Wochen

Problem erkannt! Das Aufheizen des Gebäudes dauert aufgrund der guten Dämmung etwas länger als bei herkömmlichen Gebäuden aber dann kühlen sich diese aber wieder nur sehr langsam ab. Hier würde nur eine Klimatisierung helfen. Noch schlimmer ist es bei Niedrigenergiehäusern mit aktiver Belüftung. Diese muss ja in Betrieb sein und bringt damit, wenn keine Kühlung der Außenluft erfolgt, die Wärme in das Haus.
Bei großen, repräsentativen Gebäuden (Bahnhöfe, Hotels, ....) macht so etwas Sinn aber bei kleinen Einfamilienhäusern braucht man dies ganze Haustechnik nicht. Kostet nur Geld, kann kaputt gehen und funktioniert bei Hitze nicht.
Was für Kälte gut ist muss nicht für Wärme gut sein.

Nelke vor 3 Wochen

Tja. Eine problematische und aufwändige Ausschreibungspflicht, das billigste Angebot ist zu nehmen, Nachverhandlungen sind dabei grund-sätzlich nicht statthaft, kommt es zum Streitfall, so mangelt es an einer ausreichenden Zahl geeigneter Sachverständiger, die Gerichte sind überlastet...Das kostet halt...Abgesehen davon sind die Betroffenen, die einen streitgegenständlichen Gegenstand zu Beweiszwecken in dem Zustand vorhalten sollen in einer unglücklichen Lage. Und wenn nach der Verhandlung zum Gutachten ein Vergleich vorgeschlagen wird, stellen die Kontrahenten fest. daß die bereits angefallenen Kosten so hoch sind, das sich ein Vergleich jetzt nicht mehr lohnt...Früher baute man öffentliche Gebäude mit einem halben Meter dickem Mauerwerk für die Ewigkeit, heute soll die Dämmung dicker sein als die solide Wand, ob das immer so gut ist ?

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