Neun Jahre Haft und Sicherheitsverwahrung Nach Urteil: Revision im Dessauer Missbrauchs-Prozess eingelegt

Im Prozess um schweren Kindesmissbrauch hat das Landgericht Dessau vergangene Woche einen Mann zu neun Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Dagegen geht die Verteidigung nun vor. Jetzt muss der Bundesgerichtshof entscheiden, ob der Fall neu verhandelt wird.

Ein Angeklagter älterer Mann nimmt hinter der Anklagebank Platz.
Das Landgericht Dessau hat einen 45-Jährigem wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu neun Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Der Prozess um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern in Dessau könnte neu aufgerollt werden. Der verurteilte 45-Jährige hat über seinen Verteidiger nun Revision eingelegt. Der Dessauer war vor einer Woche vom Landgericht Dessau-Roßlau wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern über zwei Jahrzehnte hinweg zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Zudem hatten die Richter eine anschließende Sicherungsverwahrung für den 45-Jährigen angeordnet.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der 45 Jahre alte Dessauer im Zeitraum von 2000 bis 2020 immer wieder an vier Jungen vergangen hat. Der Mann habe stets ein Vertrauensverhältnis zu Kindern aus schwierigen familiären Verhältnissen aufgebaut und später ausgenutzt. Er soll zudem die Missbrauchshandlungen gefilmt, die Videos ins Internet gestellt und auf einschlägigen Plattformen zum Tausch angeboten haben.

Verteidigung hatte sechs Jahre Haft gefordert

Die Verteidigung geht nun gegen das Urteil der Richter vor. Sie hatte sechs Jahre Freiheitsstrafe für angemessen gehalten und sich für eine spätere Entscheidung über die Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Nun soll der Bundesgerichtshof entscheiden, ob es bei dem Urteil bleibt, oder ob neu verhandelt wird.

Der bislang nicht vorbestrafte Mann hatte die Taten im Prozess weitgehend eingeräumt. Er gab zu, sich über 20 Jahre immer wieder an vier Jungen vergangen zu haben.

Ermittlungen auch in Australien und Großbritannien

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT waren Ermittler in Australien und Großbritannien dem Täter auf die Schliche gekommen. Auch das Bundeskriminalamt war an den Ermittlungen beteiligt. Durch ihre Hinweise konnte die Polizei den Verdächtigen in Dessau ausfindig machen

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MDR (Martin Krause, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. Juni 2022 | 08:30 Uhr

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