Baumsterben in Dessau-Roßlau Neue Bäume für den Stadtwald: Jägerschaft sammelt Spenden

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
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Die Stadt Dessau-Roßlau gilt dank ihrer vielen Wälder als besonders grün. Doch die Wälder haben unter den letzten beiden Hitzesommern und Käferbefall sehr gelitten. Teilweise starben bis zu 70 Prozent der Bäume. Während Totholz abgeerntet wird, haben die Jäger der Region eine Hilfsaktion gestartet und konnten bereits erste Spendenschecks entgegen nehmen.

Ein abgestorbener Baum liegt im Stadtwald von Dessau-Roßlau. 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mo 21.06.2021 12:36Uhr 02:15 min

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Der Kühnauer Park, das Luisium, der Park Georgium, der Schillerpark, die Auenwälder entlang von Elbe und Mulde: Dessau ist von zahlreichen Schloss- und Parkanlagen umgeben und zählt deshalb zu den grünsten Städten Deutschlands.

Doch das Grün leidet, vor allem unter den letzten beiden Hitzesommern, sagt Stadtförster Guido Siebert. Er schätzt, dass ein Drittel der insgesamt 9.800 Hektar Waldfläche in und um Dessau-Roßlau stark geschädigt sind. Dies treffe auch auf die 300 Hektar Stadtwald zu.

Baumsterben betrifft teilweise bis zu 70 Prozent aller Bäume

Besonders betroffen: die Lobenbreite zwischen den Ortsteilen Groß- und Kleinkühnau. Das 45 Hektar große Gelände ist vorwiegend mit Kiefern besetzt. Insgesamt sind dort in den vergangenen zwei Monaten etwa 2.500 Festmeter Holz geerntet worden, so Siebert. Alles abgestorbene Bäume. Das bedeutet, dass allein in diesem Waldstück zwischen 60 und 70 Prozent aller Bäume weg sind. Trockenheit, Käferplage und Eichenprozessionsspinner seien in Dessau-Roßlau die Ursachen für das Waldsterben, so Siebert.

In der Lobenbreite in Dessau-Roßlau zwischen den Ortsteilen Kleinkühnau und Großkühnau liegt allerhand Totholz auf dem Waldboden.
In der Lobenbreite in Dessau-Roßlau zwischen den Ortsteilen Kleinkühnau und Großkühnau liegt allerhand Totholz auf dem Waldboden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit dem Kahlschlag aber entstehen dramatische Lücken, die geschlossen werden müssen. 60.000 Euro investiert die Stadt Dessau-Roßlau jedes Jahr in die Sicherung, Pflege und Aufforstung kommunaler Waldflächen. Dazu kommen noch Aufforstungen im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, wie zum Beispiel durch das Städtische Klinikum. Auch das Impfstoffwerk Dessau-Tornau hat Erstaufforstungen vorgenommen und Acker in Waldflächen umgewandelt, so Siebert.

Sammelaktion soll helfen, Kahlschlag wieder aufzupflanzen

Jetzt kommt zusätzliche Unterstützung bei der Aufforstung von unverhoffter Seite. Die Kreisjägerschaft Anhalt hat zu Spenden aufgerufen. Kreisjägermeister Michael Mitsching sagt: "Wir sehen es bei den Streifzügen durch unsere Reviere täglich: der Wald leidet. Die Veränderungen der Natur sind nicht mehr zu übersehen. Trockenheit und Hitze haben den Grundwasserspiegel deutlich absinken lassen. Selbst große Bäume haben zu kämpfen, um an Wasser zu kommen."

Wir Jäger haben ein besonders enges Verhältnis zum Wald. Daher wollen wir bei der Bewältigung des Problems mithelfen.

Kreisjägermeister Michael Mitsching

Die Jäger wollen in Zusammenarbeit mit dem Dessauer Tiefbauamt Bäume und Hecken auf Flächen in der Auenlandschaft rund um Dessau-Roßlau pflanzen. Dabei hoffen sie auf die Unterstützung von Bürgern, Firmen und Vereinen. Mit nur zwei Euro pro Baum könne die Aktion von allen unterstützt werden, erklärt Mitsching. Schon jetzt befänden sich auf dem Konto knapp 5.000 Euro. Privatpersonen hätten gespendet, aber auch Kommunalpolitiker und natürlich die 70 Mitglieder der Kreisjägerschaft.

Stadtförster ruft zu Spenden auf, um Verbundenheit zu zeigen

Stadtförster Guido Siebert (rechts) und Kreisjägermeister Michael Mitsching (Mitte) nehmen in Dessau-Roßlau Spenden für den Wiederaufbau des Stadtwalds von Lars Appelt von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt (zweiter von rechts) und zwei Vertretern der IMG Rodleben entgegen.
Spendenaktion für den Stadtwald Dessau-Roßlau: Die ersten Schecks wurden übergeben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt gehört zu den ersten Spendern. Lars Appelt, Außenstellenleiter der Landgesellschaft am Standort Wittenberg, hat den symbolischen Spendenscheck in Höhe von 600 Euro an Mitsching überreicht. "Nachhaltiges Handeln gehört auch zu unserer Unternehmenspolitik, von daher war es uns wichtig, ein Zeichen zu setzen und Engagement für Heimat und Natur zu unterstützen", so Appelt.

Stadtförster Guido Siebert freut sich über jede einzelne Spende. "Wichtig für uns ist aber auch, dass viele sich an der Aktion beteiligen, um damit die Verbundenheit mit unserem Stadtwald zu zeigen."

Baumpflanzungen beginnen im Herbst

Siebert ist bereits dabei Flächen auszuwählen, die dringend neu bepflanzt werden müssen. Gemeinsam mit der Kreisjägerschaft werden auch schon Pläne für die Gestaltung gemacht. Steuobstwiesen sind geplant, aber auch Hecken und Sträucher sowie Baumarten, die mit den neuen Klimabedingungen besser zurecht kommen, so Siebert.

Ab Herbst sollen die ersten Bäume und Sträucher in den Dessauer Stadtwäldern gepflanzt werden. Dafür werden noch bis September Spenden gesammelt, zwei Euro pro Baum. Mitmachen kann jeder.

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Susanne Reh arbeitet seit Anfang 1994 bei MDR SACHSEN-ANHALT, meist im Regionalstudio Dessau. Ihre Schwerpunkte sind Themen aus dem Kultur- und Sozialbereich. Ob Weill-Fest in Dessau, Luther in Wittenberg oder Dessau-Wörlitzer Gartenreich, die Autorin fängt Themen für Radio, Fernsehen und Online mit Mikrofon und Kamera ein. Ihre besondere Leidenschaft gilt den "Geschichten aus Sachsen-Anhalt" jeden Sonntagvormittag bei MDR SACHSEN-ANHALT. Bevor sie zum Radio kam, hat sie in Halle Literatur und Geschichte studiert. Die zweifache Mutter stammt aus Sachsen-Anhalt, aus dem Mansfelder Land. In ihrer Freizeit trifft man sie auf dem Fahrrad, Motorrad oder beim Joggen oder Schwimmen an. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind deshalb die Goitzsche bei Bitterfeld und der Geiseltalsee.

MDR/Susanne Reh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Juni 2021 | 13:40 Uhr

8 Kommentare

Kritiker vor 5 Wochen

@Eulenspiegel: Im Bericht steht zum Einen das es 60% bis 70% sind. In soweit ist es schon richtig was @W.Merseburger anführt NUR und das es wichtig ist: HIER WIRD VON EINEM LOKALEN BEREICH geschrieben, der zwischen Kleinkühnau und Großkühnau und das hier, (was ja auch stimmt) vorwiegend Kiefern stehen bzw. standen.

Kritiker vor 5 Wochen

+...Die Jäger wollen in Zusammenarbeit mit dem Dessauer Tiefbauamt Bäume und Hecken auf Flächen in der Auenlandschaft rund um Dessau-Roßlau pflanzen....+
Sind nicht auch Auenlandschaften von der Dürre und den niedrigen Wasserstand von Elbe und Mulde mit betroffen? Von Grund.- oder Oberflächenwasser ganz zu schweigen. Jungbäume brauchen auch viel Zeit ehe diese mit den Wurzeln entsprechend an Wasser kommen.

W.Merseburger vor 5 Wochen

Werter Eulenspiegel,
ich wollte mich aus dieser Diskussion entsprechend meiner Überzeugung weitgehend heraushalten. Ihr Satz: "Baumsterben betrifft teilweise bis zu 70 Prozent aller Bäume" ist einfach sehr unbedacht unlogisch und deswegen mehr als kritikwürdig zu bewerten.

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